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Zeitung für die Landeshauptstadt

23. November 2017 | 14:27 Uhr

Zu viel Verkehr? : Friedhof wird Rennstrecke

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

SVZ-Leser fühlen sich genervt, weil immer mehr Autos zwischen den Grabstellen in Schwerin umherfahren.

von
erstellt am 27.Mai.2015 | 08:00 Uhr

SVZ-Leserin Christel Brüggert wohnt in der Jean-Sibelius-Straße direkt neben dem Alten Friedhof und geht dort gern spazieren. „Ich wohne schon mein ganzes Leben hier und bin seit meiner Kindheit gern auf dem Friedhof mit seiner Parklandschaften alten Bäumen und der wunderbaren Atmosphäre“, sagt die 76-Jährige. Doch jetzt werde ihr die Freude zunehmend vergällt. „Mittlerweile fahren hier so viele Autos umher, dass es mit der Ruhe vorbei ist“, sagt die Schwerinerin sauer. Besonders ärgerlich sei, dass die meisten Fahrzeuge gar keinen Behindertenausweis oder andere Sondergenehmigungen hätten.

Ähnliches berichten weitere SVZ-Leser auch vom Waldfriedhof. Dass auf dem relativ weitläufigen Areal Behinderte mit ihrem Auto bis in die Nähe ihrer Grabstellen fahren, sei verständlich. Doch auf dem Areal seien mittlerweile so viele andere Fahrzeuge unterwegs, dass von der sprichwörtlichen Friedhofsruhe keine Rede mehr sein könne. Das sei nicht mehr hinnehmbar. Die Leser fordern strengere Kontrollen.

Doch ob das helfen kann, ist höchst zweifelhaft. Denn die „Friedhofsordnung für die von der Landeshauptstadt Schwerin verwalteten Friedhöfe“ lässt ein Befahren durchaus zu. Zwar heißt es in Paragraf 5, Absatz 2: „Auf den Friedhöfen ist insbesondere
nicht gestattet, die Wege mit Kraftfahrzeugen aller Art zu
befahren“, doch schon in Absatz 3 wird dies relativiert: „Die Friedhofsverwaltung kann von den Bestimmungen in Absatz 2 Ausnahmen zulassen, soweit sie mit dem Zweck der Friedhöfe und der Ordnung auf ihnen vereinbar sind.“

Der Umgang mit den Ausnahmegenehmigungen wird locker gehandhabt. Nonno Schacht, Bereichsleiter Öffentliches Grün bei der Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen Schwerin (SDS) sagt: „Ja, wir erteilen sowohl Tages- als auch Jahresgenehmigungen zum Befahren der Friedhöfe mit dem eigenen Auto. Das lässt die Friedhofsordnung zu.“ Man sei sich zwar des Interessenkonflikts bewusst, doch es gäbe immer mehr Menschen, die mit dem eigenen Fahrzeug zu den Grabstellen wollten. „Da der Waldfriedhof in dieser Hinsicht besonders intensiv genutzt wird, beraten wir gerade über eine Schrankenlösung ähnlich eines bewachten Parkplatzes mit einem Kassenautomaten. Wir hoffen, dass es dann ruhiger wird“, sagt Schacht. Das sei zwar zunächst eine erhebliche Investition, doch die zahle sich sicher aus, so der Bereichsleiter. Das sieht Christel Brüggert anders. Damit werde der Charakter eines Friedhofes zerstört, findet die Schwerinerin.

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