Landleben : Für verwöhnte Kühe lässt dieser Bauer das Gras wachsen

So muss es aussehen: Bernd Rieprecht reißt einen Büschel Weidelgras ab. Nur das will er auf seinen Wiesen.   Fotos: Müller
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So muss es aussehen: Bernd Rieprecht reißt einen Büschel Weidelgras ab. Nur das will er auf seinen Wiesen. Fotos: Müller

Bernd Rieprecht und seine Berufskollegen haben ersten Grünschnitt eingefahren

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03. Juni 2015, 16:00 Uhr

Grün, soweit das Auge reicht: Die Wiesen rund um den Hof der Plater Agrargenossenschaft sehen prächtig aus. Doch der Blick aus der Ferne täuscht. Denn so wirklich ist Bernd Rieprecht nicht zufrieden mit dem, was da momentan wächst. „Es gibt viele kahle Stellen und einige Bereiche färben sich langsam gelb. Wasser fehlt“, erklärt der Landwirt. Für ihn und seine Berufskollegen zählt derzeit jede sonnige und vor allem regnerische Minute. Denn der erste Schnitt ist bereits gemacht, das Gras getrocknet und die erste Fuhre Silage eingefahren. Jetzt heißt es in den nächsten Tagen, erst einmal warten und hoffen. „Unsere Milchkühe sind Hochleistungstiere. Sie brauchen richtiges Futter, das auch Kraft in sich hat. Zudem sind Kühe wahre Feinschmecker“, erläutert Rieprecht. Mit dem ersten Schnitt auf den Wiesen ist er in diesem Jahr nicht nur spät dran, da Nachtfröste und das kalte Wetter die Vegetation aufgehalten haben, sondern auch der Wildwuchs auf den Flächen macht ihm zu schaffen. „Wir haben zu viel Ampfer, Löwenzahn, Spitzwegerich und andere Unkräuter auf den Flächen. Unsere Kühe lieben Weidelgras und das in allen Varianten“, sagt Rieprecht. Es sei ohnehin in der Region Plate sehr schwer, dem Boden Fruchtbares abzugewinnen. „Wir liegen hier bei 18 Bodenpunkten. Das ist reinster Sandboden“, erklärt der Bauer mit hochgezogenen Augenbrauen. Denn neben Gras für Silage kann er lediglich Roggen und Mais auf den Flächen ernten. Alles, was die Maschinen über den Sommer bis in den Herbst einholen, wird von den Hochleistungsrindern verwertet. Rund 400 stehen in den Ställen der Plater Agrargenossenschaft und wollen täglich ein schmeckendes Mahl. „Eine Kuh braucht am Tag zwischen 40 und 45 Kilogramm Futter. Das meiste davon ist Silage. Sozusagen, das Hauptfutter“, erläutert der Geschäftsführer. Doch bevor die Kuh das Futter bekommt, wird es geprüft. „Dann kommt der Kontrolleur und nimmt eine Probe aus dem gesamten Querschnitt des Silos. Und erst, wenn wir wissen, dass alles in Ordnung ist, wird das Futter serviert“, versichert der Plater Landwirt. Herdenmanager und Futtermittelberater stellen auch anhand der Messergebnisse erst die Futterration zusammen.

Und damit da auch die Qualität stimmt, wird auf den Weideflächen regelmäßig nachgesät. „Sind die Flächen komplett unbrauchbar, also das, was wir davon zu Silage machen können, dann werden sie umgebrochen und neu eingesät“, sagt Rieprecht und erklärt, dass bis zu 40 Kilogramm Saatgut auf einem Hektar verteilt nach einem sonnigen und feuchten Sommer sich zu einer guten Wiese entwickeln. Doch das sei immer nur die halbe Miete. „Ganz wichtig ist, dass die Silage gut anwelkt. Das wichtigste Ziel ist, möglichst schnell einen Trockenmasseanteil von 35 bis 55 Prozent zu erreichen. Dadurch werden die Silierprozesse gefördert sowie der Proteinabbau verringert und der Gärsaftanfall verhindert“, erläutert der Ackerbauer. Doch das ist noch nicht alles: „Anschließend wird es geschwadet und kommt dann in den Silo. Und wenn dabei was falsch läuft, kann es schon mal nach Buttersäure oder Essigsäure riechen. Dann kann man das alles vergessen. Doch das kommt zum Glück nur ganz selten vor“, betont Bernd Rieprecht.

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