Missbrauchsskandal in Schwerin : Festnahme entsetzt Jugendarbeiter

Verriegelt: Die Zentrale des Vereins „Power for Kids“ war gestern geschlossen.
Verriegelt: Die Zentrale des Vereins „Power for Kids“ war gestern geschlossen.

Nach Haftbefehl: Verein „Power for Kids“ nicht zum ersten Mal in der Kritik. 41-jähriger Mitarbeiter soll Kinder sexuell missbraucht haben

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10. August 2015, 21:00 Uhr

Die Nachricht von der Festnahme eines 41-jährigen Mitarbeiters des Vereins „Power for Kids“ im Mueßer Holz hat für Erschütterung in der Schweriner Jugendclub-Szene gesorgt. Von einem Rückschlag für die gesamte Jugendarbeit in der Stadt sprach die Leiterin des DRK-Treffpunkts „Bus Stop“ auf dem Großen Dreesch, Ute Klahre, die auch Koordinatorin des Trägerverbundes auf dem Dreesch ist. „Ich hätte so etwas nie für möglich gehalten“, so Klahre – obwohl der Verein „Power for Kids“ in der Vergangenheit bereits öfter in der Kritik gestanden habe. „Zu uns sind schon Jugendliche gekommen, die nicht mehr zu diesem Verein gehen wollten.“

Wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern und der Verbreitung von jugendpornografischen Schriften sitzt der 41-jährige Schweriner in Untersuchungshaft. Laut Staatsanwaltschaft ist der Mitgründer des Vereins „Power for Kids“ „dringend verdächtig“, in diesem und im vergangenen Jahr während seiner Betreuungstätigkeit in insgesamt sechzehn Fällen vier Jungen im Alter von 10 bis 13 Jahren aufgefordert zu haben, sich vor ihm zu entblößen und einige der Kinder gegen ihren Willen im Genitalbereich berührt zu haben. Darüber hinaus soll der Tatverdächtige zwei Kindern Videos vorgeführt haben, in denen vermutlich 15- bis 16-jährige Personen bei sexuellen Handlungen gezeigt werden.

Bestürzt über die „schwere Anschuldigung“ zeigte sich gestern auch der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses der Stadtvertretung, Peter Brill (Linke). Nach seinen Angaben hat sich der Verein „Power for Kids“ in der Vergangenheit zweimal um eine Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe bemüht, sei aber unter anderem wegen eines unklaren inhaltlichen Konzeptes und fehlender Unterlagen gescheitert. Gegenwärtig laufe ein drittes Anerkennungsverfahren. „Angesichts der jetzigen Vorwürfe haben wir das Verfahren aber in Absprache mit dem Jugendamt erst einmal auf Eis gelegt“, so Brill. Er forderte vom Verein „Power for Kids“ eine rückhaltlose Aufklärung.

Die Vorsitzende des Ortsbeirates Mueßer Holz, Gret-Doris Klemkow, reagierte ebenfalls geschockt auf den Missbrauchsverdacht. „Das ist eine schlimme Nachricht“, so Klemkow. Der Verein „Power for Kids“ mit Sitz in der Hegelstraße leiste im Stadtteil eine wichtige Arbeiten, engagiere sich mit vielen Projekten gerade für Kinder aus sozial schwachen Familien, betonte die SPD-Politikerin, die den Verein selbst aktiv unterstützt.

Die Ermittlungen gegen den 41-jährigen Jugendarbeiter ins Rollen gebracht hatte offenbar eines der mutmaßlichen Opfer. Ein zwölfjähriger Junge habe sich seiner Familie anvertraut, sagte der Sprecher der Schweriner Staatsanwaltschaft, Lennart Leuschner. Ob es noch andere Fälle von sexuellem Missbrauch gäbe, die dem polizeilich bislang unbelasteten 41-Jährigen zur Last gelegt werden könnten, sei Gegenstand laufender Untersuchungen. Wie die Stadt bereits mitteilte, wolle jetzt auch noch eine Mutter Strafanzeige in einem weiteren Fall erstatten.

Beim Verein „Power for Kids“ blieben die Türen gestern verriegelt. „Heute geschlossen – Sorry“, stand auf einem Zettel am Haus in der Hegelstraße. „Zu den Vorwürfen kann ich Ihnen nichts sagen“, so die knappe Reaktion eines Aktiven auf Nachfrage unserer Zeitung in der Vereinszentrale.

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