Schulstreit beginnt : Fahrbinder Kinder begehrt

Große Pause: Die Bürgermeister Ralf Egbert Scharlaug und Klaus-Otto Meyer lassen sich vom Rastower Schulleiter Torsten Booß (v.l.) nochmals die Grundschule zeigen.
Große Pause: Die Bürgermeister Ralf Egbert Scharlaug und Klaus-Otto Meyer lassen sich vom Rastower Schulleiter Torsten Booß (v.l.) nochmals die Grundschule zeigen.

Rastow möchte auch die Erstklässler in der Gemeinde haben – bislang ist Wöbbelin die zuständige Grundschule

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11. März 2015, 12:00 Uhr

Die Rastower Gemeindevertreter um den im Vorjahr neu gewählten Bürgermeister Ralf Egbert Scharlaug machen ernst: Sie wollen auch die Grundschüler aus dem Ortsteil Fahrbinde in die Schule in ihre Gemeinde holen und drängen deshalb auf eine Änderung des Schuleinzugsbereichs. Doch seit Generationen werden die Kinder aus dem Ort an der B 106 in Wöbbelin eingeschult. Und die Grundschule droht kann sich eigentlich keinen Aderlass leisten.

Vor zehn Jahren kam es aber zur Gemeindefusion, Fahrbinde ist seitdem ein Ortsteil von Rastow. „Wir haben eine eigene, neu gebaute Grundschule im Dorf, die auch die Fahrbinder Kinder aufnehmen kann“, betont Scharlaug. „Warum dieser Schritt nach der Gemeindefusion noch immer nicht vollzogen wurde, kann ich nicht verstehen.“ Sechs Fahrbinder Kinder sind es derzeit, die in Wöbbelin die Grundschule besuchen. Und die sollen dort auch bis zum Ende der vierten Klasse bleiben. Danach steht ohnehin ein Wechsel zur Regionalen Schule nach Rastow an.

Da jedoch Ende Mai im Kreistag ein Beschluss über die Schuleinzugsbereiche für die Jahre 2015 bis 2020 ansteht, fordern die Rastower, dass mit Beginn des neuen Schuljahres für Fahrbinde eine Neuordnung geben muss.

Das stieß in der Fachbehörde des Landkreises Ludwigslust-Parchim auf wenig Gegenliebe. Dort wird befürchtet, dass ohne die Fahrbinder Kinder die Grundschule Wöbbelin gefährdet ist, da es pro Jahrgang immer 20 neue Grundschüler sein müssen. „Wir haben die Grundschule Wöbbelin erst vor wenigen Jahren gerettet, weil wir die Gemeinde Groß Laasch diesem Bereich zugeordnet haben“, bringt Guido Wiese vom Landkreis in Erinnerung. Dass nun mit der Abkehr eines historisch zum Schulbereich gehörenden Ortes eine erneute Gefahr für Wöbbelin entsteht, sei im Interesse des Erhalts einer „ausgewogenen und guten Schulstruktur“ nicht hinnehmbar, so Wiese.

Allerdings sieht der Landkreis die Argumente der Rastower – und will es nicht darauf ankommen lassen, dass erst ein Gericht entscheiden muss, ob die Position der Rastower für eine Regelung innerhalb der Gemeinde schwerer wiegt als der vom Kreis aufgestellte Plan für die Schuleinzugsbereiche.

Um beiden Zielen gerecht zu werden, wagte die Fachbehörde einen Vorstoß: Die Kinder aus Uelitz sollen in Zukunft in Wöbbelin zur Grundschule gehen – als Ausgleich für die Fahrbinder. „Dieser Vorschlag kam für uns völlig unerwartet – und er ist für uns unannehmbar“, führt nun gleich der Uelitzer Bürgermeister Klaus-Otto Meyer an. Genau so fiel das Votum dieser Gemeindevertretung aus – einstimmig für den Verbleib der Grundschüler im Nachbardorf Rastow. „Wöbbelin ist weiter weg. Zudem haben wir den Grundschulbau in Rastow mitbezahlt“, betont Meyer.

Selbst in Wöbbelin findet dieser Vorschlag keine Gegenliebe: „Das funktioniert nie“, ist Bürgermeisterin Viola Tonn überzeugt. Sie hofft darauf, dass die Rastower „vertragstreu“ bleiben und die Fahrbinder Grundschüler in Wöbbelin lassen. „Auf keinen Fall darf diese Debatte auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden“, mahnt Tonn. Sie sieht zudem die Wöbbeliner Schule auch in den nächsten fünf Jahren als nicht gefährdet an, selbst wenn die Fahrbinder Kinder wegbleiben.

Nachdem die – sich widersprechenden – Stellungnahmen der Gemeinden jetzt vorliegen, muss im Landratsamt bis Ende des Monats innerhalb der Schulentwicklungsplanung ein Vorschlag ausgearbeitet werden, der in die Fachausschüsse und Ende Mai in den Kreistag kommt. Darüber, wie diese Debatte weiter- oder gar ausgeht, mag Guido Wiese keine Prognose abgeben.

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