Schwerin : „Farbe in die Platte bringen“

Mueßer Holz in Bewegung: Seit Jahren werden Plattenbauten abgerissen, aktuell das Hochhaus Hamburger Allee 148.
Mueßer Holz in Bewegung: Seit Jahren werden Plattenbauten abgerissen, aktuell das Hochhaus Hamburger Allee 148.

Wie es um die Probleme im Mueßer Holz bestellt ist, erzählt die Ortsbeiratsvorsitzende Gret-Doris Klemkow

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23. Februar 2018, 05:00 Uhr

Viel Grau, hohe Arbeitslosigkeit: Das Mueßer Holz hat nicht gerade den besten Ruf unter Schwerins Stadtteilen. Damit das in Zukunft nicht so bleibt, engagieren sich viele Schweriner vor Ort. Eine von ihnen ist Gret-Doris Klemkow, Ortsbeiratsvorsitzende des Stadtteils. Volontär Volker Raab befragte die  SPD-Stadtvertreterin zu Vereinen und  Projektideen.

Frau Klemkow, Sie sind Ortsbeiratsvorsitzende des Mueßer Holzes, wohnen aber in der Gartenstadt. Wie geht das?
Die Satzung der Ortsbeiräte lässt das zu. Ich wurde in meinem Wahlbezirk, zu dem auch das Mueßer Holz gehört als Stadtvertreterin gewählt und setze mich für die Belange der Schweriner ein. Ich wohne zwar in der alten Gartenstadt, meine politische Heimat liegt aber vorwiegend im Mueßer Holz. Ich bin dort in vielen Vereinen wie „Die Platte lebt“ Mitglied, habe intensive Kontakte mit vielen Anwohnern, kenne ihre kleinen und großen Nöte und arbeite auch oft mit ihnen zusammen.


Das Mueßer Holz ist ein Stadtteil mit vielen Problemen. Wo sehen Sie Veränderungsbedarf?
Bei uns herrscht die größte Arbeitslosigkeit von ganz Schwerin, viele Einwohner haben Probleme den Alltag zu bewältigen,auch Probleme bei der Kindererziehung, bei uns wohnen die meisten armen Kinder von Schwerin. Ich sehe besonders mit Blick auf die sozialen Umstände viele Ansätze, die auch durch die Unterstützung des Ortsbeirates in die Tat umgesetzt werden müssen. Um Verbesserungen für die Lebensbedingungen der hier lebenden Menschen in Gang zu bringen, gibt es einen aktiven Ortsbeirat, dessen Vorsitzende ich seit 2014 bin. Gemeinsam mit vielen Akteuren vor Ort setzen wir uns dafür ein, dass die graue Platte wieder bunter und lebenswerter wird.

Wie genau sehen diese Ansätze aus?
Das fängt bei der Möglichkeit der Nutzung von sportlichen und kulturellen Angeboten an. Wir brauchen weitere Angebote für unsere Kinder und Jugendlichen, vorrangig im südlichen Mueßer Holz, wo sie nach der Schule ihre Freizeit sinnvoll verbringen können. Nicht umsonst haben meine Kollegen und Stadtvertreter deshalb einen Antrag für die Einrichtung eines Kinder- und Jugendtreffs eingebracht. Nur wenn wir es schaffen, mehr Angebote ins Leben zu rufen, fühlen sich die Bewohner unseres Stadtteils nicht mehr abgehängt vom Rest Schwerins.


Wünschen Sie sich dafür auch Hilfe von außerhalb?
Es ist traurig, dass Investoren einen Bogen um unseren Stadtteil machen. Wir haben soviel Platz und Entwicklungspotenzial in unserem Stadtteil. Seit Jahren unterstützen wir bereits den Neubau eines Kinder-Elternzentrums in der Justus-von-Lieblig-Straße. Ich wünsche mir sehr, dass in diesem Jahr alle Hindernisse für den Baubeginn überwunden werden können und die Grundsteinlegung endlich stattfindet.


Im Vergleich zu den anderen Stadtteilen hat das Mueßer Holz die höchste Ausländerquote. Funktioniert die Integration reibungslos oder gibt es Schwierigkeiten?
Zur Integration gehören immer zwei Seiten. Es ist unabdingbar, dass Einheimische die Zugezogenen in ihre Gemeinschaft einbinden wollen und Zugezogene sich in diese Gemeinschaft einbinden lassen. Die größte Barriere ist das Erlernen der deutschen Sprache. Es gibt viele auch ehrenamtliche Angebote, die beim Erlernen der deutschen Sprache wichtige Unterstützung geben. So wie das Erlernen der Sprache ein langer Weg sein kann, funktioniert auch Integration nicht von jetzt auf gleich. Es ist ein langwieriger Prozess, der Zeit und Geduld erfordert. Wir haben zwar keine Glaskugel, aber viele Mitstreiter engagieren sich intensiv auch während ihrer Freizeit, damit die Integration unserer Neu-Schweriner gelingen kann und gelingen wird.

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