zur Navigation springen

Notstand : Forensische Psychiatrien platzen aus allen Nähten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ueckermünde: 66 Plätze für 72 Insassen. Land will 5,4 Millionen Euro investieren

Notstand in den drei forensischen Kliniken für psychisch kranke Täter in Mecklenburg-Vorpommern. „Die Kapazitäten reichen längst nicht mehr aus“, kritisierte Torsten Koplin, gesundheitspolitischer Sprecher der Linksfraktion im Schweriner Landtag, die Situation. 335 Patienten, die zum Teil schwere Delikte begangen haben, sind in den Einrichtungen des Maßregelvollzugs in Stralsund, Ueckermünde und Rostock-Gehlsdorf untergebracht. Doch die Psychiatrien verfügen insgesamt nur über 335 Plätze, teilte das Sozialministerium mit. Neun weitere kranke Täter sind in Anstalten anderer Bundesländer verlegt worden.

Die Klinik in Rostock-Gehlsdorf teilt mit, dass sie seit Herbst 2001 mit 80 Kranken voll ausgelastet ist. Besonders kritisch ist die Situation in Ueckermünde, wo für 72 Insassen nur 66 Plätze zur Verfügung stehen. „Da muss sich dringend etwas ändern“, meinte Koplin. Gute Bedingungen seien eine Grundvoraussetzung, um die Chancen für den Therapieerfolg erhöhen. „Es geht um die Sicherheit der Bevölkerung.“ Koplin fordert mehr Plätze und mehr Personal für die Behandlung.

Die Landesregierung will gegensteuern. In Gehlsdorf sollen für 3,8 Millionen Euro 20 neue Therapieplätze eingerichtet werden. Baubeginn: April 2014. Auch die Klinik in Stralsund soll 2015 für insgesamt 1,6 Millionen Euro modernisiert werden.

Die Insassen sind wegen ihrer psychischen Erkrankung oder Sucht nicht oder nur teilweise schuldfähig. Für sie hat ein Gericht die Unterbringung in einer Einrichtung des Maßregelvollzugs angeordnet, um sie in der Psychiatrie mit hohen Sicherheitsvorkehrungen zu therapieren und zu resozialisieren.

Doch während in den fünf Gefängnissen des Landes die Zahl der Häftlinge seit 2005 leicht abnimmt, ist die Überbelegung in den forensischen Psychiatrien ein Dauerproblem – nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern. Bundesweit sind in den Einrichtungen des Maßregelvollzugs heute doppelt so viele Täter untergebracht wie vor 20 Jahren.

Und sie bleiben dort im Durchschnitt acht statt früher vier Jahre. Fachleute begründen die Entwicklung mit dem Sicherheitsansprüchen der Gesellschaft. Aus Angst gefährliche Psychopathen laufen zu lassen, würden sich Gerichte und Gutachter heute häufiger für eine Unterbringung entscheiden. Außerdem: Nicht alle Patienten sind nach heutigen Erkenntnissen einer Therapie zugänglich, so dass ein Anteil von etwa fünf bis zehn Prozent für immer in der Klinik bleiben muss.


zur Startseite

von
erstellt am 24.Jan.2014 | 21:41 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen