Den Brandschützern inSchwerin gehen die Mitstreiter aus : Freiwillige Wehren werden langsamer

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Den fünf freiwilligen Schweriner Wehren gehen die Leute aus. Zuletzt waren noch 173 Kameraden aktiv. Die Folge: Die geforderte Zeit bis zum Eintreffen am Brandort wird nur noch in 40 Prozent der Einsätze erreicht.

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08. März 2013, 07:49 Uhr

Schwerin | Den freiwilligen Feuerwehren der Stadt laufen die Leute weg. Im vergangenen Jahr waren bei den fünf Wehren noch 173 Kameraden aktiv. Der von der Stadtvertretung beschlossene Bedarfsplan fordert insgesamt aber mindestens 185 Feuerwehrleute. 2012 haben 15 Einsatzkräfte die Wehren verlassen. Das geht aus dem Jahresbericht der Berufsfeuerwehr hervor. "Das Problem besteht vor allem in den Wehren Wickendorf, Warnitz und Wüstmark", sagt der Chef des Brandschutzamtes, Jürgen Rogmann. "Während der Woche sind viele Kameraden nicht erreichbar." Was auf den Dörfern fast schon Normalität ist, erreicht damit nun auch die Stadt. Die Folge: Die Zeit vom Alarm bis zum Eintreffen am Brandort wird bei den freiwilligen Wehren immer länger. Vorgegeben sind 13 Minuten. Diese Frist konnte im vergangenen Jahr nur in 40 Prozent der Fälle eingehalten werden. 2011 waren es noch 51 Prozent.

"Wir werden jetzt verstärkt um Nachwuchs werben", so Rogmann. Beim Tag der offenen Tür werden die Kameraden deshalb schon heute vor dem Stadthaus stehen. Außerdem soll die Zusammenarbeit mit dem Umland angeschoben werden. Denn ähnliche Probleme wie Wüstmark hat auch Pampow, bei den Nachbarn Wickendorf und Seehof sieht es genauso aus. "Es ist doch absurd", sagt Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow. "Da sind Wickendorfer Einwohner in der Seehofer Wehr und umgekehrt." Wenigstens eine Kooperation sollte da möglich sein. Doch dagegen sträuben sich die Kreisfeuerwehrverbände. "Sie haben Angst, dass die Wehren in den Dörfern platt gemacht werden", so Jürgen Rogmann.

Die Hauptlast bei der Brandbekämpfung, bei Hilfeleistungen und beim Rettungsdienst trägt in Schwerin jedoch die Berufsfeuerwehr. Zu 343 Bränden wurde sie gerufen - 35 weniger als 2011. Der Rettungsdienst dagegen wurde 20 586 mal angefordert - 1176 mal häufiger als ein Jahr zuvor. Gerade hier gab es aber auch die meisten Notrufmissbräuche. In der Stadt wird schon vom "Rogmann-Taxi" gesprochen: Für Betrunkene wird eben der Rettungswagen geholt, um sie nach Hause bringen zu lassen.

Insgesamt war die Berufsfeuerwehr deutlich schneller vor Ort, als die Kameraden der freiwilligen Wehren. "Es spricht für die Leistungsfähigkeit, dass die Helfer in 89 Prozent der Fälle innerhalb von 13 Minuten am Einsatzort waren, in 30 Prozent sogar in weniger als acht Minuten. Und das, obwohl im vergangenen Jahr in Schwerin viel gebaut wurde", so der für Feuerwehr und Rettungsdienst zuständige Dezernent Wolfram Friedersdorff.

Auffällig hoch war 2012 die Zahl der Treppenhausbrände, die auf 70, im Vorjahr waren es nur zwei, gestiegen ist. Auf fast ein Drittel verringert hat sich mit 33 Einsätzen dagegen die Zahl der Container-Brände. Auch die Alarmierungen durch Rauchmelder und Brandmeldeanlagen haben sich mit 44 gegenüber dem Vorjahr normalisiert. Allerdings gab es nur bei jedem zehnten Alarm durch die kleinen Deckengeräte auch tatsächlich eine Rauchentwicklung.

Die Zahl der spektakulären Einsätze lag 2012 besonders hoch. Die Einsätze reichten dabei von einem Brand im Terrassen- und Dachbereich des Mercure-Hotels, einer Müllsortieranlage in Holthusen und der Zulieferstrecke einer Siloanlage in Wüstmark über einen Suizid mittels Kohlenmonoxid in einem Hotel und der Brandstiftung in der Laufhalle am Lam brechtsgrund bis zu einem Bombenfund in der Feldstadt und einer Öleindämmung infolge eines Tankunfalls in der Schlossbucht.

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