Wintergerste : Feldversuch: Rechnen hat ein Ende

Die Ergebnisse liegen jetzt vor: Thomas Pohl hat bei der Agrargemeinschaft Holthusen den praktischen Teil seiner Projektarbeit für die Ausbildung umsetzen können.
Die Ergebnisse liegen jetzt vor: Thomas Pohl hat bei der Agrargemeinschaft Holthusen den praktischen Teil seiner Projektarbeit für die Ausbildung umsetzen können.

Junglandwirt Thomas Pohl experimentierte mit Stickstoffgaben bei der Wintergerste – Regenreicher Sommer erschwerte sein Projekt

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09. September 2017, 16:00 Uhr

Die Ernte ist vorbei und auch die letzten Erinnerungen an wiegende Ähren im Sonnenschein sind Geschichte. Während die meisten Bauern bereits die nächste Saat vorbereiten, sitzt Thomas Pohl noch vor den Proben-Ergebnissen seines Feldversuchs. Der 21-Jährige hat im Februar bei der Agrargemeinschaft Holthusen mehrere Versuchs-Parzellen für Gerste angelegt und will nun untersuchen, welche Auswirkungen die Stickstoffgabe auf das Getreide hat. Der Versuch ist Hauptbestandteil seiner Projektarbeit, die er für die Weiterbildung zum staatlich geprüften Agrarbetriebswirt Ende des Jahres vorlegen muss. Agrargemeinschafts-Chefin Brigitte Roost-Krüger stellte die Fläche sowie Saatgut, Dünger und Technik zur Verfügung. Auch fachlich stand sie ihm mir Rat und Tat während der vergangenen Monate zur Seite. Sie selbst war mit dem Ertrag trotz Beregnung nicht zufrieden (wir berichteten). „Die Versuchsfläche wurde in vier Parzellen aufgeteilt und Thomas hat die Stickstoffgabe jeweils um 20 Kilo erhöht“, erläutert Brigitte Roost-Krüger. Nicht nur der Ertrag je Fläche wurde analysiert. „Wir hatten ebenso das Hektolitergewicht, den Protein- wie auch den Stärkegehalt im Labor ermitteln lassen“, erklärt der Junglandwirt.

Jetzt, nach der Auswertung der Ergebnisse, ist er nur bedingt zufrieden: „Ich habe mir schon deutlichere Steigerungen erhofft und bin ehrlich gesagt enttäuscht“, gibt Thomas Pohl zu. Normalerweise hätten Stickstoffanwendungen einen starken Einfluss auf die Protein-Konzentration in der Gerste. Allerdings lässt sich das aus Pohls Versuch nicht wirklich ablesen. „Lediglich bei der Gabe von mehr als 180 Kilogramm Stickstoff je Hektar hat sich die Zahl von 11 auf 13 Prozent erhöht, ist aber nicht weiter gestiegen“, sagt er. Der Ideal-Wert liege allerdings für Gerste bei 12 Prozent, erklärt der junge Bauer. Beim Stärkegehalt gab es ebenso geringfügige Unterschiede. So variiere der Wert zwischen 51,5 und 51,2 Prozent. „Die Stickstoffgabe hat somit kaum Auswirkungen auf den Stärkegehalt“, resümiert er. Die augenscheinliche Bewertung der Felder fiel hingegen drastischer aus. Mit einer höheren Stickstoffgabe, so Pohl, sei auch die Ähre größer und schwerer geworden. „Das haben die Halme aber nicht mitgemacht. In der dritten Parzelle war der Ausfall des Getreides schon vor der Ernte sehr hoch. Viele Körner lagen unten, noch bevor wir ernten konnten“, erzählt er. Zudem habe das Wetter auch ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht: „Der viele Regen hat zu deutlich mehr Lagergetreide geführt, im vierten Versuchsareal lag die Gerste auf richtig großen Bereichen runter.“

Jetzt liegt es an Thomas Pohl, die Ergebnisse für seine Projektarbeit aufzubereiten. „Ich muss beispielsweise schauen, was an welcher Stelle optimiert werden kann, um den Halm zu stabilisieren.“ Ein paar Wochen bleiben dem Pampower noch, bis er die fertige Arbeit im November vorgelegt, verteidigen muss er sie im Dezember. Die Berufschule beginnt schon eher. Am 25. September heißt es für ihn und seine Mitschüler wieder: Schulbank drücken. „Bis zu den Prüfungen im Mai müssen wir noch viel pauken“, wirft er ein. Ganz oben auf dem Lehrplan stehen Pflanzenbau, Tierproduktion, Betriebs- und Unternehmensführung sowie Rechtslehre. In diesen Fächern stehen Prüfungen an. An die will der 21-Jährige lieber noch nicht denken. „Erst einmal muss ich meine Hausaufgaben machen, da ist nämlich noch ein Herbarium anzulegen“, sagt er und schiebt hinterher: „Die meisten Wiesenpflanzen habe ich schon gesammelt.“ Die Arbeit auf Hof und Feld „schmecke“ ihm deutlich besser als die am Schreibtisch. Doch Thomas Pohl weiß, dass sich die jetzigen Mühen lohnen. „Ich will mein Geld in der Landwirtschaft verdienen. Und wie die Arbeit selbst ist auch der Weg dahin nicht immer ein Zuckerschlecken“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

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