Stabile Zahl der Einsatzkräfte : Feuerwehren steuern auf Fusionskurs

Karl-Heinz Ahrens und Roswitha Schramm vor der Ehrentafel mit verdienstvollen  Crivitzer Feuerwehrleuten. Diese Ehrenriege beginnt mit Heinrich Ahrens. Der Großonkel von Karl-Heinz Ahrens war in den 1950er-Jahren Crivitzer Wehrführer und Zentralbereichsleiter.
Karl-Heinz Ahrens und Roswitha Schramm vor der Ehrentafel mit verdienstvollen Crivitzer Feuerwehrleuten. Diese Ehrenriege beginnt mit Heinrich Ahrens. Der Großonkel von Karl-Heinz Ahrens war in den 1950er-Jahren Crivitzer Wehrführer und Zentralbereichsleiter.

Crivitzer Amtswehrführung mit Karl-Heinz Ahrens und Roswitha Schramm an der Spitze nach Ablauf der Amtszeit noch voll im Einsatz

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11. Februar 2014, 12:00 Uhr

Die 265 aktiven Kameraden und 90 Ehrenmitglieder der zehn freiwilligen Feuerwehren im einstigen Amtsbereich Crivitz können sich seit Jahren auf Karl-Heinz Ahrens und Roswitha Schramm an der Spitze ihrer Amtswehrführung verlassen. Und das gilt auch noch für die nächste Zeit. Dabei wollten der 63-jährige Crivitzer und die 59-jährige Demenerin schon Ende vorigen Jahres in den Feuerwehr-Ruhestand gehen. Ihre Amtszeit an der Spitze der Amtswehrführung endete regulär. Und schon lange vorher hatten Ahrens und Schramm ihren Rückzug angekündigt. Dass der nun noch warten muss, liegt an der Ämterfusion. „Bis eine neue Amtswehrführung für das neue, größer gewordene Amt Crivitz gewählt ist und ihre Arbeit aufnimmt, machen wir natürlich weiter“, sagt Ahrens, der nur mit einer kurzzeitigen Unterbrechung seit 1991 Amtswehrführer von Crivitz ist. Roswitha Schramm ist seit 1995 seine Stellvertreterin in diesem Ehrenamt.

Das erfahrene Duo weiß genau, worauf es ankommt: Auf den Zusammenhalt innerhalb einer Wehr und auf das Miteinander mit den Nachbarn. Das ist heute wichtiger denn je. Denn allein können nur noch ganz wenige freiwillige Feuerwehren die Einsatzbereitschaft gewährleisten. Gerade zu Arbeitszeiten an Werktagen. „Dass mehrere Wehren gemeinsam alarmiert werden, ist längst Realität“, betont Ahrens. Doch dazu sind nicht nur auf Amts- und Kreisebene abgestimmte Alarmierung und Ausrückeordnungen nötig. Die Feuerwehrleute aus verschiedenen Wehren müssen zusammenarbeiten können. Im Ernstfall muss schließlich jeder Handgriff sitzen. Voraussetzung dafür ist eine gute Ausbildung jeder Feuerwehrfrau, jedes Feuerwehrmannes. Die haben Ahrens und Schramm im Blick. Gibt es genügend Maschinisten, Atemschutzträger, Einsatzleiter? Wer sollte den nächsten Lehrgang besuchen? Haben wir genügend aktive Kameraden in unseren Wehren? „Haben wir“, sagt Roswitha Schramm. „Die Anzahl der Einsatzkräfte ist seit Jahren stabil – mehr als 250 Frauen und Männer sind in unseren zehn Feuerwehren.“

Entscheidend dafür ist die gute Nachwuchsarbeit in den acht Jugendwehren der Region mit derzeit mehr als 100 Mitstreitern. Ahrens und Schramm werben dafür, dass möglichst viele Jugendliche in die Einsatzgruppen wechseln. Doch dazu gehört auch, dass die jungen Leute in Crivitz und Umgebung bleiben können. „Feuerwehrleute sollten bevorzugt eingestellt werden, wenn eine Stelle ausgeschrieben ist“, sagt Ahrens. Diesen Wunsch, diese Forderung richtet er nicht nur an die öffentlichen Arbeitgeber, sondern auch an die privaten. Denn letztlich ist es für alle wichtig, manchmal sogar lebenswichtig, dass die Wehren ihre Aufgaben erfüllen können. „Dass das der richtige Weg ist, haben immer mehr Chefs begriffen“, zieht Ahrens Bilanz.

