Autofahren in Schwerin : Führerschein auf immer und ewig

Wer seinen Führerschein ordentlich erworben hat, kann ihn auf Lebenszeit behalten, wenn er sich an die Verkehrsregeln hält.
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Wer seinen Führerschein ordentlich erworben hat, kann ihn auf Lebenszeit behalten, wenn er sich an die Verkehrsregeln hält.

Senioren am Steuer: Viele Schweriner sorgen sich um die Fahrtüchtigkeit ihrer Eltern, ihnen bleibt aber nur die Hoffnung auf Einsicht

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25. August 2016, 05:00 Uhr

Sie mache sich Sorgen um ihren Vater. Er sei Mitte 70, könne aus gesundheitlichen Gründen eigentlich nicht mehr Auto fahren, wolle seinen Führerschein aber nicht abgeben. Ob die Polizei helfen könne, fragte die Schwerinerin in ihrer E-Mail. „Ein sensibles Thema“, sagt Polizeisprecher Steffen Salow. Mobil zu sein, sei ein grundlegendes Recht. Niemand könne ohne weiteres gezwungen werden, seinen Führerschein für immer abzugeben, von der Polizei nicht und von besorgten Angehörigen auch nicht, so Salow.

Um aktiv zu werden, brauche die Polizei einen konkreten Anlass, erklärt Salow. Werde beispielsweise bei einem Unfall oder einer Verkehrskontrolle festgestellt, dass ein älterer – oder auch jüngerer – Autofahrer in punkto Fahrtüchtigkeit gewisse Probleme habe, gäbe es einen Hinweis an die Führerscheinstelle. Diese nehme dann Kontakt mit dem betreffenden Fahrer auf, bitte ihn, einen Fragebogen durch seinen Hausarzt ausfüllen zu lassen, so der Polizeisprecher. „Sollten weiterhin Zweifel an der Eignung zum Fahren bestehen, gibt die Führerscheinstelle ein medizinisches Gutachten in Auftrag.“

Falle die Expertise, die der Fahrer selbst zu bezahlen habe, negativ aus, sei die Führerscheinstelle berechtigt, die Fahrerlaubnis einzuziehen, sagt Salow. Manchmal mache die Behörde aber auch bestimmte Auflagen, so dürfe der Fahrer aus Sicherheitsgründen nur noch zu bestimmten Zeiten zu bestimmten Orten fahren.

Etwa zweimal im Monat ziehe die gemeinsame Führerscheinstelle für Schwerin und den Landkreis Ludwigslust-Parchim eine Fahrerlaubnis ein, berichtet der Polizeisprecher. Angehörige hätten auf dieses Verwaltungsverfahren kaum Einflussmöglichkeiten. Wer sich Sorgen um die Fahrtüchtigkeit seines Vater oder seiner Mutter mache, dem bleibe eigentlich nur die Hoffnung auf die Einsicht des Betreffenden, so Salow. Vielleicht könne ein Gespräch mit dem Hausarzt der Eltern helfen, die nötige Überzeugungsarbeit zu leisten – im Interesse der allgemeinen Verkehrssicherheit.

Nach Angaben von Anke Wedlich vom Sachgebiet Verkehr der Schweriner Polizeiinspektion gingen im ersten Halbjahr dieses Jahres rund 15 Prozent der Verkehrsunfälle in der Landeshauptstadt auf das Konto von Fahrern, die älter als 65 Jahre sind. Mehr als die Hälfte dieser Unfälle hätten sich allerdings auf Parkplätzen ereignet. „Ältere Kraftfahrer sind in der Regel vorsichtig unterwegs, halten die Geschwindigkeit ein“, sagt Wedlich.

„Senioren in Fahrt“, so nennt sich ein öffentlich finanziertes Programm, das insbesondere das theoretische Wissen älterer Verkehrsteilnehmer auffrischen will. „Das Angebot wird gut angenommen“, sagt Alexandra Oehlke von der Fahrschule Fritz, die ein solches Training in Schwerin anbietet.

In manchen Fällen können gesundheitliche Probleme schon durch ein kleines Hilfsmittel behoben werden, zum Beispiel durch eine Brille. So schildert Polizeisprecher Salow den Fall eines älteren Herrn, der in der Führerscheinstelle Schwierigkeiten beim Unterschreiben seiner Fahrerlaubnis hatte. „Meine Frau sagt mir im Auto immer, wann ich abbiegen muss“, verriet er dem Mitarbeiter.

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