Dänischer Autor schreibt Buch über Schweriner Familie : Flucht über Ostsee endete in Tragödie

<strong>Im April 1963 berichtete die SVZ</strong> über die Familie Sender, die im Frühjahr 1961 zunächst von der Bundesrepublik in die DDR übergesiedelt war. <repro>Repro: zvs</repro>
Im April 1963 berichtete die SVZ über die Familie Sender, die im Frühjahr 1961 zunächst von der Bundesrepublik in die DDR übergesiedelt war. Repro: zvs

Den Publizisten Clemmensen lässt das Schicksal der Schweriner Familie Sender, die aus der DDR fliehen wollte, nicht mehr los. In einem Buch will der Däne über die Flucht berichten. Er sucht noch Bilder und Dokumente.

svz.de von
07. Juni 2012, 10:41 Uhr

Schwerin | Über die Ostsee wollten sie fliehen, die DDR für immer verlassen: Ulla und Hans-Georg Sender und ihre Kinder Christoph, Susanne und Beate. In zwei Paddel booten machte sich die Schweriner Familie am frühen Morgen des 8. März 1977 von Heiligendamm aus auf die Reise. Doch der Fluchtversuch endete in einer Tragödie: Ein Boot kenterte, der Vater und die beiden Töchter ertranken. Mutter und Sohn, die in dem anderen Boot saßen, wurden von der Besatzung einer dänischen Fähre gerettet. Den Publizisten Jesper Clemmensen aus Kopenhagen lässt das Schicksal der Familie Sender nicht mehr los. In einem Buch, das im Herbst dieses Jahres erscheinen soll, will der Däne über die Flucht berichten. Er sucht noch Bilder und Dokumente.

Gerlinde Haker, langjährige Mitar beiterin der Schweriner Domgemeinde und in den 70er-Jahren Katechetin, erinn ert sich an Beate Sender, die mit Eltern und Geschwistern ein Haus in Mueß bewohnte. "Das klein e Mädchen kam zu mir in die Christenlehre ", sagt Haker. "An einem Tag fehlte Beate plötzlich. Es musste etwas Schlimmes passiert sein." Die Nachricht, dass die Schülerin bei einem Flucht versuch ums Leben gekommen ist, sei in den nächsten Tagen durch gesickert. "Wir beteten für Beate und weinten um sie", erzählt Haker. Erst nach und nach habe sie Einzel heiten des Geschehenen erfahren - auch über die Rettung von Mutter und Sohn. "Die Kapi täne und Besatzungsmitglieder der nordischen Fährverbindungen waren bei jeder Fahrt besonders wachsam und hielten Ausschau nach Flüchtlingen", so Haker.

Nach den Informationen, die Ger linde Haker und der Mueßer Ortschronist Bernd Kasten zusammenge tragen haben, besuchten Beate (geb. 1965), ihre Schwester Susanne (geb. 1963) und ihr Bruder Christoph (geb. 1962) die Schule in Mueß bzw. die Friedrich-Wolf-Schule auf dem Großen Dreesch. Mutter Ulla war Leiterin eines Schweriner Kindergartens. Der Vater, Hans-Ge or g Sender, arbeitete als In genieur im damaligen Klement-Gottwald-Werk. Ulla und Hans-Georg Sender waren im Frühjahr 1961 aus der Bun desrepublik in die DDR überge siedelt. "Wir sind herge kommen, um ohne Existenzangst leben zu können", werden die Eheleute in einem SVZ-Artik el vom April 1963 zitiert.

Jesper Clemmensen wurde vor ei nigen Jahren durch eine Fernsehsendung auf das Schicksal der Senders aufmerksam. "Ich habe inzwischen Kontakt zu einem Mitglied der Fährbe satzung, die Ulla Sender und ihren Sohn gerettet hat", sagt der dänische Autor, der in seinem Buch auch noch etwa 20 weitere Fluchtversuche über die Ostsee schildern wird. "Für Bilder und Informationen zur Familie Sender wäre ich sehr dankbar."

Wer Clemmensen helfen kann, erreicht ihn unter der Mail-Adresse jclemmensen@yahoo.dk.

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