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26. September 2017 | 13:10 Uhr

Flüchtlingsrat kritisiert neue Heime

vom

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erstellt am 29.Okt.2010 | 08:45 Uhr

Schwerin | Nachdem die Zahl der Asylbewerber in diesem Jahr in Mecklenburg-Vorpommern deutlich gestiegen ist und das Land zwei außer Betrieb genommene Flüchtlingsheime in Greifswald und Ludwigslust reaktivieren will, hat der Flüchtlingsrat MV gefordert, diese Praxis zu überdenken. "Wir sind grundsätzlich dafür, Asylbewerber in eigenen Wohnungen unterzubringen. In diesem Zusammenhang begrüßen wir nicht, große Heime wieder aufzumachen", sagte gegenüber unserer Redaktion die Geschäftsführerin des Rates, Doreen Klamann-Senz.

Hintergrund seien soziale, aber auch finanzielle Aspekte: Auf lange Sicht könnten Heime auf Grund von Abnutzungen teurer als Wohnungen werden. "Wer in seiner eigenen Wohnung lebt, achtet mehr auf Eigentum", meinte Klamann-Senz. Auch mögliche Konflikte, die beispielsweise zwischen den Kulturen auf Grund der Enge in Heimen entstünden, könne man so besser vermeiden.

Zuvor hatte das Innenministerium auf Nachfrage mitgeteilt, dass Mecklenburg-Vorpommern allein in den ersten neun Monaten des Jahres 617 Personen aufgenommen hat - 34 Menschen mehr als im gesamten Jahr 2009. Die mit Abstand meisten Flüchtlinge stammten aus Afghanistan, gefolgt von Irak, Iran, Somalia und Ghana. Im Jahr 2007 fanden 381 Asylbewerber im Nordosten Aufnahme, 2008 waren es 453. Derzeit werden im Land laut Ministerium sieben Gemeinschaftsunterkünfte mit einer Kapazität von 1539 Plätzen betrieben. Diese Platzkapazität sei in der Regel mit bis zu 75 Prozent belegt, um unter anderem familiären und ethnischen Besonderheiten Rechnung tragen zu können, sagte ein Sprecher. Die neuen Heime in der Hansestadt Greifswald und in Ludwigslust hätten eine Kapazität von 425 Plätzen. Bereits in diesem Monat sei die Gemeinschaftsunterkunft in der Hansestadt Wismar um 108 Plätze erweitert worden, hieß es zudem.

Eine eindeutige Erklärung für den Anstieg der Zahlen gebe es nicht, sagten übereinstimmend der Ministeriumssprecher und Klamann-Senz vom Flüchtlingsrat. "Auffällig ist, dass die meisten Bewerber aus Afghanistan, dem Irak und Somalia stammen. Und die Situation dort ist bekannt", so der Ressort-Sprecher. Die Flüchtlinge selbst gäbe als Grund für ihr Asylbegehren sehr oft politische Verfolgung an - möglicherweise sei deren Intensität gestiegen. Die bekannten Krisenherde gebe es aber schon lange, schätzte indes Klamann-Senz ein. Allerdings: Die meisten Menschen auf der Flucht kommen erst lange nach dem Ausbruch von schweren Konflikten in Deutschland an. Ein weiterer Grund könne sein, dass Nachbarländer von krisengeschüttelten Regionen, die bislang Flüchtlinge aufgenommen hätten, nun nicht mehr oder weniger dazu bereit seien. Schließlich gebe es aktuell auch das Problem Griechenland. Zahlreiche Flüchtlinge nähmen mittlerweile über die türkisch-griechische Grenze den Weg in die EU. "Ich würde erst mal nicht abstreiten, dass die Griechen die Asylbewerber einfach durchlassen, weil sie das Problem ohne Hilfe der anderen EU-Staaten nicht in den Griff bekommen", sagte die Geschäftsführerin.

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