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Zeitung für die Landeshauptstadt

17. Dezember 2017 | 17:01 Uhr

Kultur in Schwerin : Es donnert wieder im Theater

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Historisches Instrument aus dem Jahre 1883 wieder einsatzbereit / Verein fördert jetzt Restaurierung des Blitzeinschlagkastens

von
erstellt am 24.Jan.2017 | 12:00 Uhr

Theaterdonner ist sprichwörtlich, doch was verbirgt sich in der Realität dahinter? Im 19. Jahrhundert, als es noch keine moderne Tontechnik gab, aber manche Opernkomponisten wie etwa Richard Wagner gern Spezialeffekte einbauten, waren Maschinen gefordert, die diese erzeugten. Dazu gehörten auch der Donnerkasten und die Blitzeinschlagsanlage. Das Schweriner Theater ist wahrscheinlich das letzte in Deutschland, das noch beide in ihrem Bestand hat. Auf Initiative der Gesellschaft der Theaterfreunde werden beide restauriert. Die Donnermaschine ist schon wieder einsatzbereit, an der Blitzanlage wird noch gearbeitet.

„Schwerin bewirbt sich mit seinem Residenzensemble für das Unesco-Weltkulturerbe. Dazu gehört auch das Theater“, sagt Matthias Kunze vom Vorstand der Theatergesellschaft. „Eines der Hauptkriterien für den Denkmalwert ist die Authentizität. Wir sind in der glücklichen Lage, außergewöhnlich seltene Instrumente aus dem 19. Jahrhundert wie etwa Glockenspiel, Bühnenorgel und Blitz- und Donneranlage im Original zu besitzen. Diese zu erhalten sehen wir Theaterfreunde als Pflichtaufgabe an“, betont Kunze. Deshalb habe sich der Verein in den vergangenen Jahren entschlossen, Geld für die Restaurierung bereitzustellen.

Glockenspiel und Bühnenorgel sind bereits wieder im Einsatz, nun kann auch die Donnermaschine genutzt werden. Das ist ein etwa zweimal zwei mal zwei Meter großer Kasten. Er ist ähnlich wie eine Pauke mit einer Kuhhaut bespannt, nur eben viel größer. Die Spannung der Haut kann mit Schraubzwingen reguliert werden. Als Resonanzboden dient ein gewaltiger Kupferblechkasten. Bedient wird die Donnermaschine mit dicken Schlägeln. Um Donnergrollen zu erzeugen, hängen zwei Dutzend ballartige Klöppel an Drahtseilen so über der Kuhhaut, dass sie entweder diese gerade so berühren oder halb darauf liegen. Wird das Fell mit dem Klöppel angeschlagen und in Schwingung versetzt, schlagen die Bälle unterschiedlich stark darauf, es grollt wie Donner.

Gebaut wurde die Maschine etwa 1883 für das Interimstheater, das nach dem großen Theaterbrand vom 16. April 1882 auf dem Bahnhofsplatz errichtet worden war. Nach der Einweihung des neuen Theaters am Alten Garten 1886 zog der Donnerkasten dorthin um und fand seinen Platz rechts von der Bühne. Über die Jahrhunderte nagte der Zahn der Zeit heftig an dem Instrument und mit der Erneuerung der Obermaschinerie war dort auch kein Platz mehr. „Nach der Restaurierung haben wir nach einem neuen Platz für den Donnerkasten gesucht und mit der Akustik experimentiert. Am besten klingt er von der linken Galerie im Schnürboden in etwa zwölf Meter Höhe über der Bühne“, versichert Matthias Kunze.

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