Unterstützung im Raum Schwerin gesucht : Familien-Hilfe mit viel Herzblut

<strong>Werbung in eigener Sache:</strong> Die Familienpaten ließen sich von Hannelore Breitag (r.) in Szene setzen. Sie dreht einen kleinen Beitrag über die Gruppe, die zum Schweriner Familienbündnis gehört und sich noch bekannter machen möchte. Foto: Reinhard Klawitter
Werbung in eigener Sache: Die Familienpaten ließen sich von Hannelore Breitag (r.) in Szene setzen. Sie dreht einen kleinen Beitrag über die Gruppe, die zum Schweriner Familienbündnis gehört und sich noch bekannter machen möchte. Foto: Reinhard Klawitter

Hilfe kann das Schweriner Bündnis für Familien immer gut gebrauchen: Aktuell betreuen zehn Paten 14 Familien, die ihren Alltag nicht mehr alleine bewältigen können. Und es werden dringend noch Mitstreiter gesucht.

svz.de von
27. März 2013, 08:41 Uhr

Schwerin | "Weil es mir hier sehr gut geht, möchte ich etwas zurückgeben. Ich kümmere mich um einen Jungen, der sehr lebhaft und sehr klug ist. Mein schönstes Erlebnis: Wir haben gemeinsam geknetet. Da hat er ein Herz gebastelt, es durchgebrochen, mir eine Hälfte gegeben und gesagt: Das macht man doch so, wenn man verliebt ist." Susanne Truetsch steht vor der Kamera der Senioren-Videogruppe "Metronom". Hannelore Breitag dreht einen viertelstündigen Beitrag über die Schweriner Familienpaten. Werbung kann die junge Gruppe des Schweriner Bündnisses für Familien immer gut gebrauchen. Zehn Paten betreuen aktuell 14 Familien. Auf beiden Seiten werden noch Mitstreiter gesucht.

Einige Ehrenamtler berichten im Filmbeitrag kurz über ihre Einsätze. Das klingt launig und nicht so schwierig, eine Mischung aus Nachbarschaftshilfe und Wunschgroßeltern. Wenig später sitzen die Familienpaten in der Supervision - und das Bild wandelt sich erheblich. Familienpaten sind in Schwerin nämlich auch dort eingesetzt, wo es wirklich brennt, oftmals in Familien, die schon andere professionelle Unterstützung erhalten. Susanne Truetschs "Familie" beispielsweise besteht aus einem schwerst kranken Vater, der seine drei Kinder - einen Teenager, ein jüngeres Zwillingspaar - allein betreut. Der große Sohn leidet unter Angstzuständen, ein Zwilling ist Autist. "Der Vater versucht schon lange, eine Pflegefamilie für seine Söhne zu bekommen", sagt Susanne Truetsch. "Wenn er mal ins Krankenhaus muss, werden die Jungs meist auseinandergerissen, worunter sie sehr leiden. Der Vater bemüht sich sehr, stößt aber oft an seine Grenzen." Dem kleinen Jungen, mit dem sie die Patenvereinbarung hat, will Susanne Truetsch ein paar glückliche Stunden und Aufmerksamkeit schenken - denn davon hat er in seiner Familie nicht immer genug.

Amelie Holst ist Patin bei einer siebenköpfigen Familie aus dem Irak, begleitet die Mutter zu Arztbesuchen, kocht mit den Kindern mal deutsches Essen, zeigt ihnen, wie man Knöpfe annäht. "Ich gebe einfach praktische Tipps fürs Leben", sagt Amelie Holst. Sie selbst musste dabei einiges über den fremden Kulturkreis lernen. Mit der dominanten Rolle des Mannes in dieser patriarchalischen Gesellschaft und dem hohen Fernsehkonsum konnte sie sich nicht spontan anfreunden, aber sie gibt ihr Bestes - und die Familie gibt zurück.

Dr. Mechthild Netzel kümmert sich um ein achtjähriges Mädchen, das schwer unter der Trennung seiner Eltern leidet. Einmal die Woche treffen sich die beiden, spielen, gehen Skateboard fahren in den Schlosspark, unternehmen etwas Schönes miteinander.

"Wir haben nicht nur übers Familienbündnis und in den Medien, sondern auch konkret bei Trägern und dem Jugendamt für unser Projekt geworben", sagt Ingrid Mans. Etwa die Hälfte der Fälle seien von Amt oder Einrichtungen an sie herangetragen worden, die anderen kamen aus Eigeninitiative. Die freiwillige und kostenlose Hilfe anzunehmen, falle einigen Betroffenen übrigens gar nicht so leicht, berichten die Familienpaten. So wie der alleinerziehenden Mutter, die wegen ihrer Krankheit die Wohnung nicht mehr verlasse und deren Sohn seit einiger Zeit nicht zur Schule gehe. Ein Pate kümmert sich einmal die Woche um den Jungen, ermöglicht ihm Erlebnisse, die er mit seiner Mutter nicht haben kann. Er wäre gerne öfter zur Stelle.

Genau das eint die Familienpaten: Sie lieben ihre Arbeit. Dass sie dabei regelmäßig im großen Kreis über ihre Fälle sprechen, mache vieles einfacher, sagen sie. Denn natürlich nehmen sie manche Probleme aus den Paten-Familien mit nach Hause, kommen ins Grübeln, versuchen mehr Hilfe möglich zu machen. Dass sie dabei nicht ihre eigenen Kraftreserven aufzehren, darauf achtet Supervisor Michael Schneider. "Wir müssen auch akzeptieren, dass manche Familien anders leben als wir", sagt Ingrid Mans. "Wir haben keinen Erziehungsauftrag und sind keine Konkurrenz zu professionellen Hilfe-Stellen."


Hintergrund:
Familienpaten unterstützen Eltern und Kinder bei der Alltagsbewältigung. Wer Kontakt zu den Familienpaten sucht, kann das unter Telefon 0385-5574966, per E-Mail unter info@familie-in-schwerin.de oder jeden Donnerstag zwischen 14 und 16 Uhr im Seniorenbüro, Wismarsche Straße 144, beim Sprechtag des Familienbündnisses.

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