Schweriner Arbeitsagentur verkürzt Gründungszuschuss : Existenzgründer haben es schwerer

<strong>Hochwertige Grünpflege beim Speicher-Hotel:</strong> Kathrin Kendzia hat sich mit einem Garten - und Landschaftsbaubetrieb selbstständig gemacht. <foto>Christian Koepke</foto>
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Hochwertige Grünpflege beim Speicher-Hotel: Kathrin Kendzia hat sich mit einem Garten - und Landschaftsbaubetrieb selbstständig gemacht. Christian Koepke

Kathrin Kendzia wagte durch die Unterstützung der Schweriner Arbeitsagentur im März den Sprung in die Selbstständigkeit. Ab September muss sie wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen. Doch das ist nicht so leicht.

svz.de von
09. Juli 2012, 11:37 Uhr

Schwerin | "Enzian" hat Kathrin Kendzia ihren Garten- und Landschaftsbaubetrieb genannt. Von Kendzia zu Enzian ist es kein weiter Weg, und der Enzian gilt schließlich als eine Pflanze mit besonderen Eigenschaften. Einen besonderen Anspruch möchte auch Kathrin Kendzia mit ihrer "Gartenmanufaktur" verwirklichen - bei der Beratung ihrer Kunden und bei der Anlage und Pflege von Grünanlagen. Im März dieses Jahres wagte die Seehoferin den Sprung in die Selbstständigkeit, unterstützt durch einen Gründungszuschuss der Schweriner Arbeitsagentur. Sechs Monate bekommt sie eine Förderung in Höhe des Arbeitslosengeldes plus einer Pauschale von jeweils 300 Euro.

"Ohne diese Hilfe hätte ich den Schritt in die Selbstständigkeit sicher nicht gewagt", sagt Katrin Kendzia, die vor der Gründung ihres Unternehmens ein halbes Jahr lang arbeitslos war. Bis September laufe ihre Förderung nun, danach müsse sie wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen, erklärt die 47-jährige Gartenbauingenieurin. Sie könne aber noch darauf hoffen, dass wenigstens die 300-Euro-Pauschale von der Arbeitsagentur weiter gezahlt werde.

Existenzgründer aus dem vergangenen Jahr erhalten die Förderung, die Kathrin Kendzia für ein halbes Jahr bekommt, noch für einen Zeitraum von neun Monaten. "Diese Spanne ist durchaus sinnvoll ", unterstreicht Stefan Müller. Der Schweriner machte sich im Juni 2011 als Sachverständiger für die Bewertung von Maschinen, technischen Anlagen sowie Betriebs- und Geschäftsausstattung selbstständig. "Man braucht einfach eine gewisse Zeit, um sich auf dem Markt zu etablieren", berichtet der Diplom-Kaufmann, der als Angestellter jahrelang nach Hamburg gependelt war.

Dass der Gründungszuschuss in Höhe des Arbeitslosengeldes nach einer Entscheidung des Gesetzgebers nicht mehr neun, sondern nur noch sechs Monate lang gewährt wird, begründet Christina Grütmacker, zuständige Teamleiterin bei der Schweriner Arbeitsagentur, mit der veränderten Lage auf dem Arbeitsmarkt: "In vielen Berufen fehlen Fachkräfte." Deshalb sei nicht nur der Zeitraum für die Zahlung des Gründungszuschusses verkürzt worden. "Der Zuschuss selbst ist von einer Pflicht- in eine Ermessensleistung umgewandelt worden", so Grütmacker. Sollte es of fene Stellen in der Berufsrichtung des Bewerbers geben, so habe die Vermittlung absoluten Vorrang.

Immerhin könne aber die 300-Euro-Pauschale nach der neuen Gesetzeslage neun Monate statt bislang sechs Monate bezogen werden, erläutert Christina Grütmacker. Werden Gründungszuschuss in Anspruch nehmen wolle, müss e allerdings nach der jetzigen Regelung einen Restanspruch auf Arbeitslosengeld von mindestens 150 Tagen haben, zuvor seien es 90 Tage ge wesen. Unverändert habe der an einer Existenzgründung interessierte Arbeitslose sowohl die Tragfä higkeit seiner Geschäftsidee als auch die persönliche Eignun g zur Ausübung einer selbststän digen Tätigkeit nachzuweisen.

Angesichts der veränderten Bedingungen nicht überraschend: Die Zahl der von der Schweriner Arbeitsagentur gewährten Gründungszuschüsse ging deutlich zurück. Hätten im ersten Halbjahr 2011 noch 427 Existenzgründer den Zuschuss erhalten, seien es im gleichen Zeitraum dieses Jahres nur noch 120 gewesen, bestätigt Teamleiterin Grütmacker.

Kathrin Kendzia ist dennoch froh, dass es den Gründungszuschuss gibt. Sie hat sich bereits einen kleinen Kundenstamm aufgebaut und blickt optimistisch in die Zukunft. "Ich bin jetzt meine eigene Chefin und kann die Dinge machen, die mir wichtig sind", sagt die 47-Jährige. Auch Stefan Müller hat die Entscheidung für die Selbstständigkeit bislang noch nicht bereut: "Ich bin flexibler geworden und habe mehr Zeit für meine Familie."

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