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Schweriner Kitas : Erzieher drücken Schulbank, Kitas geschlossen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Durch Weiterbildungstag bleiben am 17. November alle Häuser geschlossen.

von
erstellt am 25.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Kann eine Erzieherin in der Kita ein fünfjähriges Kind als Partner im Erziehungsprozess sehen? Können Kinder überhaupt schon selbst entscheiden? „Ja“, sagt Anke Preuß, Geschäftsführerin der städtischen Kita gGmbH. Denn die Beteiligung von Kindern an ihren Aufgaben – Partizipation – sei eine zentrale Kernaufgabe in der Pädagogik. Dazu gehörten nicht nur passende Strukturen innerhalb der Kita, um die Kinder partnerschaftlich mit ins Boot der Erziehung zu nehmen, sondern auch die Eltern zu beteiligen.

„Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Eltern ist von Anfang an notwendig, ein Austausch auf Augenhöhe“, argumentiert Pädagoge Thomas Rupf. Er gehört als Seminarleiter mit zum Team der Experten, die am 17. November allen 334 Erzieherinnen und vier Azubis der Kita gGmbH neueste pädagogische Erkenntnisse nahe bringen wollen.

Den gesamten Tag lang dreht sich alles um das, was die Pädagogen täglich in ihrer Arbeit anwenden. Methodenkompetenz, Selbstreflexion, Teamgeist, Führungsstil, aber auch Fragen der Gestaltung von Kita-Räumen mit den Kindern werden in der Theorie und mit vielen Praxisbeispielen veranschaulicht, ist sich Kita-Chefin Preuß sicher. „Wir haben solch einen Fachtag bereits 2016 durchgeführt. Das Echo war sehr gut.“ Damals war das Kernthema Kommunikation gewesen.

Vor vier Jahren hatte die Führung der städtischen Kindereinrichtungen eine Mitarbeiterbefragung durchgeführt. Im Ergebnis dessen erhielten die einzelnen Häuser eigene Fortbildungs-Budgets, wurde eine Art Intranet zur Vernetzung der Einrichtungen eingerichtet, ein zentraler Zugriff auf Fachliteratur ermöglicht – und eben der Fachtag eingeführt.

Gab es die Premiere noch auf einen Sonnabend, ist in diesem Jahr ein Freitag gewählt worden. Belegschaft und Betriebsrat hatten das gefordert. Das bedeutet im Gegenzug natürlich, dass am Freitag, 17. November, alle Häuser der Kita gGmbH geschlossen bleiben: Die Pädagogen drücken die Schulbank. Der Gesetzgeber sehe Schließ- und Bildungswochen ausdrücklich vor, heißt es. Bei anderen Trägern seien mehrtägige Veranstaltungen keine Seltenheit.

Die Erstinformation über die Schließung habe es an die Eltern zu Jahresbeginn gegeben, berichtet Preuß. „Die Kita-Leiterinnen haben uns versichert, dass alle Eltern Bescheid wissen.“ Es habe auch keine Nachfragen gegeben. „Wir haben bewusst den Freitag gewählt, da erfahrungsgemäß viele Eltern ihre Kinder an dem letzten Tag der Woche ohnehin schon früher abholen.“

Dennoch: Die SPD-Fraktion der Stadtvertretung sieht offenbar ein Problem darin. „Mit Blick auf die eintägige Komplettschließung der Kita-gGmbH-Einrichtungen werden wir uns für eine Sicherstellung von Betreuungsnotdiensten einsetzen. Wir freuen uns dabei auf die Zusammenarbeit mit dem Stadtelternrat“, sagt die kinder- und jugendpolitische Fraktionssprecherin Edda Rakette.

Angesichts der gefragten Weiterbildung ihrer Mitarbeiter sieht Chefin Preuß da ein Problem. „Ich kann schlecht zu Kollegen sagen: Ihr dürft euch nicht weiterbilden, ihr müsst eine Notbetreuung sichern. Das kann ich nicht rechtfertigen.“

Vielleicht holt auch die SPD eine unnötige Keule raus: Während des Arbeitskampfes der Kita-Mitarbeiterinnen um eine Tariferhöhung haben die Schweriner Eltern ohne große Vorankündigung Flexibilität gezeigt. In den wenigen Notunterkünften während des Streiks in allen städtischen Kitas wurden damals nur eine Handvoll Kinder betreut.

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