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Aktionstage gegen häusliche Gewalt in Schwerin : Frauen brechen ihr Schweigen

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Die Gewalt gegen Frauen und Kinder in Schwerin bleibt erschreckend hoch.Das Schweriner Frauenbündnis und andere Hilfestellen machen aufmerksam auf das Thema, über das zu oft geschwiegen wird.

svz.de von
erstellt am 09.Nov.2011 | 11:34 Uhr

Schwerin | Die Gewalt gegen Frauen und Kinder in Schwerin bleibt erschreckend hoch: Von Januar bis Oktober betreute nahm das Schweriner Frauenhaus insgesamt 74 Frauen und Kinder auf. 265 ambulante Beratungsgespräche wurden bei der Awo-Hilfestelle "Frauen in Not" geführt. 23 Frauen und elf Kinder betreute die Awo-Frauenpension "Ella" allein in diesem Jahr. Und die Dunkelziffer ist hoch.

Gewalt gegen Frauen und Kinder findet meist hinter verschlossenen Türen statt, dort, wo die Familie eigentlich Schutz und Geborgenheit bieten sollte. Sie hinterlässt tiefe Narben, aber viel zu selten öffentliche Empörung.

Jeden November legen das Schweriner Frauenbündnis und andere Hilfestellen den Finger in die Wunde und machen aufmerksam auf das Thema, über das zu oft geschwiegen wird. In diesem Jahr beginnen die Aktionstage am Freitag, 18. November, mit einer Lichteraktion und Konzert im Dom, anschließend wird die Flagge von "Terre des Femmes" vor dem Rathaus gehisst. Bis zum 22. November ist sie Mahnmal und Denkanstoß, sich mit dem Thema "Gewalt gegen Frauen und Kinder" auseinanderzusetzen.

Dank der beharrlichen Arbeit des Frauenbündnisses ist häusliche Gewalt in Schwerin heute kein Tabu-Thema mehr, betont Schirmherrin und Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow. "Immer mehr Frauen trauen sich heute, diese Hilfeangebote anzunehmen", betonte die OB. Liane Dommer, Leiterin der "Frauen im Zentrum", ergänzt: "Immer mehr Migrantinnen und ältere Frauen finden mittlerweile den Weg zu uns." Den Satz "Wäre ich doch bloß schon vor 30 Jahren gekommen", hört sie nicht selten. "Diese Themen verlangen einen sensiblen Umgang, weil die Opfer selbst oft mit großen Schuldgefühlen belastet sind. Wir müssen Menschen, denen häusliche Gewalt angetan wird, Auswege aus dem Teufelskreis von Gewalt und des Totschweigens zeigen und leicht zugängliche Hilfen anbieten", erklärt Angelika Gramkow. Und mit Blick auf die neue Zuordnung der Gleichstellungsstelle im Land zum Sozialministerium: "Ich werde alles dafür tun, dass in diesem hervorragend ausgebauten System nicht gekürzt wird."

Mit dem preisgekrönten Spielfilm "Das Fest", das mit schonungsloser Direktheit und scharfer Ironie die Brüchigkeit familiärer Strukturen aufzeigt, sind die Aktionstage erstmals auch im Kino präsent. Nach dem Film gibt es Gesprächs- und Kontaktmöglichkeiten. Neu dabei ist dieses Jahr auch das Pädagogium. Die Schulband "Seven Lanes" tritt bei der Eröffnungsveranstaltung im Dom auf - mit nachdenklichen Balladen und Frauen-Power-Rock. Am 22. November schließlich laden die "Frauen im Zentrum" zum Tag der offenen Tür in die Arsenalstraße.

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