Flüchtlinge in Schwerin : Flüchtlinge zieht es in die Stadt

Lernen Schwerin kennen: Flüchtlingsfamilien besichtigen die Prunkräume im Schloss.
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Lernen Schwerin kennen: Flüchtlingsfamilien besichtigen die Prunkräume im Schloss.

In Schwerin leben mehr Ausländer, die bleiben dürfen, als in jeder anderen Kommune im Land – das bringt Probleme mit sich

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08. April 2017, 05:00 Uhr

Die Landeshauptstadt bekommt vom Land mehr als 1,2 Millionen Euro für die Integration von Flüchtlingen. Das ist die höchste Summe, die eine Kommune in Mecklenburg-Vorpommern bekommt. Der Grund: Schwerin hat die meisten Flüchtlinge aufgenommen.

In der Landeshauptstadt lebten am 31. Dezember 2016 1298 „ausländische Staatsangehörige“ mit einer „entsprechenden Aufenthaltserlaubnis“. Zum Vergleich: In Rostock waren es 1050, im Landkreis Vorpommern-Rügen 1172. Diese ausländischen Staatsangehörigen unterscheidet das Innenministerium in Asylberechtigte, Personen mit Abschiebehindernissen, mit so genanntem subsidiärem Schutz und mit Flüchtlingseigenschaften.

„Wir sind die Stadt mit den meisten Flüchtlingen im Land“, sagt Sozialdezernent Andreas Ruhl. „Schwerin übt offenbar eine bestimmte Anziehungskraft aus.“ Denn: Im ersten Quartal wurden nur acht Ausländer der Stadt zugewiesen, aber 300 sind selbstständig gekommen. „Die Flüchtlinge zieht es in die größeren Städte. Im Gegensatz zu Rostock haben wir aber freie Wohnungen, in die sie gleich einziehen können“, so Ruhl. Außerdem kommen viele Flüchtlinge in Stern Buchholz an, erkunden von dort die Stadt und stellen fest, dass hier schon etliche Syrer beispielsweise leben. „Wenn sie dann anerkannt sind, bleiben sie in Schwerin.“

Dieser relativ starke Zuzug von Flüchtlingen erfordert jedoch auch verstärkte Integrationsanstrengungen. „Die meisten sprechen kein Deutsch“, sagt der Sozialdezernent. „Und sie haben es schwer, den Alltag zu meistern.“ Ist die Waschmaschine kaputt, wissen sie nicht, an wen sie sich wenden können und die in Deutschland übliche Mülltrennung kennen sie nicht. „Wir müssen deshalb die Betreuung verstärken, damit die Ausländer sich im Tagesgeschäft besser zurecht finden.“ Unter anderem dafür soll das Geld des Innenministeriums eingesetzt werden.

Ein großes Problem ist es, Flüchtlinge in Arbeit zu bringen. „Voraussetzung ist natürlich, dass sie wenigstens halbwegs Deutsch sprechen.“ Das Jobcenter bietet aber auch verstärkt Informationsveranstaltungen für Arbeitgeber an. „Arbeitsplätze für die Ausländer sind wohl die größte Herausforderung“, sagt Andreas Ruhl. „Darum müssen wir uns verstärkt kümmern.“

Etwas beruhigt hat sich die Situation um die unbegleiteten Jugendlichen. Waren vor einem Jahr noch 147 durch die Stadt zu betreuen, so sind es aktuell nur noch 64. Und die Zahl sinkt weiter.

Trotzdem gibt es immer wieder Auseinandersetzungen unter den Flüchtlingen. Dem begegnen Stadt, Polizei, Land und freie Träger mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen. Das reicht von der Umquartierung von auffälligen Jugendlichen über einen zusätzlichen Straßensozialarbeiter bis zur „Durchsetzung aufenthaltsbeendender Maßnahmen“. „Rechtlich bestehen allerdings erhebliche Hürden“, so Sozialdezernent Ruhl.

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