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Flugzeugkatastrophe von 1986 : Gedenkstein erinnert an Absturzopfer

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Es soll ein Ort der gemeinsamen Trauer um die Toten der Flugzeugkatastrophe von 1986 sein: Auf dem Waldfriedhof weihte Stadtpräsident Nolte gestern, genau 26 Jahre nach dem Unglück, eine Gedenkstätte für die Opfer ein.

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erstellt am 13.Dez.2012 | 10:54 Uhr

Haselholz | Stilles Gedenken gestern auf dem Waldfriedhof: An dem Granit-Findling unter einer Kiefer und einer Birke am Hauptweg sind einzelne Blumen und Sträuße gruppiert, eine Gruppe von Menschen hat sich versammelt, verharrt in Erinnerungen. Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow legt ein Gebinde nieder.

Dann ergreift Stadtpräsident Stephan Nolte das Wort: "Wir gedenken gemeinsam der Opfer des Flugzeugabsturzes vom 12. Dezember 1986", sagt Nolte. Dann dankt er der Oberbürgermeisterin für die rasche Umsetzung des Beschlusses der Stadtvertretung, auch in Schwerin einen Ort der gemeinsamen Trauer einzurichten. In Berlin war an der Absturzstelle der Tu 134 bei Schönefeld bereits vor zwei Jahren eine Gedenktafel aufgestellt worden.


Oberbürgermeisterin Gramkow ihrerseits dankt den Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen Schwerin (SDS) für die Bereitstellung des Findlings und Mathias Sünnwoldt von der Firma Stempel-Helm für die Anfertigung der Gedenktafel sowie Steinbildhauer Uwe Lange für deren Anbringung. "So haben wir jetzt auch in der Landeshauptstadt einen zentralen Ort, an dem wir gemeinsamen um die 23 Schweriner trauern können, die bei der Katastrophe vor 26 Jahren aus dem Leben gerissen wurden", sagt Gramkow. Zugleich informiere nun eine Tafel an dem Gedenkstein direkt an der Friedhofsmagistrale über das Unglück.

Das geschah am 12. Dezember 1986. Eine sowjetische Aeroflot-Maschine des Typs Tu 134 war beim Landeanflug auf den Flughafen Berlin-Schönefeld bei Bohnsdorf abgestürzt. 72 der 82 Insassen der in Prag gestarteten Tupolew kamen bei dem Unglück ums Leben. Unter den Opfern befanden sich 20 Schüler der Klasse 10a der Ernst-Schneller-Oberschule Schwerin, die von ihrer Schulabschlussfahrt nach Minsk zurückkamen, ihre Lehrerin und zwei Betreuer. "Noch heute weiß ich um die Trauer und Ohnmacht, die mich damals als junge Mutter ergriff", erinnert sich Gramkow.


Über die Unglücksursache gab es seinerzeit viele Gerüchte, denn die Informationen über den Absturz der sowjetischen Passagiermaschine wurden von der DDR-Führung bewusst gering gehalten. So machte zunächst die These von einer angetrunkenen Besatzung die Runde. Die wurde jedoch durch den Obduktionsbericht widerlegt. Vermutlich war die sowjetische Besatzung mit dem auf Englisch geführten Funkverkehr und dem geforderten Wechsel auf eine andere Landebahn überfordert und setzte deshalb zu früh zum Endanflug auf Schönefeld an. Ein Durchstartversuch im letzten Augenblick - Anwohner hatten von einem Aufheulen der Triebwerke berichtet - war erfolglos geblieben. Der 12. Dezember 1986 war ein trüber Wintertag. Weil in Berlin Nebel herrschte, landete die aus Minsk kommende Tu 134 zunächst in Prag zwischen und wartete auf besseres Wetter. Um 15.30 Uhr hob die Maschine in der tschechischen Hauptstadt ab und nahm Kurs auf Berlin. 90 Minuten später war das Flugzeug im Landeanflug auf Schönefeld. Augenzeugen fiel gegen 17 Uhr ein besonders lautes Geräusch der Düsentriebwerke auf, dann krachte es. Anwohner und Passanten, darunter auch zufällig vorbeifahrende NVA-Soldaten, rannten sofort zur Absturzstelle und begannen, die Verletzten zu bergen. Dann schlugen Flammen empor, das Wrack brannte aus.

An der Unglücksstelle in Berlin-Bohns dorf an der Waltersdorfer Straße, erinnert seit Dezember 2010 eine Tafel an die Katastrophe. Verwandte von Opfern und Überlebende hatten diese kleine Gedenkstätte angeregt. Die Idee wurde von der Schweriner Stadtvertretung aufgegriffen und die Aufstellung eines Gedenksteins auf dem Waldfriedhof, wo die meisten der Schweriner Opfer ihre letzte Ruhestätte fanden, beschlossen. Gestern nun konnte die Stätte der gemeinsamen Trauer eingeweiht werden.

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