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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. Oktober 2017 | 20:24 Uhr

Schwerin : Filmfans machen ihr eigenes Kino

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Knapp 150 Vorstellungen mit 7300 Zuschauern: Umtriebiger Verein zeigt Klassiker, Dokus und Aktuelles an lauschigen Orten

von
erstellt am 13.Aug.2017 | 09:00 Uhr

Wer glaubt, die seltene Spezies der Cineasten sei in der Landeshauptstadt längst ausgestorben, der irrt gewaltig. Jeden Donnerstag treffen sie sich beim „Kino unterm Dach“ in der Volkshochschule. Drei Spielzeiten sind jetzt abgelaufen mit 148 Vorstellungen und 7247 Besuchern. Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. Klein ist der Verein, der das Programm erstellt, die Filme organisiert, mit den Verleihern spricht, den Newsletter verfasst und verschickt, Gäste einlädt und an jedem Donnerstag in der Aula unterm Dach der Volkshochschule bei der Vorführung dabei ist. „Wir sind jetzt etwa zehn Mitglieder“, sagt Vorsitzende Sandra Jaap. Einmal im Jahr macht der Verein aber ganz groß von sich reden: beim Open-Air-Kino im Schleswig-Holstein-Haus. Das fünftägige Festival stemmt er allerdings nicht alleine, Kooperationspartner sind das Fish-Filmfestival Rostock, Landes- und Stadtmarketing und natürlich das Schleswig-Holstein-Haus.

Mehr als 1100 Besucher kamen im vergangenen Jahr. „Wir waren fast an allen Abenden ausverkauft“, sagt Rudolf Grosser vom Verein „Kino unterm Dach“. Mit einem ähnlichen Besucheransturm rechnen er und Sandra Jaap auch dieses Mal. Das Programm wurde von Schweriner Filmfans selbst zusammengestellt und zwar im Frühjahr. Erst umfasste die Liste 80 Wunschtitel. Daraus wurden 20 ausgewählt und noch einmal zur Abstimmung gestellt. Die beliebtesten fünf sind von Dienstag bis Sonnabend zu sehen (siehe Kasten).

In diesem Jahr sahen durchschnittlich 59 Besucher die Filme im kleinen Kino unterm Dach. Dabei waren Dokumentationen wie „The true cost“ über die Hintergründe der weltweiten Kleidungsproduktion, „Ich und Kaminski“ mit Daniel Brühl, „Sommer vorm Balkon“ und „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ nach einer Erzählung von Heinrich Böll über die menschenverachtende Berichterstattung der Boulevardpresse. „Ein Vierteljahr haben wir über die Rechte verhandelt für diesen 40 Jahre alten Film“, erinnert sich Sandra Jaap. Mehr als 70 Besucher kamen. Eine Recherchearbeit, die sich gelohnt hat. „Toni Erdmann“ war in diesem Jahr mit 140 Zuschauern der Top-Titel, im vergangenen Herbst setzte sich die Biografie von „Rabbi Wolff“ mit 148 Besuchern an die Spitze.

Etwa 100 Filmverleiher kennt Sandra Jaap inzwischen, mit rund 20 von ihnen stehe sie regelmäßig in Kontakt über das Recht zur öffentlichen Vorführung. Gezeigt wird ein Gemisch aus Dokumentationen, Klassikern, Komödien und Aktuellem. Eine kleine Reihe versucht das Kino unterm Dach erstmals im Herbst, dann wird an drei aufeinanderfolgenden Abenden die Trilogie „Drei Farben“ – weiß, rot und blau – gezeigt.

Und was lockt Filmfans vom heimischen Sofa in die Aula unterm Dach? Die größere Leinwand, die Gesellschaft und die Zusatzinfos, die es regelmäßig gibt. „Bei uns kann man immer noch über das Gesehene reden“, sagt Sandra Jaap. Fünf Euro Eintritt seien ein hinnehmbarer Preis. „Davon decken wir nur die Vorführungskosten“, betont sie. „Unsere Arbeit ist ehrenamtlich.“

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