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Schweriner Kreuzung : Farbenblind: Blitzer gibt Dauerfeuer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Autofahrer werden an einer Kreuzung trotz Grünphase reihenweise zu Rotsündern

svz.de von
erstellt am 07.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Egal ob die Ampel Rot, Grün oder Gelb anzeigte, es blitzte bei jedem Fahrer – ein hyperaktiver Starenkasten in der Landeshauptstadt hat gestern Vormittag hunderte Autofahrer verunsichert und zu zahlreichen Anrufen bei der Polizei geführt. Der an einer von vielen Pendlern genutzten Bundesstraße im Süden der Stadt installierte Blitzer soll eigentlich nur Fotos von Rotsündern knipsen. Doch wegen eines Defektes löste das Gerät an der vierspurigen Kreuzung ständig aus. „Es gab seit Montagnachmittag ein wahres Blitzlichtgewitter“, erklärte Polizeisprecher Steffen Salow.

Einige irritierte Fahrer hatten sich laut Salow „ganz aufgeregt“ sogar über den Notruf gemeldet. „Sie wollten wissen wie sich verhalten sollten, weil sie gar nicht bei Rot gefahren waren“, sagte der Polizeisprecher. Auch hätten sich unschuldige Blitzer-Opfer die Kennzeichen ihrer Vorderleute notiert, um notfalls Zeugen benennen zu können.

Die Sorge ist allerdings unbegründet. Die betroffenen Autofahrer werden keine Post von der Bußgeldstelle bekommen. Die Blitzerfotos im Zeitraum des Defekt werden nicht ausgewertet, wie eine Sprecherin der Stadt mitteilte. Der übereifrige Rotlicht-Blitzer wurde vorerst außer Betrieb genommen.

Die unkomplizierte Lösung, die Blitzer-Fotos gar nicht erst auszuwerten, dürfte der Verwaltung einiges an Ärger und zusätzlicher Arbeit ersparen. Umstrittene Bußgeldbescheide und Blitzer-Pannen lösen in der Regel Empörung aus und bedeuten für die Behörden nicht selten deutlich mehr Aufwand. Im Herbst 2016 musste das Schweriner Ordnungsamt etwa 300 Bescheide zunächst zurückziehen und dann korrigieren, weil die angeschriebenen Fahrzeughalter falsche Blitzer-Fotos erhalten hatten.

Ebenfalls für viel Aufregung sorgte ein geändertes Tempolimit in Ortkrug im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Durch den kleinen Ort durften Autofahrer jahrzehntelang mit 70 Kilometer pro Stunde fahren – bis im März ein Ortseingangsschild aufgestellt wurde und fortan Tempo 50 galt. Prompt wurden an einem Wochenende rund 1000 Autofahrer geblitzt. Abzocke-Vorwürfe wurden laut. Der Landkreis hätte auf neue Tempolimit deutlicher hinweisen und eine Eingewöhnungsfrist gewähren müssen, beschwerten sich Betroffene. Der Landkreis blieb hart.

Erfolglos blieb auch eine Klage gegen Blitzerfotos, die von einer privaten Firma im Auftrag der Behörden ausgewertet wurden. Das Vorgehen sei nicht zu beanstanden, stellte das Oberlandesgericht Rostock 2015 klar.

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