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22. November 2017 | 14:06 Uhr

Fokker-Höhenflug begann in Schwerin

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erstellt am 18.Apr.2013 | 06:18 Uhr

Schwerin | "Mehr als generös" sei das Angebot gewesen, das die Schweriner ihm gemacht hätten, hat Anthony Fokker später in seiner Autobiografie geschrieben. Gerade mal 23 Jahre alt war der holländische Flugpionier, als die "Mecklenburgische Flugplatzgesellschaft Görries" ihn in die damalige Residenzstadt holte. Im Mai 1913, also vor 100 Jahren, eröffnete Fokker in Schwerin seine Flugschule. Am 22. Juni 1913 wurde der Flugplatz in Görries offiziell eingeweiht. Großherzog Friedrich Franz IV. persönlich begrüßte die Flieger, das Volk jubelte.

Der Schweriner Michael Schmidt kennt die Geschichte von Anthony Fokker wie kaum ein anderer in der Stadt. Gemeinsam mit dem Niederländer Marc Dierikx arbeitet der 45-Jährige an einer Biogra fie über den berühmten Unternehmer, der 1890 auf Indonesien geboren wurde und schon vor seiner Schweriner Zeit in Johannisthal bei Berlin erste Flugmaschinen gebaut hatte . "Fokkers Flugzeuge sind in Deutschland bekannter als ihr Schöpfer selbst, obwohl Fokker hier mehrere Jahre seines abenteuerlichen Lebens verbrachte", sagt Schmidt. Erstaunlich sei auch, dass es trotz der Fülle des vorhandenen Materials bisher kein deutscher Historiker geschafft habe, eine aus führliche Abhandlung über Fokker zu schreiben.

Geradezu kometenhaft war der Aufstieg, den Fokker in Schwerin nahm. Im Oktober 1913 zog nach der Flugschule auch der "Fokker Aeroplanbau" von Johannisthal nach Schwerin um. "Mit etwa 60 Mitarbeitern begann Fokker am Hintenhof, in der heutigen Bornhövedstraße, seine Flugzeugproduktion", berichtet Schmidt. Bereits im April 1914 sei eine zweite, größere Montagehalle auf dem Flugplatz in Görries entstanden.

Bei Kriegsausbruch im August 1914 arbeitete Fokkers Unternehmen auf Hochtouren. "Zu Beginn des Krieges beschäftigte Fokker rund 100 Mitarbeiter und stellte fast wöchentlich neue Leute ein", erklärt Schmidt. In den 51 Monaten des Krieges hätten die Fokkerwerke etwa 3400 Flugzeuge her gestellt und 110 verschiedene Prototypen herausgebracht, unter anderem habe auch der legendäre Flieger Manfred Freiherr von Richthofen eine "Fokker Dr. I" gesteuert.

Nach dem Krieg fanden Fokkers Aktivitäten in Schwerin ein jähes Ende. Weil die Alliierten die Flugzeugproduktion in Deutschland verboten hatten, verlegte der Holländer seine Fabrik mit allen Flugzeugen, Maschinen und Motoren im Frühjahr 1919 auf mehreren Güterzügen nach Amsterdam. "Kurz aber heftig war die Episode Fokker in Schwerin ", sagt denn auch Stadtarchivar Dr. Bernd Kasten. Ohne Zweifel sei Anthony Fokker einer der wichtigsten frühen Flugzeugbauer in der Welt gewesen, und für Schwerin habe sich mit ihm die große Chance ergeben, zum traditionsreichen Standort einer Luftfahrtindustrie zu werden. "Dass es durch den Ausgang des Ersten Weltkriegs anders gekommen ist, hat der Stadt aber mit Sicherheit eine größere Bombardierung im Zweiten Weltkrieg erspart", so Kasten.

Für Michael Schmidt ist Fokker, der im Dezember 1939 in New York nach einer Operation starb, zur Lei den schaft geworden. Hunderte Fotos hat er in den vergangenen Jahren schon gesammelt und Kontakte unter anderem bis nach Australien geknüpft. Dort leben die Nachfahren eines Mannes, der einst als Fluglehrer bei Fokker in Görries gearbeitet hat.

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