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Zeitung für die Landeshauptstadt

23. August 2017 | 16:05 Uhr

Die Angst im Kalten Krieg : Gasmasken für alle

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Feuerwehrmuseum zeigt spannende Schau zur Geschichte des Atemschutzes und die Auswüchse zur Zeit des Kalten Krieges

Der Raum wirkt skurril und fast ein bisschen beängstigend: Pferdeköpfe mit Gasmasken, Puppen mit Gasmasken, eingehüllte Säuglingsbetten. Eine Konstruktion zieht den Blick magisch auf sich: ein selbst gebautes kleines Zelt, das anmutet, als wäre es aus einer Gartentischdecke geschneidert, daraus hängen Schläuche, die zu einem Blasebalg mit aufgesetztem Filter führen. Darunter ein kleines Bettchen. „Prototyp Kleinstkinder-Gasschutzgerät, nach 1980“ steht auf einem Stück Papier an der Wand daneben. Ein Neuerervorschlag.

Was heute wie eine Szene aus einem schlechten Science-Fiction-Film anmutet, war für viele Menschen zur Zeit des Kalten Krieges offenbar ein Bedürfnis: Schutzmechanismen gegen einen möglichen Gasangriff zu entwickeln. Im Feuerwehrmuseum in der Halle am Fernsehturm sind sie heute noch zu bestaunen.

Dem Atemschutz ist dort ein ganzer Ausstellungsbereich gewidmet. Mehr als 2500 Exponate erzählen die Geschichte vom ersten hochkomplizierten Rauchhelm aus dem Jahr 1880 bis zur federleichten Fluchthaube aus dem 21. Jahrhundert. Erster Weltkrieg, NS-Regime, Kalter Krieg und Nachwendezeit werden behandelt. Der Zivilschutz in der DDR hat dabei einen eigenen Raum.

„Die Angst war groß“, sagt Museums-Chef Uwe Rosenfeld, wenn seine verblüfften Besucher auf die Kostenaufstellungen deuten und die Augenbrauen hochziehen angesichts folgender Zahlen auf den Info-Tafeln: 1,8 Millionen „Bevölkerungsschutzmasken“ wurden in den 80er-Jahren von der Sowjetunion in die DDR geliefert, 90,5 Millionen Mark haben die gekostet. Im gleichen Zeitraum kamen auch 866 600 Kindergasmasken für 41 Millionen Mark sowie 25 995 Kinderschutzkammern für 21 Millionen Mark. Auch die Holzkisten, in denen sie aufbewahrt wurden, sind zu sehen, ebenso wie die fachgerechte Anbringung – an Puppen.

Die Sammlung und die wissenschaftliche Aufarbeitung suchen ihresgleichen. Hubert Pinick aus Perleberg ist beim Internationalen Feuerwehrmuseum der Spezialist auf dem Gebiet Atemschutz. „Gerade haben wir vier unserer Museumsstücke nach Berlin für die zentrale Ausstellung über den 1. Weltkrieg verliehen“, sagt Uwe Rosenfeld nicht ohne Stolz. Denn auch Masken aus der Zeit der ersten kriegerischen Gasangriffe, die den Ursprung für die Ängste der nachfolgenden Generationen legte, gehören zur Schweriner Sammlung.

Das Hauptaugenmerk liegt aber auf dem Feuerwehr-Bereich. Denn die Kameraden sind bis heute fast bei jedem Einsatz mit giftigen Dämpfen konfrontiert und auf professionellen Atemschutz angewiesen. Bevor es die Masken gab, konnten sie Hausbrände nur ungezielt von außen löschen, den Brandherd im Inneren ungeschützt zu bekämpfen, war viel zu gefährlich, erklärt Uwe Rosenfeld. Der Rauchhelm der Firma König aus dem Jahr 1880 änderte das erstmals. Allerdings hatte er noch metallene Augenklappen und am Helm waren zwei Schläuche angebracht, die bis nach draußen führten. Von dort wurde mit einem Blasebalg dem Feuerwehrmann die nötige Atemluft zugepustet. Im Laufe der Jahre wurde die Technik immer besser, die Materialien immer leichter. Der Blasebalg wurde durch transportable Luftflaschen ersetzt, Filter holten verschiedene Stoffe aus der Luft. Mehrere Stunden können Feuerwehrleute heute mit Hilfe des Atemschutzes in hochgiftiger Atmosphäre überleben. „Nur so kann zum Beispiel ein Brand im Elbtunnel gelöscht werden“, sagt Rosenfeld. „Allein um erstmals zur Mitte der Röhren zu gelangen, brauchen die Helfer eine halbe Stunde.“

Noch jede Menge weitere spannende Informationen liefert das Team vom Feuerwehrmuseum bei angemeldeten Führungen durch die Schau. Zu buchen sind sie unter Telefon 0385-20271539 oder direkt bei Museumsleiter Uwe Rosenfeld unter 0178-1641641.

 

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erstellt am 01.Jun.2014 | 08:00 Uhr

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