Demenz : Für kranke Partnerin kochen lernen

Auch die Volleyballerinnen des Schweriner SC waren schon da: In der Kochschule von Frank-Peter Krömer lernen bald Männer mit Topf und Pfanne umzugehen, um ihre an Demenz erkrankten Partnerinnen zu bekochen.
Auch die Volleyballerinnen des Schweriner SC waren schon da: In der Kochschule von Frank-Peter Krömer lernen bald Männer mit Topf und Pfanne umzugehen, um ihre an Demenz erkrankten Partnerinnen zu bekochen.

Zentrum Demenz organisiert erstmals einen Tages-Kochkurs für Männer, die ihre Frauen zu Hause betreuen und pflegen

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03. August 2015, 10:00 Uhr

Demenz heißt übersetzt „ohne Geist“ und weist auf die Ursache der Krankheit hin: eine Störung im Gehirn, die zur grundlegenden Persönlichkeitsveränderung führen kann. In Schwerin wird die Zahl der Erkrankten in den kommenden zehn Jahren erheblich steigen – um bis zu einem Drittel, sagen Prognosen.

Das Bild, das die meisten im Kopf haben, wenn von Demenz die Rede ist: Aufopferungsvoll kümmern sich die Ehefrauen um ihre erkrankten Männer. „Allein statistisch gesehen ist das nicht so“, sagt Ute Greve vom Zentrum Demenz. Hinzu käme, dass es sich bei vielen älteren Männern noch um die Kriegsgeneration handelt, bei der es logischerweise heute mehr Frauen als Männer gibt. „Außerdem werden Frauen älter als Männer. Deshalb gibt es auf jeden Fall ebenso viele an Demenz erkrankte Frauen wie Männer, „wahrscheinlich aber mehr“.

Und für sie will das Zentrum Demenz jetzt gemeinsam mit der Kochschule von Frank-Peter Krömer in der Goethestraße ein besonderes Angebot unterbreiten: Sie sollen kochen lernen. Auch wenn es wie ein Klischee klingt: In dieser Generation sind zumeist die Frauen der Herr am Herd. „Dass plötzlich der Mann für das Essen sorgen muss, überfordert manche ganz erheblich“, berichtet Ute Greve aus ihrer persönlichen Erfahrung.

Das zusätzliche Problem: Die meisten Männer sagen niemandem, dass ihre fehlenden Kochkenntnisse zu einem wachsenden Problem werden. „Männer können schwerer Hilfe annehmen“, sagt Ute Greve. Das zeige sich auch in der Betreuungsgruppe im Zentrum Demenz. Ehepartner bringen dort ihre erkrankten Partner hin, um für einige Stunde Zeit für sich selbst zu haben. Das Verhältnis ist schräg: 13 Männer und drei Frauen werden derzeit einmal pro Woche betreut. „Frauen suchen sich Hilfe. Männer wollen es allein schaffen“, lautet Ute Greves Fazit. Das lässt sich sogar statistisch belegen, wie jüngste Zahlen des Bundesfamilienministeriums belegen. Demnach hätten 87 Prozent der Befragten bundesweit erklärt, sie zögen aus der Betreuung des an Demenz erkrankten Partners Kraft für das eigene Leben. Die Betreuung werde zu ihrer Aufgabe.

Deshalb will Ute Greve das Angebot zur Hilfe ganz unkompliziert und niedrigschwellig halten. Wer an einem Tag einen etwa dreistündigen Basis-Kochkurs erhalten möchte, kann sich unter Telefon 0385-52133818 melden. Die Partnerin wird während des Kochkurses im Zentrum Demenz betreut. Die Premiere soll es schon im Herbst geben. In der nachfolgenden Adventszeit ist die Kochschule Krömer bereits gut gebucht. „Vielleicht können wir es sogar organisieren, dass am Ende die Frauen essen, was die Männer gekocht haben“, sagt Ute Greve. Dann hätten die Männer gleich ein hoffentlich positives Echo – und einen Mutmacher, mehr zu versuchen am heimischen Herd.

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