Nach Razzien in MV : Ex-Soldaten bei den Preppern aktiv

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Landtagsabgeordnete wollen nun mehr über die Reservisten herausfinden

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22. September 2017, 05:00 Uhr

Sind Prepper harmlose Lebensmittel-Hamsterer oder gibt es unter ihnen auch gewaltbereite Mitglieder, die sich bewaffnen und gezielt auf den Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung vorbereiten? Eine von Innenminister Lorenz Caffier (CDU) kürzlich eingesetzte Kommission unter Leitung des obersten Landespolizisten in MV geht dieser Frage bereits nach. Doch die Abgeordneten des Landtages wollen bei der Untersuchung der Prepper-Szene, der zwei mutmaßliche Rechtsterroristen in MV zugerechnet werden, nicht allein auf das Innenministerium vertrauen. Es werde hinter verschlossenen Türen ermittelt, beklagt Peter Ritter von den Linken. Die Mitglieder des Innenausschusses im Landtag haben daher gestern beschlossen, sich ein eigenes Bild von den Aktivitäten der Versorgungsprofis im Nordosten zu machen.

Um mehr über die bisher noch weitgehend unbekannte Szene in Erfahrung zu bringen, wollen die Abgeordneten ein Expertengespräch mit Vertretern des Reservistenverbandes, des Deutschen Bundeswehrverbandes und des Landeskommandos Mecklenburg-Vorpommern führen. Im Zuge der Rechtsterror-Razzia Ende August waren nämlich auch Vorwürfe gegen Mitglieder des Reservistenverbandes der Bundeswehr in MV laut geworden. Die zwei Terror-Verdächtigen und vier Zeugen, deren Häuser durchsucht worden waren, sind Prepper, die sich auf Notstände vorbereiten. Und nicht nur das: Fünf von ihnen gehören dem Reservistenverband in Mecklenburg-Vorpommern an. Einige Mitglieder aus der Gruppe sollen laut Medienberichten auch an Schießübungen einer Reservistenarbeitsgemeinschaft teilgenommen haben.

Die Abgeordneten wollen Ritter zufolge erfahren, was über Verbindungen von Bundeswehrangehörigen oder Reservisten zu Prepper-Strukturen bekannt ist und welche Schritte zur Aufklärung eingeleitet wurden.

Beim Landesverband der Reservisten stößt der Beschluss der Abgeordneten für ein Expertengespräch bereits auf Zustimmung. „Wir sind dabei und haben ein außerordentliches Interesse daran, dass die Hintergründe lückenlos aufgeklärt werden“, sagte der Landesvorsitzende Helge Stahn gestern gegenüber unserer Zeitung. Er sei „ordentlich entsetzt“ gewesen über die Meldungen, dass Angehörige der Reservistentruppe der Prepper-Szene angehörten und in Verbindung mit Ermittlungen wegen Terrorverdachts stehen würden. Den beiden Beschuldigten wird vorgeworfen, für den Krisenfall Listen mit Politikern angelegt zu haben, die interniert und getötet werden sollten. Bislang ist das Dokument aber nicht aufgetaucht.

Dass Reservisten in einer Szene aktiv sind, die sich für den Untergang des politischen Systems präpariert, verträgt sich laut Landeschef Stahn nicht mit den Werten des Verbandes. „Sie haben militärische Erfahrung und Erkenntnisse. Zusammen mit so einer Einstellung ist das eine gefährliche Mischung“, sagte der Oberstleutnant der Reserve. Der Verband bekenne sich klar zur freiheitlich demokratischen Grundordnung. Wer das nicht akzeptiere, habe dort nichts zu suchen, betont der Oberstleutnant der Reserve. Gegen die fünf Reservisten seien bereits Ordnungsmaßnahmen eingeleitet worden.

Die Frage ist laut Peter Ritter nun, ob es sich dabei um Einzelfälle oder nur um die Spitze eines Eisbergs handele? Das Expertengespräch bringt vielleicht Aufklärung.

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