Hallenser Schule : Freche Kunst mit liebevollen Details

Skuril: „Das Gastmahl“ von Rechn
4 von 4
Skuril: „Das Gastmahl“ von Rechn

Günther Rechn und Wolfgang Dreysse provozieren und verzaubern in Wiligrad

23-57693960_23-85279842_1481650574.JPG von
10. März 2015, 13:30 Uhr

Die Bilder gewähren Blicke hinter Türen, die man sonst vielleicht lieber nicht geöffnet hätte. Nackte Menschen, grinsende Fratzen – aber immer schwingt sie mit: die ausgelassene Freude. Die neue Ausstellung im Schloss Wiligrad soll aufwecken. Es werden klein- und großformatige Tier- und Landschaftsbilder von Günther Rechn sowie Skulpturen aus unterschiedlichen Materialien wie Bronze, Holz und Gips von Wolfgang Dreysse gezeigt. Die Künstler möchten mit ihren Werken den Blick auf das Wesentliche lenken: „Wer in die Ausstellung kommt, der muss nur wenige Augenblicke investieren. Das tägliche Geflimmer auf der Mattscheibe verdirbt den Blick. Die Menschen verlieren den Blick für die Schönheit der Natur. Hier bekommen sie wieder einen Anstoß“, wirbt Günther Rechn für seine Ausstellung. Der Blick des 70-Jährigen schweift zu einem der größten Werke im Raum: 22 Pferde bäumen sich auf wie vorm Sturm getrieben, ein Reiter versucht sich auf einem der Rösser zu halten. Und hinter ihnen die rotierenden Windräder. „Ich möchte das gar nicht kommentieren. Sie sind nun einmal da. Jeder Betrachter kann sich selbst seinen Reim darauf machen“, sagt Rechn und kann sich ein schelmisches Grinsen nicht verkneifen. Etwas wehmütig wird der Künstler beim Anblick seiner Kraniche. „Ich liebe diese Vögel und bekomme auch heute noch feuchte Augen, wenn ich diese eleganten Tiere sehe, wie sie tanzen, wie sie das Leben genießen. Auch dafür haben viele den Blick verloren. Das ist doch schon sehr traurig.“ Die Menschen müssten laut Rechn lernen, ihren Augen wieder zu vertrauen. „Sie gewinnen ganz viel dadurch“, ergänzt er und lädt gleichzeitig auch ein, ihn in seinem Cottbuser Atelier zu besuchen.

„Wir machen keine Kunst fernab von Leuten, sondern für die Menschen“, sagt Wolfgang Dreysse. Der Bildhauer möchte die Betrachter seiner Werke interessieren, ohne sie zu manipulieren. „Es macht mir unheimlichen Spaß, in die Tiefe der Seele zu gehen. Und das, was man glaubt zu sehen, ins Bild zu rücken“, erklärt der Künstler aus Halle. Die Liebe zu seinen Werken ist groß, sehr groß. Bei Ausstellungen wie dieser zeigt er sie gern, aber sie abgeben, nein, das würde er nicht. „Sie sind wie meine Kinder, ich hüte sie wie einen Augapfel. Und Kinder gibt man ja auch nicht einfach weg“, sagt der 67-Jährige.

Und genau diese Liebe hat Dr. Gerlinde Streichert in den Werken entdeckt. Auf den ersten Blick scheinen einige Skulpturen brutal und grob, aber beim zweiten ließe sich der liebevolle Umgang der Figuren erkennen. „Es ist einfach toll, was hier vor meiner Haustür geboten wird. Auch die Lebendigkeit der Tiere in den Bildern von Rechn sind unbeschreiblich. Ich kann diese Ausstellung der beiden Hallenser Schüler sehr empfehlen“, erklärt die Ausstellungsbesucherin aus Rugensee.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen