Seehofer Zimmerei zieht um : Familienbetrieb muss runter vom Hof

<fettakgl>Lassen sich nicht entmutigen, </fettakgl>auch wenn sie die Scheune als Betriebsstätte räumen müssen: Stellmachermeister   Manfred Hanczyk und sein Sohn  Dirk Hanczyk (r.), der Zimmerermeister führt seit mehr als zehn Jahren den Betrieb.  <foto>Werner Mett</foto>
Lassen sich nicht entmutigen, auch wenn sie die Scheune als Betriebsstätte räumen müssen: Stellmachermeister Manfred Hanczyk und sein Sohn Dirk Hanczyk (r.), der Zimmerermeister führt seit mehr als zehn Jahren den Betrieb. Werner Mett

Der Zimmerer Dirk Hanczyk aus Seehof muss mit seiner Firma umziehen. Zwar nutzte schon sein Vater die Scheune – doch eine Umnutzung wurde nie beantragt. Ihm bleibt keine andere Wahl.

svz.de von
29. Januar 2013, 06:46 Uhr

Seehof | Die Tage des Handwerksbetriebes Hanczyk sind gezählt - jedenfalls am angestammten Platz in Seehof, direkt hinter dem Wohnhaus in der Dorfstraße. Zimmerermeister Dirk Hanczyk (41) ist seit Wochen in der Region unterwegs, um einen neuen Standort für Werkstatt und Lager zu suchen. "Ich hatte zwar immer noch gehofft, dass ich die Scheune meines Vaters dafür weiterhin nutzen kann. Aber mir bleibt wohl keine andere Wahl."

Eine Beschwerde aus der Nachbarschaft über Lärmbelästigung war der Auslöser für eine ordnungsrechtliche Überprüfung des Handwerksbetriebes, mit dem für alle Beteiligten unerwarteten Ausgang: Die Zimmerei muss hier weg. Entscheidender Fakt dabei: Für die Scheune auf dem nach 1945 gebauten Neusiedlerhof wurde nie eine Nutzungsänderung für gewerbliche Zwecke erteilt. Einen solchen Handwerksbetrieb darf es daher im heutigen Wohnareal nicht geben.

Dass ein solcher Antrag auf Nutzungsänderung überhaupt nötig war und ist, kann Manfred Hanczyk nicht verstehen. Der heute 68-jährige Stellmachermeister weiß, dass die Scheune hinter dem Wohnhaus schon immer als Werkstatt genutzt wurde. "Die Höfe hier wurden so angelegt, dass die Neusiedler neben der Landwirtschaft auch ein Handwerk ausüben konnten." Und als Betriebshandwerker auf der LPG nutzte Manfred Hanczyk die Scheune ebenfalls als Werkstatt und Lager - ohne das dafür eine gesonderte Genehmigung eingeholt wurde.

Nach der Wende musste sich Manfred Hanczyk eine neue Arbeit suchen. Doch die war in der Region nicht zu finden. Also entschloss sich der Stellmachermeister für die Selbstständigkeit. "Ich konnte doch nicht zu Hause rumsitzen und nichts tun." Regina und Manfred Hanczyk erinnern sich noch genau, dass zur Firmeneröffnung die damalige Bürgermeisterin kam und herzlich gratulierte. "Alle im Dorf waren froh, dass wir die Werkstatt aufmachten", blickt Regina Hanczyk zurück. Schließlich war Manfred Hanczyk nicht nur als Stellmacher tätig, er übernahm Holzarbeiten aller Art. "Es war dennoch schwer genug, den Betrieb in Gang zu bekommen", blickt der Seehofer zurück. Vor zehn Jahren zog sich der Seniorchef zurück. Sohn Dirk, der im Betrieb des Vaters mitgearbeitet hatte und inzwischen Zimmerermeister war, machte mit seinem Betrieb an gleicher Stelle nahtlos weiter. "Ich ging davon aus, dass alles in Ordnung ist", blickt der Junior zurück.

