Neuanfang in Schwerin : Flucht vor Terror: Schutz gefunden

Flüchtlinge aus Syrien kommen im Grenzdurchgangslager Friedland in Niedersachsen an. Für ein Leben in Schwerin haben sich schon 63 Syrer entschieden, da sie sich willkommen fühlen.
Flüchtlinge aus Syrien kommen im Grenzdurchgangslager Friedland in Niedersachsen an. Für ein Leben in Schwerin haben sich schon 63 Syrer entschieden, da sie sich willkommen fühlen.

Landeshauptstadt heißt Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien und dem Irak willkommen und hilft ihnen beim Neuanfang in Schwerin

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12. August 2015, 12:00 Uhr

Der Zustrom an Flüchtlingen nach Deutschland hält an. Wer dem Kriegsschrecken in Syrien oder dem Irak entkommen ist, wer als Christ oder Jeside sein Leben vor dem mordenden IS retten konnte, bekommt hier Schutz und Sicherheit. Doch viele Gemeinden sind überfordert mit der Unterbringung. In Bergisch Gladbach schlafen die Bürgerkriegsflüchtlinge in einer Sporthalle, in der nur spanische Wände einen Hauch von Privatsphäre bieten. In Dresden ziehen bis zu 800 Flüchtlinge in eine eigens errichtete Zeltstadt. Und in Schwerin? Hier gibt es richtigen Platz zum Wohnen und Leben.

„Wir hatten auch anfangs die Vorstellung, dass sich die Bürgerkriegsflüchtlinge eher für Berlin oder Hamburg interessieren würden als für Schwerin“, sagt Stefan Jäger, Abteilungsleiter im Amt für Soziales und Wohnen. Doch nachdem die ersten Syrer hier ein Zuhause gefunden haben, hätte sich das unter den bestens untereinander vernetzten Flüchtlingen herumgesprochen. Heute leben bereits 63 Syrer in Schwerin – Tendenz steigend.

Bürgerkriegsflüchtlinge können selbst wählen, wo sie in Deutschland leben möchten. Ebenfalls im Gegensatz zu Asylbewerbern dürfen sie arbeiten. Bis sie eigenes Geld verdienen, steht ihnen Hartz IV zu. Sie erhalten in der Regel eine Aufenthaltsgenehmigung für drei Jahre.

Insgesamt 46 Übergangswohnungen mit 195 Plätzen hält die Stadt derzeit bereit, um die Bürgerkriegsflüchtlinge so lange unterzubringen, bis sie selbst eine Wohnung gefunden haben. Dabei helfen ihnen – wie auch beim Weg durch die Anträge beim Jobcenter – seit diesem Jahr Nader Ataya und Ayoub El Mesri. Sie sind Integrationslotsen, leben seit Langem in Schwerin und sprechen Deutsch und Arabisch. Bezahlt werden sie vom Bund. Auch bei der Suche nach einem Kindergartenplatz oder der geeigneten Schule für die Kinder sind sie behilflich, ebenso bei der Einrichtung eines Kontos. Und natürlich gibt es Angebote für Deutschkurse.

„Das ist das Wichtigste überhaupt“, sagt Stefan Jäger. Denn ohne Sprachbarriere könnten die Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten in Schwerin sofort arbeiten. „Sie sind zumeist hoch qualifiziert.“

Wie viele Flüchtlinge tatsächlich in den nächsten Monaten nach Schwerin kommen werden, wagen selbst Experten nicht zu prognostizieren. Schwerin hat noch ausreichend Platz, um ihnen ein Zuhause auf Zeit zu geben. Und verschiedene Szenarien sind mit verschiedenen Ämtern, Behörden und der Wohnungsgesellschaft bereits durchgespielt worden. Schafft die Landeshauptstadt es, Flüchtlingsfamilien unterzubringen, auch wenn plötzlich beispielsweise 50 Personen zeitgleich kommen? „Es hat sich gezeigt: Wir würden das hinbekommen“, sagt Stefan Jäger. Auch konzeptionell wird sogar eine Gemeinschaftsunterkunft in Erwägung gezogen, falls irgendwann doch die WGS-Wohnungen für eine dezentrale Unterbringung knapp würden.

Zurzeit leben 4634 Schweriner mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit aus 104 Ländern hier. Das entspricht bei einer Einwohnerzahl von 93 000 einem Ausländeranteil von 4,9 Prozent. 2013 war es noch ein Prozentpunkt weniger.

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