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Zeitung für die Landeshauptstadt

25. September 2017 | 04:45 Uhr

Schweriner Weltkriegs-Erbe : Explosiver Fund beim Baden

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schwerinerin entdeckt am Ufer des Ziegelinnensees im Schilf mehrere Wurf- und Handgranaten aus dem Zweiten Weltkrieg

von
erstellt am 05.Jul.2017 | 20:55 Uhr

igentlich wollten Annette T. und ihr Lebensgefährte an ihrem freien Tag nur gemütlich ihren Zugang zu einer Badestelle am Ziegelsee von ständigem Unrat befreien, stattdessen stießen sie direkt am Ufer auf Granaten aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Paar handelte nach dem ersten Schock besonnen: Die beiden ließen die Fundstücke im Schilf liegen, informierten sofort die Polizei und die Wasserschutzpolizei, die wenig später eintraf und den Bereich sicherte. Dann übernahm der Munitionsbergungsdienst, suchte das Areal ab, fand drei 8-Zentimeter-Wurfgranaten in Originalverpackung und eine Stielhandgranate. Weil die Waffen gesichert waren, konnten sie abtransportiert werden. Kurze Zeit später kontrollierten die Profis den Flachbereich erneut, konnten nichts mehr entdecken. Trotzdem: Annette T., die sonst bei Wind und Wetter in der Nähe ihres Hauses in der Dr.-Hans-Wolf-Straße in den See stieg, traut sich hier erstmal nicht mehr ins Wasser.

Profis holten Wurfgranaten aus dem Wasser. Fotos: Privat
Profis holten Wurfgranaten aus dem Wasser. Fotos: Privat

Dass der Ziegelinnensee munitionsbelastet ist und es seit Jahren Diskussionen um die Beräumung gibt (SVZ berichtete), das weiß Annette T. so gut wie fast jeder Schweriner. Tauchen ist in diesem See streng verboten, baden allerdings nicht. Häufig sieht man Schweriner ihre Runden durch den See ziehen. Sie gehen davon aus, dass sich die gefährlichen Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg in der tiefen Mitte des Sees auf dem Grund befinden und Schwimmer nichts zu befürchten haben.

Eine ganze Schute voller Waffen, Granaten und Patronen hatten die Alliierten zu Kriegsende in und um Schwerin eingesammelt, auf den Ziegelinnensee gefahren und über Bord gekippt. Mehr als 70 Tonnen sollen es sein. Alle Versuche, die Altlast aus dem See zu holen, scheiterten bisher – am Geld. Die hochverschuldete Stadt kann es nicht bezahlen, Land und Bund wollen nicht bezahlen und schieben sich die Verantwortung für die Finanzierung gegenseitig zu. Bis heute sind deshalb offenbar Taucher illegal unterwegs, um Waffennarren mit dem Weltkriegserbe zu versorgen.

Die Schweriner Stadtvertretung hat sich bereits vor Jahren mit dem Thema beschäftigt, OB Angelika Gramkow beauftragt, über die Bergung der Munition mit den entsprechenden Stellen zu verhandeln. Geschehen ist bis heute nicht viel mehr.

Für Robert Mollitor, Leiter des Munitionsbergungsdienstes MV, ist der Ziegelsee kein Schwerpunktgebiet. Fünf Einsätze hier in den vergangenen 15 Jahren entnimmt er seinem Kataster. Zum Vergleich: Pro Jahr würden seine Leute zu 400 Spontaneinsätzen im ganzen Land gerufen – fünf waren es 2016 in Schwerin – sieben bis zehn Tonnen Munition bergen sie dabei. Manchmal kommen sie auch bei falschem Verdacht, meistens finden sie Gefährliches. Granaten, wie sie im Ziegelsee entdeckt wurden, seien beispielsweise mit TNT gefüllt, dem Wasser nichts anhaben kann. „Sie detonieren heute noch genau wie damals“, sagt Mollitor. Dass die Munitionsberger in der Nähe keine weitere Munition gefunden haben, läge den Verdacht nahe, dass es sich hier zumindest um keine „Versenkungsstelle“ handele. Womöglich hat ein illegaler Taucher seine Beute hier zwischengelagert? Das könnte sich Annette T. gut vorstellen. Sie bittet jetzt Anwohner, noch genauer hinzusehen, ob sie Taucher im Ziegelinnensee entdecken – und notfalls die Polizei zu informieren.

 

 

 

 

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