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Zeitung für die Landeshauptstadt

21. August 2017 | 19:47 Uhr

Hut ab : Frau Froesa macht jetzt Feierabend

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Grüne Dame der ersten Stunde im Crivitzer Krankenhaus verabschiedet sich nach 15 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit

Der Pastor ist da, der Bürgermeister auch und der Klinikchef ist ebenfalls gekommen. Viel Platz ist nicht mehr im Nebenraum der Crivitzer Krankenhaus-Caféteria. Es gibt Sekt, Kuchen, Gedichte und etwas zu feiern: Die Grünen Damen des Mediclin-Krankenhauses am Crivitzer See feiern ihr 15-jähriges Bestehen. Und es gibt eine Verabschiedung, denn Ehrenamtlerin Helga Froesa hört nach eben genau diesen 15 Jahren auf.

Der Grund: Als der Grüne Star gekommen ist, ist die Sehkraft immer mehr zurück gegangen. „Eigentlich wollte ich ja bis 75 weiter machen, aber es kommt jetzt anders“, sagt Helga Froesa. Ihre Gesundheit ist angeschlagen, ihr Körper, so die 73-Jährige, habe ihr schon genug Signale gesendet. Das Aufhören falle ihr schwer. Und sie sagt, dass der Dienst bei den Grünen Damen das Beste war, was ihr hätte passieren können.

Es ist das Jahr 1999. In Crivitz gibt es noch keine Grüne Damen oder Herren, die sich um alte und kranke Menschen kümmern, ihnen Zeit schenken, um mit ihnen über große Sorgen oder kleine Alltäglichkeiten zu sprechen. Aber es gibt Helga Froesa, die Handelskauffrau, die nach der Wende arbeitslos geworden ist, dann einen Job beim Arbeiter-Samariter-Bund gefunden hat und gerne auch ehrenamtlich eine Tätigkeit ausüben will. „Herr Pastor, haben sie nicht eine sinnvolle Aufgabe, die ich übernehmen könnte?“, fragt Helga Froesa im Pfarrhaus nach. Bücher auf dem Dachboden sortieren, das wäre zu machen. Das ist aber nichts für die rüstige Frau, die aus Pommern stammt, aber schon seit vielen Jahrzehnte in Crivitz lebt. Sie will etwas für Menschen und mit Menschen machen. Der Zufall hilft mit: In Rostock stellt zu dieser Zeit die Arbeitsgemeinschaft Evangelische-Krankenhaus-Hilfe die Arbeit der Grünen Damen vor. Eine Bekannte nimmt Helga Froesa mit in die Hansestadt, um mehr über die Arbeit der Grünen Damen zu erfahren. Danach weiß sie: Das ist es, das will auch ich machen, da ist sie sich ganz sicher. Im Crivitzer Krankenhaus wird eine Gruppe ins Leben gerufen, Helga Froesa ihre Einsatzleiterin.

„Manchmal war mir doch etwas mulmig, wenn ich zum Krankenhaus ging. Ist das das Richtige für mich? Wenn ist zurückkam, dann hatte ich oft das Gefühl, das ich fliegen könnte. So gut hat auch mir diese Arbeit getan“, sagt die Crivitzerin. Immer dienstags, immer um 9 Uhr geht es los. Zweieinhalb Stunden später setzen sich die Grünen Damen zusammen, lassen das Erlebte Revue passieren, holen sich Tipps und geben sich Ratschläge.

Krankenhaus-Geschäftsführer Dr. Hans-Heinrich Uhlmann findet nur lobende Worte für die Arbeit für die derzeit sieben Grünen Damen: „Alle Patienten, die die Grünen Damen betreuen, haben mir versichert, dass sie eine große Bereicherung sind.“ Für Helga Froesa ist jetzt aber Feierabend. Sie bekommt Blumen und viele warme Worte mit auf dem Weg. Humorig und emphatisch, sensibel und tolerant – diese Eigenschaften attestieren ihr Kolleginnen, Schwestern und Patientinnen. Und viel Zeit, die habe sie auch investiert. Doch jetzt nimmt sich Helga Froesa erst einmal Zeit für sich – und die gönnen ihr alle Beteiligten von Herzen.

 

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erstellt am 06.Jun.2014 | 12:00 Uhr

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