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Alte Handwerkskunst : Feuer und Flamme für den neuen Ofen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Glashütte im Waldglasmuseum Langen Brütz nimmt Gestalt an

svz.de von
erstellt am 26.Okt.2014 | 16:00 Uhr

Im kommenden Jahr soll sie fertig sein, die Glashütte des Waldglasmuseums in Langen Brütz. Brennt der Ofen wieder, dann flammt rund vier Jahrhunderte nach Schließung der letzten Kritzower Waldglashütte wieder ein Feuer für die Glasherstellung in der Region auf. Permanente Produktion wird dort zwar nicht stattfinden, aber wie das alte Handwerk funktioniert, das kann dann anschaulich präsentiert werden.

Als im schleswig-holsteinischen Raum im 17. Jahrhundert das ausging, was unerlässlich für eine Glashütte war, da zogen die Glasbläser in Richtung Mecklenburg. Holz. Ohne ging gar nichts, denn um ein Kilo Glas herstellen zu können, wurden alleine ein bis drei Festmeter benötigt. Die Wälder in Mecklenburg waren noch üppig, Sand war auch im Überfluss vorhanden. „Und so entstand hier in Mecklenburg im 17. und 18. Jahrhundert eines der Glaszentren Europas. In der Umgebung von Kritzow und Langen Brütz existierten vier Glashütten“, weiß Siegfried Bondzio. Und er weiß auch, dass diese Glashütten in der Region im Zeitraum von 1615 bis 1707 insgesamt über 40 Jahre lang produzierten. Hergestellt wurde Gebrauchsglas. Profanes Flachglas für Fenster, Hohlglas, aus dem Flaschen entstanden.

Faszination Glas – Siegfried Bondzio entdeckte schon als Kind seine Leidenschaft dafür, wenn er auf den Feldern der Umgebung Glasstücke fand. Wo kommen sie her? Und wie wird Glas überhaupt gemacht? Der Langen Brüzer weiß es schon lange, aber damit auch andere Interessierte mehr über die Glasgeschichte der Region erfahren können, hat er gemeinsam mit seiner Frau Sigrid, Herbert Remmel und anderen engagierten Mitstreitern im November 2001 den Verein „Mecklenburger Waldglasmuseum“ gegründet. Das Museum entstand 2006 auf dem Dachboden eines Gebäudes, das nahe des Landgasthotels Bondzio steht. Viele Informationen, noch mehr Ausstellungsstücke – rund 2000 Besucher informieren sich seither jährlich über die Handwerkskunst. Und wer ab dem kommenden Jahr kommt, kann auch die Glashütte im Nachbargebäude begutachten.

Marco Schmoldt ist Ofenbaumeister und seit Wochen mit dem Riesenofen in Langen Brütz beschäftigt. Gebaut hat er ihn nach dem Vorbild eines alten tschechischen Glashüttenofens aus dem 19. Jahrhundert. Schmoldt hat für ihn mehr Schamottsteine verarbeitet, als er sonst üblicherweise für seine Öfen braucht. „1500 sind es wohl geworden“, weiß der 34-Jährige aus Kritzow. Rund viereinhalb Meter ist der Ofen lang, der Schornstein etwa noch einen halben Meter höher. „Die Schamottsteine sind hochwertig, damit sie auch die Hitze aushalten können, die für dieses Handwerk benötigt wird“, sagt Meister Schmoldt. „Um die 1200 Grad, die braucht es“, ergänzt Siegfried Bondzio. Noch fehlen Dämmung und Ofentüren, „aber in zwei Wochen“, sagt Schmoldt, „ist der Ofen fertig“. Der Ofen, er wird das Herzstück der Glashütte, die bis auf den Betonboden und dem Glasschmelzofen aus Holz besteht, in denen die alte Handwerkskunst einmal jährlich wieder aufflammen soll. Und wenn aus Sand, Pottasche und Kalk kein Glas entsteht, dann haben die Besucher wenigstens die Möglichkeit, sich solch eine Glashütte mal in Ruhe anzuschauen.

Finanziert wurden die bisherigen Museums-Baumaßnahmen aus Förder-, Spenden- und Sponsorengelder. „Wir haben bei einem Hörfunksender auch 1000 Euro gewonnen“, sagt Siegfried Bondzio. Und auch der Verkauf von „Waldglasaktien“ hat etwas Geld in die Kasse gespült.

Auch wenn die Glashütte am Wochenende 8. und 9. November noch nicht ganz fertig ist, der Ofen soll dann aber schon einmal angeheizt werden. Grund dafür ist, dass dann das 8. Glassammlertreffen stattfinden wird. „Für dieses Wochenende haben sich schon zahlreiche Gäste angekündigt“, sagt Siegfried Bondzio. Und er ist schon ganz gespannt, wie das neue Bauwerk bei den Glasfans ankommen wird.

 

 

 

 

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