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Präventionsprojekt Schwerin : Flagge zeigen gegen Jugendgewalt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Einen Tag nach dem Angriff auf einen 14-Jährigen diskutieren Fünftklässler mit Experten von Polizei, Gericht, Jugendarbeit und Opferhilfe

von
erstellt am 20.Feb.2015 | 12:00 Uhr

Die Hemmschwelle sinkt, die Zahl der Gewalttaten steigt: Am Dienstagabend schlug eine Gruppe Jugendlicher einen 14-Jährigen in der Stauffenbergstraße krankenhausreif. Die wenig älteren Jungen stahlen nach Polizeiangaben sein Handy und zehn Euro (SVZ berichtete). Mit 733 Körperverletzungen auf 100  000 Einwohner gerechnet liegt Schwerin in der aktuellen Kriminalstatistik sogar deutlich vor Rostock mit umgerechnet 401 Fällen, sagt Polizeichef Ingo Renk. Ihm bereitet diese Entwicklung Sorge. „Raufereien unter pubertierenden Jungs gehören zum Erwachsenwerden, wir alle kennen das aus unserer eigenen Jugend“, sagt Präventionsbeamtin Heidi Liebmann. „Aber früher war klar: Wenn jemand am Boden liegt, wird nicht mehr zugetreten. Heute fängt für viele Täter in diesem Moment der Spaß erst an. Oftmals reicht heute schon ein falsches Wort, ein falscher Blick, um verprügelt zu werden.“ Bei Schlägereien unter jungen Männern sei manchmal aber schwer auszumachen, wer wirklich Täter und wer das Opfer ist, wer provoziert, wer zuerst geschlagen hat.

Dass Gewalt ein zunehmendes Problem ist, das in allen Gesellschaftsschichten, in der Schule, auf der Straße und zu Hause auftaucht, das wissen auch Sozialarbeiter, Kinderschützer, Ärzte, Staatsanwälte, Richter und die Stadtverwaltung. Deshalb hat der kommunale Präventionsrat schon im vergangenen Jahr ein Projekt vorbereitet, das gestern Vormittag an der Astrid-Lindgren-Schule Premiere hatte: Im „World Café“ diskutierten Schüler an 15 verschiedenen Thementischen mit Mitschülern und Experten. Ein moderner Ansatz in Sachen Gewaltprävention. Das Besondere: Rund 100 Fünftklässler saßen an den Tagungstischen. Jeweils eine halbe Stunde hatten sie Zeit, um zum Beispiel mit einem Streetworker zu sprechen, alles über Opferhilfe zu erfahren, über Cybermobbing und Kinderrechte oder einem echten Staatsanwalt, Jugendrichter oder dem Polizeichef Fragen zu stellen. Und auch um zu lernen, dass selbst Zehnjährige auf verschiedene Arten für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden können und sich nicht hinter dem Satz „Ich bin ja noch ein Kind“ verstecken sollten. Die Fünftklässler meisterten diese Herausforderung erstaunlich gut, arbeiteten mehr als vier Stunden konzentriert mit, sprachen dabei offen über eigene Erfahrungen – über Diebstähle, Graffiti, Mobbing, aber auch über häusliche Gewalt und sexuelle Übergriffe. „Wichtig ist, dass Kinder hier erfahren, wo sie Hilfe bekommen können“, sagte Nadine Schomann vom Kinderschutzbund. Das Schweriner Kinder- und Jugendtelefon verzeichne pro Jahr 10 000 Anrufe, sie selbst sei eng vernetzt mit den Schulsozialarbeitern der Stadt. An diese oder an ihre Lehrer können sich Kinder in Not wenden.

Anfang März wird das erste Schweriner „World Café for Kids“ von den Beteiligten ausgewertet, am 10. März ist der Tross dann in der Werner-von-Siemens-Schule in Lankow zu Gast. Bis zum Sommer werden fünf Regionalschulen besucht. Aus den Ergebnissen der World Cafés sollen in den nächsten Monaten konkrete Folgeprojekte gegen Gewalt erwachsen.

 

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