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Demener schließen Ausgabestelle : Flüchtlings-Helfer packen ein

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Bedarf ist gedeckt: Demener sammelten für Neuankömmlinge in ihrer Gemeinde viele Sachspenden, nun schließt die Ausgabestelle

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erstellt am 04.Feb.2017 | 16:00 Uhr

Die Schuhe sind bereits im Karton. Kindersachen und andere Textilien liegen auf kleinen Stapeln bereit. Trinkgläser, Tassen und Teller stehen auf Tischen im Keller des Nebengebäudes der Demener Kita im Ziolkowskiring. „Das sind nur noch die Reste von all den gespendeten Sachen, die wir an die Flüchtlinge weitergegeben haben“, erzählt Ilona Lüders. Die Erzieherin im Ruhestand gehört zu der Hand voll Demener, die ein gutes Jahr lang Spenden für die im Plattenbauviertel untergebrachten Flüchtlinge sammelte, sortierte und ausgab. „Doch jetzt ist Schluss“, ergänzt Ehemann Wilfried Lüders. „Der Bedarf ist einfach nicht mehr da.“ Denn derzeit leben nur noch 30 Asylsuchende in Demen. Und die haben sich in den ihnen zugewiesenen Wohnungen eingerichtet.

Vor gut einem Jahr sah das anders aus. Mehr als 150 Migranten wurden vom Landkreis Ludwigslust-Parchim nach Demen gebracht und dort untergebracht. „In den angemieteten Wohnungen gab es eine Grundausstattung“, betont Holger Krüger von der Arbeiterwohlfahrt. Er hat von Anfang an die Flüchtlinge in Demen begleitet und betreut. Doch zum Wohnen und zum Leben sind mehr als ein Bett, ein Stuhl, ein Teller pro Person nötig. Und genau dafür sorgten die Demener mit ihrer privat organisierten Initiative.

Den Anstoß dafür gab Heiner Fuhlendorf. Der zweite stellvertretende Bürgermeister von Demen bekam von einem Schweriner Bürger Möbel und Küchenuntensilien für die Flüchtlinge. „Danach habe ich Ilona und Wilfried Lüders angesprochen, ob sie helfen und da anknüpfen könnten.“ Die Eheleute sagten spontan zu, fanden weitere Mitstreiter wie Bärbel Jähnke und Hartmut Schmidtke. Wie viele Stunden sie seitdem mit dem Einsammeln, Sortieren und Ausgeben der Spenden verbracht haben, hat keiner der Helfer gezählt. „Viele. Und es hat auch viel Kraft gekostet“, fügt Ilona Lüders hinzu. „Aber der Dank der Menschen, das Lächeln in ihren Gesichtern war unser Lohn.“ Gerade zu Beginn gab es große Verständigungsschwierigkeiten. Ilona Lüders kann zwar ganz gut Englisch. Aber selbst die Weltsprache Nummer eins beherrschten nur wenige der Syrer und Afghanen. „Es musste eben mit Händen und Füßen gehen“, blickt Bärbel Jähnke zurück. Doch die Migranten lernten Deutsch, am schnellsten die Kinder. Die Helfer bekamen in kurzer Zeit raus, war am meisten gefragt war: Winterschuhe und Fahrräder. Denn einige der Ankommenden hatten „nur Flip-Flops an den Füßen. Und der Ziolkowskiring liegt ja nun wirklich mitten im Nirgendwo“, betont Hartmut Schmidtke. „Einmal holten wir fünf Fahrräder aus Schwerin, bei denen wir nur die Luft aufpumpen mussten“, erinnert sich Wilfried Lüders. Und wenn ein Drahtesel nicht sofort einsatzbereit war, half Sandra Böhm vom Plater Lewitzradler. Einige Neuankömmlinge mussten aber erst lernen, mit dem Fahrrad zu fahren und sich an die Verkehrsregeln zu halten. „Manchmal sind sie sogar im Dunkeln ohne Licht unterwegs gewesen“, erzählt Schmidtke. Er kaufte daraufhin 30 Warnwesten, die aber kaum einer anlegen wollte.

Über solche Episoden könne die Helfer heute lachen. Über andere Erlebnisse aber immer noch nicht: Es gab anonyme Beleidigungen im Internet und am Telefon. „Wenn es nötig wird, würde ich wieder helfen“, setzt Ilona Lüders dem entgegen.

Doch kurz vor Weihnachten öffneten die Freiwilligen zum letzten Mal ihre Ausgabestelle. Danach begannen sie mit dem Aufräumen. Holger Krüger und Heiner Fuhlendorf bedanken sich für das tolle Engagement der Freiwilligen. „Die Helfer hätten mehr Anerkennung verdient – auch von den anderen Gemeindevertretern“, fügt der Kommunalpolitiker von den Linken hinzu. Die verbliebenen Dinge wollen die Demener an den Diakonie-Verein in Crivitz und an Flüchtlingshelfer in Schwerin weitergeben. „Wenn Flüchtlinge von hier noch Bedarf haben, können sie sich dort etwas holen“, fügt Fuhlendorf hinzu.

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