Zur Kasse gebeten : Fahrschein verschwand in der Jacke

Ein Einzelfahrschein ist 45 Minuten gültig. Im Fall von Horst M. wird unter anderem auch über den genauen Zeitpunkt  der Kontrolle gestritten.
Ein Einzelfahrschein ist 45 Minuten gültig. Im Fall von Horst M. wird unter anderem auch über den genauen Zeitpunkt der Kontrolle gestritten.

Kranker Schweriner soll 20 Euro bezahlen, weil er bei der Kontrolle in der Straßenbahn kein gültiges Nahverkehrsticket vorlegen konnte

svz.de von
04. Dezember 2013, 16:57 Uhr

Horst M. (Name der Redaktion bekannt) will es auf einen Prozess ankommen lassen. 20 Euro Strafe soll der Schweriner zahlen, weil er bei einer Kontrolle in der Straßenbahn keinen gültigen Fahrschein vorzeigen konnte. „Ich habe das Ticket innerhalb einer Woche beim Schalter am Platz der Freiheit vorgelegt“, sagt Horst M. Damit müsse die Sache doch erledigt sein, schließlich habe er sich kurz vor der Kontrolle einer Unterarm-Amputation unterziehen müssen und auch am Tag der Überprüfung unter starken Medikamenten gestanden.

Mit einem Einzelfahrschein war der Schweriner in einer Bahn der Linie 1 zum Klinikum gefahren. „Ich hatte einen Arzttermin“, erklärt Horst M. Um 10.15 Uhr habe er das Ticket abgestempelt. Gegen 11 Uhr sei er mit dem Fahrschein von der Hinfahrt wieder in die Straßenbahn gestiegen – retour Richtung Stadt. „Das Ticket gilt ja 45 Minuten.“ Dann seien die Kontrolleure gekommen. „Ich konnte meinen Fahrschein einfach nicht finden“, berichtet der Schweriner.

Durch ein Loch im Futter sei der Fahrschein gerutscht, schildert Horst M., der eigentlich 40 Euro Strafe zahlen sollte. Nachdem er das Ticket aber am Platz der Freiheit vorgelegt habe, sei das Bußgeld aber auf 20 Euro reduziert worden. „Auch diese Strafe ist aus meiner Sicht aber nicht gerechtfertigt“, sagt der Schweriner mit Blick auf seine erheblichen gesundheitlichen Probleme.

Auf Anfrage unserer Zeitung beruft sich der Schweriner Nahverkehr allerdings auf die allgemeinen Beförderungsbedingungen. „Der Fahrgast hat den Fahrausweis bis zur Beendigung der Fahrt aufzubewahren und ihn dem Betriebspersonal auf Verlangen zur Prüfung vorzuzeigen oder auszuhändigen“, heißt es in der Vorschrift. Ein erhöhtes Beförderungsentgelt von 40 Euro ermäßige sich aber auf 7 Euro, wenn der Fahrgast innerhalb einer Woche nachweisen könne, dass er sich zum fraglichen Zeitpunkt im Besitz einer gültigen Zeitkarte befunden habe. Dazu zählten Wochen-, Monats- und Petermännchenkarten sowie Zeitkarten im Ausbildungsverkehr, erläutert der Nahverkehr. Nachträglich vorgelegte Einzelfahrausweise könnten nicht anerkannt werden.

Zum konkreten Fall: Ja, es sei richtig, dass Horst M. seinen um 10.15 Uhr entwerteten Fahrschein innerhalb einer Woche beim beauftragten Kontrollunternehmen am Platz der Freiheit vorgelegt habe, die Kontrolle sei seinerzeit aber um 11.04 Uhr erfolgt, so Nahverkehr. Das bedeutet: Selbst wenn Horst M. seinen Fahrschein gefunden hätte, wäre das nach 45 Minuten abgelaufene Ticket aus Sicht des Verkehrsunternehmens nicht mehr gültig gewesen. Wegen der Krankheit des Schweriners sei aber eine Kulanzregelung getroffen und das erhöhte Beförderungsentgelt von 40 auf 20 Euro ermäßigt worden, betont der Nahverkehr.

Horst M. beharrt auf seiner Sicht der Dinge. Er sei vor 11 Uhr in die Straßenbahn gestiegen. Zwei Mahnungen hat der Schweriner schon verstreichen lassen, einen Rechtsanwalt eingeschaltet. „Ich werde für meine Auffassung kämpfen“, sagt Horst M.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen