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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. August 2017 | 01:33 Uhr

Schweriner Tafel : Essen für alle – ohne Streit

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

SVZ schaute bei der Tafel in Lankow vorbei: Entgegen der Polemik in sozialen Netzwerken geht es ruhig zu

Mario ist glücklich. Stolz öffnet er seine Tasche. „Heute ist neben Gemüse, Schweinefleisch und Brot sogar Sushi dabei“, sagt der Schweriner und freut sich. Nach der Essensausgabe an der Lankower Tafel zündet sich Mario noch eine Zigarette an, verabschiedet sich von seinen Bekannten und zieht seiner Wege. „Ich freu mich schon. Heut Abend gibts Sushi“, ruft er zum Abschied.

Eine Stunde zuvor verteilen die ehrenamtlichen Tafel-Mitarbeiter die Nummern an die Bedürftigen. Einzelne Rufe wie „Die Deutschen stehen immer hinten“, sind zu hören. Von Schubsereien oder Prügeln war in einem Facebook-Beitrag von AfD-Mitglied Petra Federau die Rede – „massenhafte Anstürme“ würden die Tafel-Mitarbeiter an ihre Grenzen bringen, steht dort geschrieben. Doch Probleme gibt es am gestrigen Freitag keine: Alle stehen in einer Reihe und warten geduldig auf ihre Nummer.

Mario steht hinten an. Als er dran ist, verzieht der Schweriner seine Miene. „Irgendwas mit fünfzig. Das heißt warten“, sagt er. Seit vergangener Woche wird das Essen an Fünfer-Gruppen verteilt, erklärt Mario. Das sei besser und leichter zu kontrollieren. Gemeinsam mit seinen Lankower Kumpels setzt sich der junge Schweriner dann an den Straßenrand und zündet sich eine Zigarette an. „Früher waren hier nicht so viele. Seitdem die Flüchtlinge da sind, müssen wir mehr teilen.“

Bei Peter Grosch, Chef der Schweriner Tafeln, stößt diese Aussage auf Unverständnis. „Die Leute müssen verstehen, dass unser Angebot eine Sonderleistung ist. Niemand hat ein grundsätzliches Recht darauf“, sagt Grosch, der seit 22 Jahren die Tafeln in der Landeshauptstadt organisiert. Dabei spiele es auch keine Rolle, wer wie lange zur Tafel gehe. „Wir helfen Menschen in Not. Ihre Herkunft oder die Bevölkerungsschicht, der sie angehören, spielt dabei keine Rolle.“

„55 bis 60“, ruft der Tafel-Mitarbeiter, der für die Koordination der Fünfer-Gruppen zuständig ist. „Endlich“, sagt Mario und läuft mit seiner Tasche Richtung Ausgabefenster. Ohne Angst vor Prügelei oder Schubsereien – sondern mit der Freude auf etwas zu essen.

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erstellt am 20.Mai.2017 | 16:00 Uhr

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