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Schweriner Künstler : „Es gibt keine Sprache für Kunst“

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Künstler Alan Ebnother ist ein kreativer Weltreisender: Im August hat es den ehemaligen Tänzer nach Schwerin verschlagen

svz.de von
erstellt am 10.Feb.2017 | 12:30 Uhr

„Es ist, als wärst du mittendrin und trotzdem nimmt dich niemand wahr.“ Alan Ebnother steht an seinem Erkerfenster und blickt auf die Wismarsche Straße. Minute für Minute, Stunde um Stunde beobachtet der gebürtige Amerikaner das hektische Treiben einer Stadt, die der 64-Jährige gerade dabei ist, kennen zu lernen. Im August ist der Künstler mit seiner Frau Jutta und Tochter Amelie in die Landeshauptstadt gezogen.

Ebnother kommt aus Palo Alto, Kalifornien. Einer Stadt, etwa 50 Kilometer südlich von San Francisco. Die Stadt ist der Hauptsitz bekannter Unternehmen der Computerindustrie wie Hewlett Packard (HP), der Softwareentwickler VMware und bis 2011 auch des sozialen Netzwerkes Facebook. Doch Alan Ebnother schlägt als Jugendlicher eine andere Richtung ein. „Ich lag im Pool und dachte, dass ich Tänzer werden will“, erzählt der 64-Jährige. Aufgewachsen in Militärschulen, ist es seine Art, sich aus dem reglementierten Leben zu befreien. Er bewirbt sich an Tanzschulen, wird aufgenommen und fliegt wieder raus bevor er einen Abschluss machen kann. „Ich habe mir den Kopf rasiert. Das war damals ein Grund, um rausgeworfen zu werden“, erklärt der Neu-Schweriner. Er versucht es weiter, bis ihm ein paar Stuttgarter von einem Vortanzen in Deutschland erzählen. „Ich habe gespart und kaufte mir ein One-Way-Ticket nach Deutschland.“ Ebnother lebte in verschiedenen Städten, verdient sein Geld als Tänzer und Tanzlehrer. Doch der 64-Jährige ist rastlos und kehrte nach Amerika zurück.

Ähnlich wie bei Tanz, kommt Alan Ebnother durch den bloßen Gedanken zur Bildenden Kunst. Ersteres füllt ihn nicht mehr aus, der kreative Kopf sehnt sich nach einer Veränderung. Zusammen mit seinem Bruder kauft er ein Stück Land mitten im Nirgendwo in der Nähe von Santa Fe, New Mexiko. Sie entwerfen und bauen ein riesiges Haus, das einer Halle gleicht. Dort kann sich Alan Ebnother als Künstler ausleben. Wenn der gebürtige Amerikaner von Kunst spricht, leuchten seine Augen vor Begeisterung. Er sucht nach Worten, die ausdrücken, was Kunst ist, was sie schaffen und bedeuten kann. „Es gibt keine Sprache für die Kunst“, sagt er.

Der Künstler stellt seine eigenen Farben her. Gekonnt mischt er Öle, Farbpigmente und andere Materialien auf einem Glastisch in seinem Wohnungs-Atelier. „Ich arbeite gern mit dicken Farben. Die können auf der Leinwand nach dem Trocknen schnell brechen. Es sei denn man weiß, wie sie gemacht sind“, erklärt er. Außerdem sei ein Kunstwerk nur dann wirklich gut, wenn man es nicht versteht, verrät er. „Wenn man ein Kunstwerk auf den ersten Blick versteht, schaut man kein zweites Mal hin. Wenn aber nicht, dann schaut man es sich immer wieder an, um zu erkennen, was dahinter steckt.“

Gestern flog Alan Ebnother wieder in seine Heimat. „Nur für ein paar Tage“, erzählt er. „Ich fliege fünfmal im Jahr zu meiner Familie.“ Seine Kunsthalle in der Nähe von Santa Fe würde er bei diesen Besuchen aber nur selten sehen.

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