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Schwerin : Fahrverbot in Fußgängerzone von Radlern ignoriert

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

SVZ-Stichprobe: Jeder Zweite bleibt auf dem Sattelt. Stadt und Polizei appellieren an Vernunft

SVZ machte die Probe auf Exempel: Wieviele Radfahrer halten sich an das sommerliche Fahrverbot in der Schweriner Fußgängerzone? Eine Stunde lang postierten wir uns an einem ganz normalen Wochentag vor der alten Post in der Mecklenburgstraße und in der Puschkinstraße zwischen Markt und Schlossstraße. Resultat: Jeder zweite Radler ignorierte das Verbot, blieb – statt zu schieben – auf dem Sattel. Vor der Post lautet das Ergebnis 57 zu 52 für die Schieber, in der Puschkinstraße 32 zu 31 für die Fahrer.

Es ist in diesem Sommer wie in jedem Sommer: Immer wieder melden sich bei uns Leser, die sich über rasende Radfahrer in der Fußgängerzone ärgern. Die Polizei müsse die Radler zur Ordnung rufen, fordert die Schwerinerin Christel Brüggert, stellvertretend für viele Bürger. Die Polizei nehme jeden Hinweis ernst, sagt der Leiter des Polizeireviers, Michael Erhart. Und er sagt auch: „Wir kontrollieren regelmäßig den Radverkehr in der Fußgängerzone.“

Ja, es gäbe etliche Pedalritter, die sich nicht an das Verbot hielten, räumt Erhart ein. Die Feststellungen der Polizei deckten sich aber nicht mit der Fifty-Fifty-Quote der SVZ-Stichprobe. Der Revierleiter gibt auch gleich die Erklärung: So mancher Radler steige noch schnell vom Rad, wenn er die Polizei sehe – um dem Verwarngeld zu entgehen. Erhart appelliert an die gegenseitige Rücksichtnahme der Verkehrsteilnehmer. Über bauliche Änderungen, einen Radstreifen in der Mecklenburgstraße etwa, könne die Polizei nicht entscheiden, da sei die Stadt gefragt.

Doch Baudezernent Bernd Nottebaum sieht wenig Spielraum für Veränderungen. Ein Radstreifen würde das Problem nicht lösen, die Unfallgefahr durch schnelle Radfahrer womöglich noch erhöhen. Zudem könnten Fußgänger dann nicht mehr ohne weiteres von einer Seite auf die andere Seite der Straße bummeln, so Nottebaum. Der Baudezernent bleibt dabei: „Unser Sommerfahrverbot ist ein Kompromiss, mit dem eigentlich alle Seiten leben können müssten.“ Wie Revierleiter Erhart setzt Nottebaum auf gegenseitige Rücksichtnahme: „In der Fußgängerzone haben Fußgänger Vorrang. Das sollte jedem Radfahrer bewusst sein.“

Und auch die Details des Verbots müssten sich nach all den Jahren herumgesprochen haben, sagt Ordnungsamtsleiterin Gabriele Kaufmann. Von Mai bis September dürfen Radfahrer die Mecklenburgstraße zwischen Schlossstraße und Pfaffenteich, die Puschkinstraße zwischen Schlossstraße und Markt, die Helenenstraße und die Schmiedestraße zwischen 10 und 18 Uhr nicht befahren. Die Mecklenburgstraße zwischen Geschwister-Scholl-Straße und Schlossstraße und die Schlossstraße selbst können genutzt werden – mit Schrittgeschwindigkeit. Kritik an einer möglicherweise unzureichenden Beschilderung, weist Kaufmann zurück: „Die Schilder sind ausreichend.“ Müsste der Ordnungsdienst der Stadt mehr tun? „Wir können radelnde Radfahrer nur auf ihr Fehlverhalten hinweisen, aber niemanden vom Rad holen“, sagt die Ordnungsamtschefin.

Fazit: Polizei und Stadt wissen um das Problem in der Fußgängerzone. Eine wirkliche Lösung haben sie aber nicht. Für eine durchgehende Kontrolle fehlen die Kräfte. Was bleibt, ist der Appell an die Einsicht. „Die City ist kein Unfallschwerpunkt“, sagt Revierleiter Erhart. Im ganzen Jahr habe es bislang nur einen Unfall mit einem Radfahrer gegeben. Zum Glück nicht mehr.

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erstellt am 28.Jul.2016 | 21:00 Uhr

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