zur Navigation springen

Ruhestätten in Schwerin : Friedhof mit bewegter Geschichte

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der jüdische Friedhof am Heidensee wird seit den 1970er-Jahren nicht mehr genutzt

svz.de von
erstellt am 16.Mär.2017 | 23:59 Uhr

Der Friedhof ist ein Ort für alle, die einen geliebten Menschen verloren haben, ein Ort des Abschieds, der Erinnerung, des Trostes und der Hoffnung. Als Parks abseits des turbulenten städtischen Lebens bieten die Schweriner Friedhöfe auch Raum für Spaziergänge in ruhiger Atmosphäre, so wie auf dem stillgelegten Jüdischen Friedhof in der Werdervorstadt.

Auf der kleinen Anhöhe am Heidensee ist es ruhig. Ab und zu weht der Wind, lässt die Bäume rascheln. Beim Spaziergang über den jüdischen Friedhof gibt es 60 alte Grabsteine zu entdecken, neue Gräber sucht man hingegen vergeblich. Denn seit den 1970er-Jahren finden hier keine Bestattungen mehr statt, der neue jüdische Friedhof befindet sich seit 2000 auf dem Gelände des Waldfriedhofes. Die Schweriner Ruhestätte für Juden hat eine bewegte Vergangenheit. Zunächst war der Friedhof in der Nähe des heutigen Schweinemarktes angelegt, der wohlhabende Hofjude Michel Ruben Hinrichs hatte das Gelände erworben. Die Verlegung in die Werdervorstadt an den heutigen Ort erfolgte 1717. Auf den Stadtplänen tauchte der jüdische Friedhof das erste Mal 1819 auf, mehrfach wurde er erweitert. 1899 wurde eine Feierhalle errichtet. Das Gebäude steht heute noch, im Inneren erinnern zwei Namenstafeln an die während der Zeit des Nationalsozialismus Deportierten.

In dieser Zeit wurde der Friedhof schwer zerstört. Obwohl er bereits zur Pogromnacht im November 1938 geschändet wurde, fand die letzte Beisetzung 1940 statt. Mit dem Zweiten Weltkrieg wurde dann aus der Ruhestätte eine Flakstation, das Gelände wurde zum Teil eingeebnet, viele Grabsteine mussten als Baumaterial herhalten. Dennoch konnten einige erhalten bleiben, so dass man den Friedhof 1949 wiederherstellen konnte – wenn auch nur für kurze Zeit. Denn 1950 wurde die Bornhövedstraße quer durch den Friedhof gebaut, die Ruhestätte in zwei Teile getrennt, auf dem südlichen Zeil steht die Feierhalle, der älteste Grabstein ist aus dem Jahr 1870. Auch die Kläranlage befindet sich auf dem Gelände des alten jüdischen Friedhofes.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen