Plattdeutsch in Schwerin : „Feldflüchter“ feiern Jubiläum

Peter Kunze will den Chef-Posten der Feldflüchters abgeben.
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Peter Kunze will den Chef-Posten der Feldflüchters abgeben.

Gilde pflegt 100 Jahre altes Brauchtum und die plattdeutsche Sprache – „Vorflüchter“ Peter Kunze gibt sein Amt auf

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01. Juni 2016, 23:22 Uhr

Noch nie gehört? In Schwerin gibt es „Feldflüchters“. Ursprung ist eine plattdeutsche Gilde von 1913. Am 5. Juni 1916 machten sich drei Personen auf Wanderschaft nach Klein Rogahn und gedachten Felix Stillfried, der hier begraben ist. Das ist der Gründungstag der Schweriner „Feldflüchters“, abgeleitet von einer Taubenart. Inzwischen sind 100 Jahre vergangenen. Das Prozedere von damals wird am kommenden Sonntag wiederholt. Seit mehr als 20 Jahren ist Peter Kunze der „Vorflüchter“. Er und seine noch 15 Mitglieder gehen am Sonntag auf Wanderschaft, pflegen dabei die plattdeutsche Sprache und singen alte Lieder. Dafür wurde eigens ein Liederbuch vor vielen Jahren herausgegeben. Das Feldflüchterlied wurde am 12. Januar 1925 im „Krug zum grünen Kranze“ erstmals gesungen. Der Text stammt von Eduard Hobein, der am Hoftheater engagiert war. Eine wichtige Rolle spielte auch Dr. Buhle von der Oberrealschule in der Bergstraße. Seine Grabstelle auf dem Alten Friedhof wird von den Mitgliedern regelmäßig besucht. Nach 1945 waren alle Vereine und Gilden zunächst verboten. Erst nach und nach fanden sie unter dem Dach des Kulturbundes eine neue Heimat. Wer hier mitmachen wollte, musste trotz Empfehlung eine Aufnahmeprüfung durchlaufen. Er musste einen Vortrag halten. Danach wurde abgestimmt. „Natürlich war das nicht alles bierernst“, berichtete Peter Kunze.

Ein neuer Abschnitt begann am 17. August 1955 mit einer ersten Wanderung. Dabei waren Handwerker, Meister, Maler, Bäcker, Klempner, Autoklempner und andere. Opernsänger Gustav Kallfelz war einst auch dabei. Jede Wanderung musste aber bei den Behörden angemeldet werden. Karl Wilcke kannte sich in Sachen Kulturbund gut aus und ebnete manchen Weg. „Singen gehört zu den Feldflüchters. Jeder hatte sein Liederbuch. Zum Abschluss einer Zusammenkunft gab es immer „Dat Feldflüchter Leed“. Seit 1980 ist Kunze dabei. Seinen Einstand gab er mit einem Thema über Schwerin und dem Umfeld, speziell mit dem Fährbetrieb auf dem Pfaffenteich. Schließlich wohnte er einst in der Gegend.

Am Sonntag geht es von Neumühle zu Fuß nach Klein Rogahn. Zu Gildezeiten wurde immer an einem Mittwoch gewandert, da die Beamten einmal im Monat an jenem Tag frei hatten.

Wenige Tage nach diesem Ereignis feiert Peter Kunze seinen 80. Geburtstag. Danach will er kürzer treten und den Vorflüchter abgeben. Er zieht eine nüchterne Bilanz: „Das 200. Jubiläum wird es nicht geben. Für Plattdütsch ist der Zug abgefahren. Sprechen wird es in 100 Jahren keiner mehr. Schon heute ist der Umgang eine Rarität. Leider. Einst galt plattdütsch als ungebildet, war bei vielen verpönt. Das hat viel Schaden gemacht. Das Kameradschaftliche ist dabei ganz wichtig, doch das passt heute vielen nicht mehr.“ Doch dieses 100. Jubiläum soll noch einmal trefflich begangen werden.

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