Managementplan für den Vogelschutz an Schweriner Seen : EU-Regeln verzögern Bauprojekte

Auf Kaninchenwerder treffen Vogelschutz und Wassertourismus aufeinander.   Das EU-Vogelschutzgebiet 'Schweriner Seen' ist das erste in Mecklenburg-Vorpommern, für das ein Managementplan erarbeitet wird. dpa
Auf Kaninchenwerder treffen Vogelschutz und Wassertourismus aufeinander. Das EU-Vogelschutzgebiet "Schweriner Seen" ist das erste in Mecklenburg-Vorpommern, für das ein Managementplan erarbeitet wird. dpa

Nachdem in Schwerin mehrere Bauprojekte wegen der Erarbeitung des Managementplanes auf Eis liegen, fragen viele Schweriner, woran es hapert. Baudezernent Dr. Wolfram Friedersdorff hat eine Erklärung.

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16. Mai 2013, 10:46 Uhr

Schwerin | Nachdem in Schwerin mehrere Bauprojekte wegen der Erarbeitung des Managementplanes auf Eis liegen, fragen viele Schweriner, woran es hapert. "Das liegt vor allem an den EU-Vorschriften für den Vogelschutz und an der Vielzahl der beteiligten Parteien, die zunächst in ein Boot geholt werden müssen", erklärt Baudezernent Dr. Wolfram Friedersdorff. "Wir von der Stadt haben das Land dazu gedrängt, endlich in Aktion zu treten." Das EU-Vogelschutzgebiet "Schweriner Seen" sei das erste in Mecklenburg-Vorpommern, für das das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) einen Managementplan erarbeiten lässt. "Für den Schweriner Außensee gibt es einen solchen Plan, der Wassersport und Vogelschutz allerdings ausklammert. Der Plan war bislang nur für FFH-Gebiete notwendig", sagt Dr. Hauke Behr von der Unteren Naturschutzbehörde. Der Schweriner Außensee ist ein so genanntes Fauna-Flora-Habitat-Areal. Hinzu kam im Jahr 2005 das Vogelschutzgebiet "Schweriner Seen". "Das FFH- und das Vogelschutzgebiet vereinen sich unter der Dachmarke Natura 2000", so Behr weiter. Aber das seien zwei unterschiedliche Paar Schuhe.

Zwei Umweltbüros, eines aus dem Raum Lübeck und eines aus Brandenburg, erarbeiten jetzt den Managementplan für den Schweriner Innensee und den Ziegelaußensee. "Dazu gehören auch Acker- und Forstflächen", erläutert Behr. Der Stempel des Ministeriums soll im Sommer 2014 auf dem Managementplan prangen. Das Papier bilde dann eine Grundlage, gebe allerdings keine hundertprozentige Rechtssicherheit, sagt Friedersdorff. "Für Bauprojekte müssen weiterhin Naturschutzgutachten erarbeitet werden."

Die größte Herausforderung bei der Ausweisung von Verkehrs- und Schutzzonen auf den Seen ist die Koordinierung zwischen Stadt, Land und Bund, um Befahrensregeln für das Naturschutzgebiet zu erlassen. Wegen des historischen Stadthafens gelten Ziegel- und Schweriner See weiterhin als Bundeswasserstraßen, für die das Wasser- und Schifffahrtsamt Lauenburg zuständig ist. Die Behörde ist "in erster Linie an der Leichtigkeit und Funktionsfähigkeit der Schifffahrt" interessiert, wie Friedersdorff erklärt. Weil kein Güterverkehr mehr den Schweriner Stadthafen ansteuert, wolle das Bundesamt die Wasserflächen an das Land abgeben, das sich allerdings schwer tue. "Vor dieser Kulisse müssen wir verhandeln", sagt der Baudezernent.

Auch dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sind die Herausforderungen bewusst, vor der die Landeshauptstadt steht. "Wie wir mit Blick auf den Vogelschutz und den Wassertourismus da heraus kommen, ist die Aufgabe", sagt Arndt Müller vom BUND und Umweltreferent der Grünen-Landtagsfraktion. Er hofft auf eine gute Kommunikation, denn "am Beispiel Plauer See sieht man, wie viel bei der Entwicklung eines Gebietes schief laufen kann."

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