Schwerin mit neuer Idee : Fahrradverleih mit Car-Sharing-Station verbinden

<strong>Bislang in Schwerin nicht umsetzbar: </strong>Auch die Fahrradausleihe der Stadt Ludwigslust, die in Zusammenarbeit mit der Bahn entstand, gibt es nicht mehr. <foto>Hans Taken</foto>
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Bislang in Schwerin nicht umsetzbar: Auch die Fahrradausleihe der Stadt Ludwigslust, die in Zusammenarbeit mit der Bahn entstand, gibt es nicht mehr. Hans Taken

Nach mehr als zwei Jahren Prüfung hält die Schweriner Oberbürgermeisterin ein Fahrrad-Mietsystem für nicht umsetzbar: Ihr Vize plant weiter – am Radverleih und Carsharing.

svz.de von
10. Januar 2013, 10:48 Uhr

Schwerin | Ein Fahrrad-Mietsystem kann unter den derzeitigen Bedingungen in Schwerin nicht realisiert werden. Das teilte Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow den Stadtvertretern mit und reagierte damit auf einen entsprechenden Auftrag aus der Politik. Bereits im Mai 2010 hatte die Stadtvertretung dem Antrag der CDU/FDP-Fraktion zugestimmt. Demnach sollte die OB Gespräche führen mit potenziellen Betreibern, wie beispielsweise lokalen Anbietern und auch der Deutschen Bahn, um ein Fahrrad-Mietsystem auch in der Landeshauptstadt zu realisieren. Ein solches System beinhaltet die Bereitstellung von Leih-Fahrrädern und Verleih-Stationen, die an wichtigen Plätzen im Schweriner Stadtgebiet errichtet werden. Die entliehenen Fahrräder können dann an beliebigen Stationen wieder zurückgegeben werden. Doch das sei nicht machbar, erklärte jetzt Gramkow. "Die beiden einzigen Anbieter, die ein solches System aufbauen würden, machen dies von der finanziellen Beteiligung der Stadt abhängig, was angesichts der Haushaltslage nicht umsetzbar ist. Haushaltsmittel stehen hierfür nicht zur Verfügung", so die Oberbürgermeisterin.

Denn auch die Erfahrungen anderer Kommunen hätten nicht eben Positives zutage gefördert, wie aus einer Analyse des Magazins "Bus & Bahn" hervorgeht, das Gramkow den Stadtvertretern in Kopie gleich dazu gereicht hatte. Demnach würden Städte wie Nürnberg, Stuttgart oder Hamburg vor allem mit Skepsis der potenziellen Nutzer zu kämpfen haben. Zudem sei auch nicht der erhoffte ökologische Nutzen eingetreten: Wer den Fahrradverleih nutze, sei ohnehin zuvor in der Regel mit dem öffentlichen Nahverkehr statt des eigenen Autos unterwegs gewesen. Nur vier Prozent in Stuttgart und neun Prozent in Nürnberg seien vom Pkw auf das Leihrad umgestiegen, heißt es in der Analyse. Die Leihfahrräder waren dort vor allem in eine Richtung genutzt worden, so dass ein hoher Aufwand für die Neuverteilung der Räder an die Ausleihstationen durch die Betreiber erforderlich wurde. Das wiederum habe zu einem höheren CO 2 -Ausstoß geführt, als durch die unterlassenen Autofahrten eingespart wurde. Der Nutzen für die Umwelt und die Stadtverträglichkeit sei aufgrund fehlender Attraktivität - oder auch Bekanntheit - der Fahrrad-Ausleihstationen "eher mager", lautet das Fazit der Experten. Für Oberbürgermeisterin Gramkow ist der Prüfauftrag der Stadtvertretung damit erledigt.

Nicht so für ihren Vize. Baudezernent Dr. Wolfram Friedersdorff möchte die Fahrradausleihe in den kommenden Jahren in der Landeshauptstadt als Zusatzangebot für Car-Sharing-Stationen etablieren. Die Idee des Auto-Teilens ist nicht neu - und hat bislang auch in Schwerin noch nicht wirklich funktioniert. "Das lag aber vor allem auch daran, dass die Betreiber von Anfang an Geld verdienen wollten. Und das kann nicht funktionieren", sagt Dezernent Frieders dorff. Vielmehr müssten Begeisterung für das Projekt und der ökologische Gesichtspunkt in der Anfangsphase im Vordergrund stehen. "Nach drei Jahren kann man dann ans Geldverdienen denken."

Was sehr theoretisch und optimistisch klingt, könnte doch Realität werden. Friedersdorff hat nach eigener Aussage bereits mit potenziellen Betreibern gesprochen. "Wir haben das Thema nicht aktuell auf der Tagesordnung. Aber in zwei, drei Jahren sollten wir uns intensiv damit beschäftigen", sagt Friedersdorff. Die Idee: An vier zentralen Standorten, die dem Betreiber natürlich kostenfrei zur Verfügung gestellt werden, könnten etwa 15 Fahrzeuge platziert werden: Kleinwagen, mittleres Auto, Transporter. Denn die Nachfrage nach Car Sharing habe bundesweit gezeigt: Privatnutzer brauchen sie vor allem am Wochenende, wenn das Angebot günstiger ist als bei einer Autovermietung. Um das Modell für die Betreiber attraktiv zu machen - sie tragen immerhin die Anschaffungskosten für die Fahrzeuge - müsse es für die Werktage neue Denkprozesse geben. "Wir könnten beispielsweise Institutionen und Firmen einbinden", sagt Frieders dorff und hält Car-Sharing auch für ein geeignetes Modell für die Stadtverwaltung. Potenzielle Mitmacher gelte es in den kommenden Jahren zu finden.

Und als Bonus könnte es an den vier Car-Sharing-Plätzen im Stadtgebiet Leihfahrräder geben. Das Thema Elektro-Räder eröffne auch aus ökologischen Gesichtspunkten völlig neue Möglichkeiten. Und durch die Nutzer des Autoteilens gäbe es ein zusätzliches Klientel für die Fahrräder.

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