Ebenso wie bei den Kameraden muss die Amtswehrführung auch bei der Technik einen Überblick haben. Crivitz ist die Stützpunktwehr der Region, die anderen neun sind Wehren mit Grundausstattung. Doch das heißt schon längst nicht mehr, dass alle die gleiche Technik brauchen. „Zwei Drittel aller Einsätze heute sind technische Hilfeleistungen“, berichtet Schramm. Ein Großteil davon wiederum sind Einsätze nach Verkehrsunfällen. Ein großer Wassertank im Löschfahrzeug sowie Schere und Spreizer an Bord können da lebensrettend sein. Die Freiwillige Feuerwehr Demen verfügt erst seit wenigen Wochen über so ein Hilfeleistungs-Löschfahrzeug. Doch damit sollen die Kameraden nicht nur in ihrer Gemeinde helfen. Das Fahrzeug ist ein wichtiger Baustein im Sicherheitsplan für die Region über Amtsgrenzen hinweg. „Wir sind gerade dabei, die Ausrückeordnung entsprechend zu ändern“, verrät Karl-Heinz Ahrens.

Apropos Demen: Nachdem es jüngst bei einer Ölfirma im Gewerbegebiet am Ziolkowskiring einen zum Glück nur kleinen Brand gab (SVZ berichtete), sahen sich Gemeindewehrleitung und Amtswehrführung im Gewerbepark um. Eine Übung zum besseren Kennenlernen der Bedingungen vor Ort steht an. „Das kann ja nicht alles warten, bis die neue Amtswehrführung arbeitet“, so Ahrens.

Die soll es dennoch so schnell wie möglich geben. Erste Gespräche zwischen den Kameraden aus den Bereichen Crivitz, Banzkow und Ostufer fanden schon statt. Mitte März wird gewählt. Karl-Heinz Ahrens und Roswitha Schramm werden nicht antreten. Sie hoffen, dass es der neuen Amtswehrführung rasch gelingt, die Kameradschaft in der größer gewordenen Gemeinschaft aufzubauen. „Dabei wäre auch eine einhellige Wertschätzung dieser ehrenamtlichen Arbeit durch die wichtigsten Kommunalpolitiker unseres neuen Amtes wichtig“, betont Ahrens. Nach der konstituierenden Sitzung des Amtsausschusses in Raben Steinfeld hat der scheidende Amtswehrführer das auch schriftlich eingefordert. Denn derzeit ist keine der drei alten Amtswehrführungen legitimiert: Die vorherigen Ämter und somit auch die bisherigen Amtswehrleitungen gibt es nicht mehr. „Wir sind trotzdem einsatzbereit“, betont Ahrens. „Dafür sorgen die Feuerwehren mit ihren Wehrführungen.“ Und Ahrens und Schramm selbst machen mit dem gleichen Engagement wie zuvor weiter. Eine Aufwandsentschädigung gibt es dafür nicht mehr, da es ja dieses Ehrenamt derzeit nicht gibt. Doch das ist kein Grund zur Klage. Karl-Heinz Ahrens und Roswitha Schramm hätten sich viel mehr schon während der Fusionsverhandlungen mehr Unterstützung für die Belange der Feuerwehr gewünscht. „Wenn man eine Ämterfusion plant, müssen alle Aspekte beachtet werden. Das Ehrenamt als Selbstläufer zu gestalten, ist grob fahrlässig“, schreibt Ahrens an die Spitze des neuen Amtes.

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