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19. November 2017 | 04:29 Uhr

Erstkontakt erzwingen

vom

svz.de von
erstellt am 21.Nov.2007 | 09:34 Uhr

Gefühle lassen sich nicht verordnen. Kein Gericht und kein Gesetz bringt einen Mann dazu, seinem Kind ein liebevoller Vater zu sein. Aber kann er gezwungen werden, sein Kind wenigstens zu sehen? Diese schwierige Frage muss das Bundesverfassungsgericht klären. Der konkrete Fall ist das eine, im Kern jedoch geht es um Grundsätzliches. Hat das Kind ein Recht auf seinen Vater? Oder steht darüber das Recht des Vaters, diesen Kontakt abzulehnen, begründet mit dem Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit? In dem Fall aus Brandenburg betrachtet der Vater seinen Sohn allein als die ungewollte Folge eines Seitensprunges. Er wolle „Zahlvater“ sein, nicht mehr. Das legt die Vermutung nahe: Der achtjährige Junge hätte wohl nicht viel von seinem Papa, wenn dieser ihn zwangsweise besuchen müsste. Doch was, wenn - wie im konkreten Fall - der Vater sein Kind noch nicht ein einziges Mal gesehen hat? Es ist ungleich einfacher, den Kontakt zu seinem ungewollten Kind abzulehnen, ohne ein einziges Mal in die Augen des Sohnes oder der Tochter geblickt zu haben. Mit einem lebendigen Bild seines Kindes im Hinterkopf dürfte sich für viele Väter einiges ändern. Ein Kind muss einen Anspruch wenigstens auf die Chance haben, dass sein Vater eine Beziehung zu ihm aufbaut. Mindestens ein erster Besuch sollte erzwungen werden können. Schon eine kleine Aussicht auf das Wohl des Kindes muss im Zweifel mehr wert sein als die Wünsche und das Persönlichkeitsrecht des Vaters.

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