Plate : Fischadler stoppt Windpark

Beim Beringen: Vogelschützer Steffen Thiel und Wemag-Obermonteur Marcel Holtz (l.)
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Beim Beringen: Vogelschützer Steffen Thiel und Wemag-Obermonteur Marcel Holtz (l.)

Der neue Horst bei Plate bedeutet das Aus für den Eignungsraum Ost

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29. Juni 2016, 21:00 Uhr

Der Windeignungsraum Plate-Ost ist bereits Geschichte, und das, bevor das 36 Hektar große Areal in Richtung Neddelrad überhaupt diesen Status erhalten konnte. Ein Fischadlerpaar macht den Windrädern die Lufthoheit streitig. Und da der Naturschutz Vorrang hat, besetzt der Vogel diesen Raum.

Denn seit gestern ist auch in den Daten des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie der Horst auf einem Mast der 110-kV-Leitung zwischen Schwerin und Parchim als Standort markiert. Ehrenamtliche Fischadler-Betreuer und Wemag-Mitarbeiter sind nämlich seit voriger Woche in Westmecklenburg unterwegs, um die drei bis vier Wochen alten Jungtiere zu zählen und wenn möglich zu beringen.

Die Aktion wurde gleich genutzt, um den neuen Horst bei Plate im Bestand zu verankern, erläutert Wolfgang Köhler, der Landesbeauftragte für Fischadler und Wanderfalken. „Das Fischadlerpaar hat sich hier in diesem Frühjahr niedergelassen“, ergänzt Jan Koppelmann, Vogelschutzbeauftragter der Wemag. Er selbst hatte den Horstbau an die Untere Naturschutzbehörde gemeldet. Zugleich entdeckte auch eine Plater Bürgerinitiative die Fischadler und machte während der Bürgerversammlung zur Windparkplanung auf diesen Horst aufmerksam.

Köhler und Koppelmann sind nicht überrascht, dass es hier nun einen Fischadlerhorst gibt. Genau auf diesem Mast der 110-kV-Leitung hatte die Wemag vorsorglich eine Plattform angebracht, die den Nestbau sicherer macht. „Oft installieren wir im Nachhinein Ausweichmasten mit Nisthilfen oder Vogelschutzhauben, um Störungen zu vermeiden“, erläutert Koppelmann. Hier hat das Adlerpaar nun bauen können, ohne das die Stromversorgung in Gefahr geriet. Sechs, sieben neue Horste pro Jahr werden in MV entdeckt. „2015 hatten wir 163 Horste im Bestand“, berichtet Köhler. Die Fischadler-Population in MV ist in den zurückliegenden Jahren stetig gestiegen, zuletzt aber etwas langsamer, auch weil gerade im Hinterland freie Reviere selten werden. In Westmecklenburg waren die Greifvögel vor 20 Jahren kaum zu finden, jetzt gibt es im Großraum Lewitz zehn bis zwölf Horste. Und wenn ein Nistplatz belegt ist, bleibt er auch bewohnt, betont Steffen Thiel, der Fischadler-Beauftragte für Westmecklenburg.

Das Plater Elternpaar hat schon im ersten Jahr für Nachwuchs gesorgt. Christopher Bradhering von der Wemag kletterte zum Horst in 25 Metern Höhe und entdeckte ein gesundes, gut genährtes Jungtier. Das erhielt gestern allerdings keine Ringe: Im prasselnden Regen verzichteten die Vogelschützer darauf, das Tier aus dem Nest zu nehmen. Entscheidend für die Registrierung des Horstes war ohnehin der Eintrag der GPS-Koordinaten des Strommastes in die Landesdatenbank.

Dieser Fakt geht jetzt auch an den Regionalen Planungsverband, wo gerade nach neuen Eignungsräumen für Windparks gesucht wird. Für Plate-Ost liegt nun ein Ausschlusskriterium vor.

Viele Plater hoffen indes, dass ein solches auch noch für Plate-West gefunden wird. Denn an der A 14 gibt es einen mit 292 Hektar weitaus größeren, avisierten Eignungsraum. Dort setzen die Plater auf einen anderen Greifvogel: den Milan. „In einer Stellungnahme eines Anwohners wird auf einen Horst nahe der Kreisstraße hingewiesen“, sagt Bürgermeister Ronald Radscheidt. Den Milan haben viele Plater schon rund um das Dorf gesehen und dies dem Planungsverband mitgeteilt.

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