zur Navigation springen

Sparzwang in Schwerin : Erziehungshilfen unter der Lupe

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nach Kritik des Beratenden Beauftragten: Stadt überprüft Unterstützung von Familien / 104 Kinder im Jahr 2014 in Obhut genommen

von
erstellt am 28.Jan.2015 | 08:00 Uhr

Rund 15 Millionen Euro hat die Stadt im vergangenen Jahr für Hilfen zur Erziehung ausgegeben. Zu viel, sagt der Beratende Beauftragte. Doch Sozialdezernent Dieter Niesen (SPD) sieht wenig Spielraum für Einsparungen. Er verweist auf die Rechtsansprüche von überforderten Eltern und auf die Verpflichtung der Kommune zum Eingreifen beim Verdacht einer Kindeswohlgefährdung. 547 solcher Verdachtsfälle seien der Stadt im Jahr 2014 gemeldet worden, 104-mal hätten Kinder in Obhut genommen werden müssen. Trotzdem: Jeder Hilfe-Fall in Schwerin soll auf den Prüfstand kommen.

Worum geht es? Wenn Eltern mit ihren Kindern nicht klar kommen, springt der Staat ein. Mal reicht schon eine Erziehungsberatung, mal eine Begleitung zu Hause, mal ist die Unterbringung eines Kindes in einem Heim notwendig. Die Palette der Hilfen zur Erziehung ist groß, das Jugendamt entscheidet über die jeweilige Maßnahme, greift dabei auf Angebote freier Träger zurück.

Seit 2008, so beklagt der Beratende Beauftragte, sei in Schwerin ein sprunghafter Anstieg der Hilfen festzustellen. Zudem habe der bis vor Kurzem gültige pauschale Stundensatz für die Träger mit 46,35 Euro deutlich über den Sätzen vergleichbarer Städte gelegen. Der Rat des Sparkommissars: Rund 30 Prozent der stationären Hilfen sollten darauf hin untersucht werden, ob nicht auch eine ambulante Lösung infrage komme – mit besseren Ergebnissen und geringeren Kosten. Soll heißen: weniger Einweisungen in Heime, mehr Betreuung zu Hause (wir berichteten).

Die Stadt habe ihre Hausaufgaben bereits gemacht und nach Einsparmöglichkeiten gesucht, sagt Jugendamtsleiterin Caren Gospodarek-Schwenk. „Jeder Fall wird von uns noch einmal unter die Lupe genommen. Dabei überprüfen wir, ob die gewählten Instrumente richtig und angemessen sind.“ Auch in die Bezahlung der freien Träger sei Bewegung gekommen, betont Gospodarek-Schwenk – „noch bevor der Beratende Beauftragte sein Votum abgegeben hat“. Mit den Trägern seien inzwischen unterschiedliche Entgelte je nach Hilfeart und erforderlicher Qualifikation der Mitarbeiter vereinbart worden.

8,5 Millionen Euro hat die Stadt nach Angaben von Dezernent Niesen im Jahr 2014 für den Heimaufenthalt von Kindern bezahlt. Etwa 3500 Euro koste eine Unterbringung pro Kind und Monat. Pauschalen Forderungen nach einer Reduzierung von stationären Hilfen erteilt Niesen allerdings ein Absage. An erster Stelle müsse immer das Kindeswohl stehen, danach richte sich die Wahl der Erziehungshilfe. Erst wenn zwei unterschiedliche Hilfen den gleichen Erfolg versprechen würden, entscheide das Geld, erläutert der Dezernent.

Das System der frühen Hilfen, eines Informationsnetzwerks, das nach dem Tod der kleinen Lea-Sophie aufgebaut worden sei, habe sich bewährt, erklärt Niesen. „Die Wachsamkeit ist größer geworden.“ Hilfe habe freilich ihren Preis. So sei auch die Verwaltung auf geschultes Fachpersonal angewiesen, sagt der Dezernent. Derzeit sind nach seinen Worten 23 Beschäftigte bei der Stadt mit den Hilfen zur Erziehung befasst. „Es ist wichtig, dass vakante Stellen immer wieder besetzt werden“, so Niesen.

 

 

 

 

 

 

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen