Schwerin : Fritz Reuters Fenstersturz

Stern’s Hotel am 1. Dezember 1908: An diesem Tag fuhr die erste elektrische Straßenbahn in Schwerin. Repro: stadtarchiv
Stern’s Hotel am 1. Dezember 1908: An diesem Tag fuhr die erste elektrische Straßenbahn in Schwerin. Repro: stadtarchiv

Untergegangene Hotels: Stern’s Hotel am Pfaffenteich beherbergte prominente Gäste

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20. Juni 2018, 08:00 Uhr

Die Landeshauptstadt setzt auf den Fremdenverkehr. Dienstreisende und Touristen nutzen größere und kleinere Hotels und Pensionen, um ein oder mehr Tage in Schwerin zu übernachten. Doch die Landschaft des Beherbergungsgewerbes ist in ständiger Veränderung. Wir wollen in dieser Woche Hotels vorstellen, die einst eine große Bedeutung in der Stadt hatten, die es aber schon lange nicht mehr gibt. Heute: Stern’s Hotel. Seinen Namen hatte das Hotel von der Besitzerfamilie Stern, in deren Hand es über drei Generationen war. Eröffnet wurde es 1848 von Carl Friedrich Stern. Der pries in einer Anzeige die „in dem nobelsten Styl gehaltene bauliche Einrichtung“ und die „äußere Eleganz“.

Schnell entwickelte sich das Haus zu einem der führenden Hotels in der Residenzstadt. Konzerte, Versammlungen und viele weitere Veranstaltungen fanden hier statt.

Einige Prominenz stieg in Stern’s Hotel ab. Richard Wagner stieg hier 1873 ab. Er besuchte eine Aufführung seines Fliegenden Holländers am Hoftheater und nutzte gleich die Gelegenheit, Sänger für sein Festspielhaus in Bayreuth abzuwerben.

Auch Fritz Reuter nahm am Pfaffenteich Logis. Von ihm geht die Legende, dass er volltrunken aus dem Fenster gefallen sei. Mal heißt es aus dem ersten Stock, mal aus dem Hochparterre. Wie auch immer – 1863 siedelten die Reuters nach Eisenach über. Angeblich auf Wunsch seiner Frau, um den Dichter von seinen Trinkkumpanen fernzuhalten. Vor dem Hotel hatte ein Schweriner Original sein Revier: August Felten, der nie um einen flotten Spruch verlegen war. Der Straßenkehrer ist heute auf dem Marienplatz in Bronze verewigt.

In einer Anzeige von 1905 warb Stern’s Hotel mit seiner Lage am Pfaffenteich und der Nähe von Post und Telegrafenamt. Wie andere große Hotels der Stadt auch bot das Haus elektrisches Licht und Zentralheizung, „Hausdiener und Gepäckwagen am Bahnhof“. Ein Jahr später – 1906 – wurde Stern’s Hotel an Otto Reder, den Oberkellner des Hauses verkauft. Der bekam nach dem Ersten Weltkrieg Probleme, weil die Gäste ausblieben. Um das Hotel attraktiver zu machen, ließ Reder 1921 eine reich verzierte Fassade anbringen. Doch umsonst. Im Oktober 1923 schloss das Haus. Sechs Jahre später übernahm die Hannoversche Girozentrale das Gebäude und baute es für ihre Zwecke um. Nach dem Zweiten Weltkrieg, im August 1945, wurde hier der „Regionalverband des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands gegründet. Vorsitzender wurde Willi Bredel. Nach und nach zogen immer mehr Vereine und Verbände in das Haus am Pfaffenteich. 1950 wurde die Fassade „gehobelt“. Das Staatstheater spielte von 1968 an im TiK – dem Theater im Kulturbund.

Nach 1990 hatten die Urania, eine Musik- und eine Ballettschule sowie ein freies Theater ihr Domizil am Pfaffenteich. Die Gaststätte hieß Demmler-Restaurant.

2000/01 wurde das Haus von der städtischen Wohnungsgesellschaft WGS auf Beschluss der Stadtvertretung umfassend saniert.

Heute hat die Kunstschule Ataraxia im Haus der Kultur ihren Sitz. Das Restaurant heißt Bolero. Und auf dem Hof gibt es je nach Jahreszeit eine Strandbar oder die Keilerhütte.

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