Gleiches galt wohl auch für die Gemeinde Seehof und die damalige Amtsverwaltung Lübstorf-Alt Meteln. Denn dass für die gewerbliche Nutzung der Scheune keine Genehmigung vorliegt, das sei nie aufgefallen, räumt Iris Brincker, die Verwaltungschefin des heutigen Amtes Lützow-Lübstorf ein. Es habe auch nie Probleme mit dieser Firma gegeben, bis zu der Beschwerde über die Lärmbelästigung. Als der Landkreis Nordwestmecklenburg der Beschwerde nachging, endete das mit der bösen Überraschung für den Familienbetrieb. Enttäuscht muss Dirk Hanczyk feststellen: "Wir sind hier seit Jahren ansässig, haben immer brav unsere Steuern bezahlt und sogar Lehrlinge ausgebildet: Das alles zählt nicht mehr, weil ein Stück Papier fehlt." Hinzu kommt noch, dass auf dem Hof nicht ständig Betrieb herrscht. In der Werkstatt werde an einem oder an zwei Tagen pro Woche gearbeitet, erläutert Dirk Hanczyk. Denn der Zimmerer und sein kleines Team sind zumeist auswärts auf Baustellen anzutreffen - in ganz Norddeutschland. "Und dort fällt dann auch die meiste Arbeit an." Dass es dennoch zur Beschwerde über zu viel Lärm kam, lag ausgerechnet am eigentlich erfolgreichen Buga-Jahr 2009. "Da hatte ich erfreulicherweise viel hier in der Region zu tun."

Dass das nicht die Regel ist, betont auch Manfred Hanczyk. "Wir haben ja sogar mit Hilfe der Handwerkskammer Lärmmessungen vornehmen lassen. Da lag alles im grünen Bereich." Und Dirk Hanczyk betont, dass er bereit wäre, in Sachen Lärmschutz an der Scheune nachzurüsten. Doch die Lärmschutzdebatte ist nicht mehr aktuell. Die Zimmerei ist an dieser Stelle nicht zulässig, betont Petra Rappen, Sprecherin des Landkreises. "Das war auch das klare Ergebnis eines Vor-Ort-Termines mit Vertretern des Schweriner Verwaltungsgerichtes." Immerhin will der Landkreis dem Zimmerermeister entgegenkommen und ihm für eine Übergangszeit die weitere Nutzung der Scheune erlauben - bis maximal Ende dieses Jahres und unter Einhaltung der Lärmschutzbestimmungen. "Zuerst hieß es, wir müssen Ende Februar hier dicht machen", berichtet Dirk Hanczyk, der über diesen Zeitaufschub dankbar wäre. Denn so einfach ist es nicht, einen neuen Platz für Werkstatt und Lager zu finden. Die Objekte, die sich der Zimmerermeister in den zurückliegenden Wochen angesehen hat, sind zu groß, zu teuer oder nur mit langfristigen Mietverträgen zu haben. "Das kann ich mir nicht leisten", betont der Seehofer. Überhaupt ist es für ihn sehr hart, dass nun Kosten und Mehraufwand auf seinen Handwerksbetrieb zukommen. Die Scheune hinter dem Wohnhaus stand nicht nur zum Nulltarif bereit: Die Familie hatte Werkstatt und Lager auch ständig im Blick.

Dass die Firma nun umziehen muss, sei ein Verlust für Seehof, meint auch Verwaltungschefin Iris Brincker. Denn dass für die Zimmerei ein neuer Standort in dieser Gemeinde gefunden wird, ist sehr unwahrscheinlich. Die enge Wohnbebauung lasse das nicht zu. "Wir wollen die Firma Hanczyk aber in unserem Amtsbereich halten und helfen bei der Standortsuche so gut wir können", betont Brincker.

Indes ist der Fall der Zimmerei Hanczyk kein Einzelfall mehr. Der Landkreis muss sich nach Beschwerden bzw. Anzeigen auch auf anderen Grundstücken in Seehof umschauen. Hier liegen aber noch keine endgültigen Ergebnisse vor. Und Seehof wiederum ist kein Einzelfall in Nordwestmecklenburg. "Unsere Bauaufsicht kann sich über einen Mangel an Arbeit nicht beklagen", betont Petra Rappen.

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