Schweriner Jugend : Ferien ohne Handy und Fernseher

Einfach mal ausspannen und mit Gleichaltrigen Spaß haben – das wünschten sich die Schweriner Mädchen und Jungen von ihrer Dümmer-Woche.
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Einfach mal ausspannen und mit Gleichaltrigen Spaß haben – das wünschten sich die Schweriner Mädchen und Jungen von ihrer Dümmer-Woche.

Arbeitslosenverband ermöglicht 25 Kindern eine Woche Urlaub – Sponsoren für die nächste Freizeit werden jetzt schon gesucht

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06. August 2016, 16:00 Uhr

Sie spielen, toben, lachen, chillen, fahren begeistert Kanu im Regen und wollen bei den ersten Wolkenlücken unbedingt an den Strand - 25 Mädchen und Jungen, die mit dem Arbeitslosen-Kreisverband Schwerin eine Woche Urlaub machen im Waldschulheim Dümmer. Obwohl die Reise finanziell auf der Kippe stand (SVZ berichtete). Silvia Piechowski, Vorsitzende vom Arbeitslosenverband mit Sitz in Neu Zippendorf, hatte diverse Unternehmen angeschrieben und angerufen, um Geld zu sammeln für die Reise, die Kinder aus sozial schwachen Familien zumindest eine Woche Urlaub außerhalb Schwerins ermöglichen soll. Doch die Spenden flossen spärlich – obwohl immer öffentlichkeitswirksam Schecks überreicht würden an andere Vereine. „Wir machen das Jahr über eher Beratungsarbeit für Erwachsene und sind für unsere Möbelbörse und Kleiderkammer im Haus der Begegnung bekannt“, sagt sie. Viele Wohltäter, die ihr Geld in den Jugendbereich geben möchten, hätten den Arbeitslosenverband wohl nicht auf dem Schirm. Außerdem: Gebefreudig sind Firmen und Einzelpersonen eher zur Weihnachtszeit. Vielleicht müsse sie da künftig stärker werben für das Ferienkonto des Arbeitslosenverbandes.

Denn ihr simples Konzept ist auch im 26. Jahr erfolgreich. Silvia Piechowski schafft in der Woche etwas, von dem viele Eltern nur träumen: Sie beschäftigt die Kinder ohne Fernsehen und ohne Handy. „Das Smartphone muss zu Hause bleiben, ist aber kein Problem“, sagt Silvia Piechowski lächelnd am Strand des Dümmer Sees, während sie zwischendurch immer Richtung Wasser schaut. Aber die Kinder benehmen sich. Die einen möchten zwar unbedingt wieder ins Wasser, obwohl sie noch nicht wieder richtig aufgewärmt sind, quengeln ein bisschen. „Natürlich können sie unsere Nerven ganz schön ausreizen“, sagt Piechowski, die gemeinsam mit Franziska Plate und Frederic Batonnett die Jugendgruppe betreut. Aber sie hat die Ruhe weg, lässt die Kinder „einfach laufen, das brauchen sie“. Abends seien die Mädchen und Jungen zwar ordentlich ausgepowert, aber an Schlaf sei erst spät zu denken. „Um 22 Uhr sagen wir gute Nacht und geben jedem ein Knicklicht, das ist echt der Hit“, sagt Piechowski. Irgendwann kehre von selbst Ruhe ein.

Am Ankunftstag haben die 11 Mädchen und 14 Jungs erstmal das Waldschulheim und seine zahlreichen Spielmöglichkeiten ausprobiert, am Dienstag ging es in die Forstscheune, wo jeder ein Spiel oder einen Sparstrumpf mit einer Holzscheibe basteln durfte und sich anschließend in einem stockdunklen Raum zurechtfinden musste. Mittwoch war als Höhepunkt ein Ausflug nach Sternberg geplant, mit Besuch auf dem Kamelhof und Paddeltour auf der Warnow. Bei widrigstem Wetter wurde auch das mit viel Spaß absolviert. Donnerstag weckte Polizei-Kontaktbeamtin Claudia Horn die Ferienkinder – in voller Uniform machte sie Zimmerkontrolle: „Nasse Socken raushängen und lüften!“, lautete ihr Kommando zumeist. Dann ging es an den Strand und Freitag schon nach Hause. Bis zum nächsten Jahr? Silvia Piechowski hofft auf eine 27. Ferienfreizeit – und mehr spendenwillige Schweriner.

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