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Zeitung für die Landeshauptstadt

25. November 2017 | 10:53 Uhr

DoBin am see : Fledermaus-Quartier braucht Hilfe

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gemeinde Ventschow will drei Blockhütten im Flessenower Wald verkaufen: Denkmal- und auch Naturschutz sind zu beachten

von
erstellt am 06.Jan.2015 | 23:25 Uhr

Sie haben schon viel mitgemacht und sie haben es in sich: die Blockhütten im Wald zwischen Flessenow und Ventschow. Acht der 1945 errichteten Holzhäuser stehen bis heute. Fünf werden privat als Wochenendhäuser genutzt, für drei größere Hütten sucht die Gemeinde Ventschow neue Eigentümer. Denn der bisherige Nutzer, die ökologisch-faunistische Arbeitsgemeinschaft aus Schwerin, hat den ausgelaufenen Mietvertrag nicht verlängert. „Wir konnten nicht“, berichtet Fledermaus-Experte und AG-Mitstreiter Udo Binner. „Unser Geld reichte gerade mal für Miete und Reparaturkosten aus. Doch an den Blockhütten muss dringend mehr gemacht werden, wenn sie erhalten bleiben sollen.“ Und das sollen sie. Dazu hat sich die Gemeinde Ventschow bekannt. Doch auch in der Kommune sind die Kassen leer. Daher will sie das Areal mit den drei Hütten verkaufen. Es gibt auch mehrere Interessenten. In der Gemeindevertretung läuft jetzt das Verkaufsverfahren an, denn seit der letzten Dezemberwoche liegt das in Auftrag gegebene Wertgutachten vor, heißt es aus dem Amt Dorf Mecklenburg-Bad Kleinen. Für welchen Käufer sich die Kommunalpolitiker entscheiden, steht noch lange nicht fest. Denn der künftige Eigentümer muss auf Denkmal- und Naturschutz achten.

Schon die Holzhütten stehen unter Denkmalschutz. Soldaten der Roten Armee hatte diese 1945 mitten im Wald aufgestellt, aber nur kurze Zeit militärisch genutzt. Doch die aus Baumstämmen bestehenden Hütten standen nicht lange leer: Sie wurden zur Notunterkunft für tausende Kriegsflüchtlinge. Die Hütten und die im Flessenower Gutshaus eingerichtete Krankenstation waren ein Quarantäne- und Durchgangslager, bevor die Flüchtlinge auf Städte und Dörfer verteilt wurden. Aber mehr als 200 Menschen starben hier – an Krankheiten oder vor Erschöpfung. Der Waldfriedhof bei Flessenow ist die letzte Ruhestätte dieser Kriegsopfer.

Auch zu DDR-Zeiten wurden die Holzhütten genutzt – einige als Wochenendhäuser, einige vom Kulturbund. Schon in den 1950er-Jahren entstand so eine ornithologische Station. Doch nicht nur Vögel fühlen sich im Wald nahe der Döpe wohl. Ungefragt zogen Untermieter ein: Fledermäuse. Die bedrohten Säuger fanden in den Holzhütten nicht nur Schlafstätten, sondern auch Wochenstuben. Denn ein frisch geborenes Jungtier klammert sich in den ersten Lebenstagen an seine Mutter, erläutert Binner. Auch noch danach versorgt die Fledermaus ihren Nachwuchs – bevor die Jungtiere nach zirka sechs Wochen ausfliegen und jagen können. „Wir haben bei unseren Beobachtungen schon bis zu 800 Tiere gezählt – in einer Nacht“, erzählt Binner. Braunes Langohr, Abendsegler, Zwerg- und Wasserfledermaus sowie weitere Arten leben hier.

Udo Binner liegt sehr am Herzen, dass das so bleibt und die Fledermaus-Quartiere erhalten werden. Der Schweriner will bei der anstehenden Sanierung der Hütten die neuen Eigentümer gern fachlich beraten.

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