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Zeitung für die Landeshauptstadt

17. Oktober 2017 | 06:16 Uhr

Schwerin historisch : Flugzeug krachte in Wohnhaus

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kurioses und Außergewöhnliches in Schwerin – heute: Der Absturz einer sowjetischen Maschine im November 1945

von
erstellt am 11.Okt.2017 | 08:00 Uhr

Jeder Einwohner glaubt natürlich, seine Stadt zu kennen. Uns Schwerinern geht es nicht anders: Das Schloss, die Sport- und Kongresshalle, das Werderholz, die Lankower Berge – alles wohl bekannt. Doch überall gibt es Kurioses, Außergewöhnliches, Unbekanntes. Auch in der Landeshauptstadt. Straßen ohne Hausnummer 13, eine Windmühle mitten in der Stadt, ein Fluß unter Wohnhäusern sind solche Kuriositäten. Und auch ein Flugzeugmotor im Wohnzimmer gehört dazu.

Im November 1945 war Schwerin mit Menschen überfüllt. Viele, die vor den Russen in Richtung Westen geflohen waren, waren in Schwerin gestrandet. Hier hatten sie sich in Sicherheit gewähnt, war die Stadt doch zunächst von den Amerikanern besetzt worden. Doch nach der Berliner Erklärung vom 5. Juni 1945 und einem Gebietstausch zog die Rote Armee in Schwerin ein. Und die Truppen nutzten auch den Flugplatz in Görries weiter.

Es war am 4. November 1945. Ein russisches Flugzeug flog über Schwerin. Ob es ein technischer Defekt, die Unerfahrenheit des jungen Piloten war, oder, wie sofort gemunkelt wurde, der alkoholisierte Zustand des Mannes in der Kanzel, das ist nicht bekannt. Die Russen ließen keine Untersuchung von deutscher Seite zu. Auf jeden Fall streifte die Maschine mit einem Flügel den Turm der Paulskirche. Die Tragfläche wurde abgerissen und fiel auf das Haus Nummer 18 in der heutigen Franz-Mehring-Straße.

Die Maschine selbst stürzte auf die Häuser Nummer 29 und 31 in der Wittenburger Straße. Vom Haus Nummer 31 wurde das Dach beschädigt und die Fassade weggerissen. Den Piloten fand man tot auf den in der Nähe der Häuser verlaufenden Bahngleisen.

Einige Tage nach dem Absturz ging beim damaligen Oberbürgermeister Erich Wiesner ein Brief ein. Darin beklagte eine Anwohnerin vom Wittenburger Berg höflich und unaufgeregt, dass sie seit einer Woche ihr Wohnzimmer nicht mehr nutzen könne. Dort habe die Familie doch immer gegessen. Jetzt aber liege da ein Flugzeugmotor mit der Nummer 29. Der Oberbürgermeister möge bitte dafür sorgen, dass der Motor abgeholt werde. Wann das geschah, ist im Stadtarchiv durch Akten nicht belegt.

Der Turm von St. Paul soll im Juni 1946 repariert worden sein. Allerdings konnten bei der Generalsanierung des Kirchturmes Anfang der 1990er-Jahre keine Schäden oder Spuren von Reparaturen festgestellt werden, sagen der Statiker Reinhard Ohse und der damalige Pastor Martin Scriba übereinstimmend.

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