Schweriner Führerscheine : Erste Runden auf Flugplatz gedreht

Dietrich Biewald: „Den Führerschein von 1955 hat mir ein Mitarbeiter irgendwann gegeben, ohne ihn ungültig zu machen.“
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Dietrich Biewald: „Den Führerschein von 1955 hat mir ein Mitarbeiter irgendwann gegeben, ohne ihn ungültig zu machen.“

Dietrich Biewald hatte erst ein Motorrad und dann einen Führerschein. Schweriner erinnern sich an Fahrschule Otto Krüger

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08. August 2016, 21:00 Uhr

„Ich habe meinen ersten Führerschein am 1. September 1952 ausgestellt bekommen“, schreibt Ulrich Haesener. Die praktische Fahrausbildung habe er auf einem Motorrad der Marke Zündap, Baujahr 1926, absolviert, erinnert sich der Schweriner. Haesener ist einer von zahlreichen SVZ-Lesern, die sich an unserer Aktion „Ältester Führerschein gesucht“ beteiligten. Den ersten „Lappen“ von 1952 hat Ulrich Haesener leider nicht mehr. „Am 22. November 1984 habe ich ihn umgetauscht für einen neuen Führerschein“, schreibt der 88-Jährige. Er hätte den alten gerne als Andenken behalten, doch die Mitarbeiterin sei stur gewesen, habe das alte Dokument einbehalten. Mittlerweile hat Haesener einen dritten Führerschein, ausgestellt im August 2001. „Den Schein von 1984 habe ich aber noch.“

Die aktuelle Fahrerlaubnis von Werner Vogt stammt aus dem Jahr 1985, ist also nicht die älteste. Doch die Fahrschule liegt auch bei ihm schon mehr als 60 Jahre zurück. Die Fahrprüfung habe er 1953 gemacht. „Die Fahrschule sowie die Prüfung habe ich bei Otto Krüger aus Schwerin absolviert auf einem Opel Olympia“ , erzählt der Schweriner. An die Fahrschule Otto Krüger erinnert sich auch Hannelore Bohling. 1957 machte sie dort die Fahrausbildung. „Die Fahrschule befand sich in einer Garage im Hinterhof am Obotritenring“, erzählt die Schwerinerin. „Otto Krüger, die beste Fahrschule der Welt. So hat er immer gescherzt. Ich glaube, es war zu dem Zeitpunkt die einzige in Schwerin.“ Zur theoretischen Ausbildung gehörte, dass die Fahrschüler die einzelnen Teile des Motors kennen mussten. Autos habe es damals über einen Bezugschein gegeben. Da ein anderer Kunde abgesprungen sei, hätten sie und ihr Mann, mit dem sie zusammen die Fahrschule absolvierte, kurz danach einen P70 Kombi kaufen können, erzählt die 89-jährige Schwerinerin.

Ebenfalls bei Otto Krüger habe er seine Fahrprüfung abgelegt, sagt Manfred Weiß aus Schwerin. Er sei bereits in den 1940er-Jahren Motorrad gefahren, so der 88-Jährige. Sein aktueller Führerschein stamme aber aus dem Jahr 1955. „Ich bin Zeit meines Lebens immer irgendwie motorisiert gewesen“, erklärt Weiß.

Er hatte zwar kein Geld und keine Fahrerlaubnis, aber schon ein Motorrad, blickt Dietrich Biewald auf das Jahr 1954 zurück. „Ich war im zweiten Studienjahr für angehende Techniker. Da sah ich sie, frisch angeliefert in der Verkaufsstelle: eine 250er-Awo“, erzählt der Schweriner. Mit einem Sparvertrag habe er das Krad finanziert. Damals lebte er noch in Dessau. Auf dem nahen Flugplatz drehte er mit seinem Kumpel die ersten Runden, natürlich illegal. Als es zur Fahrschule ging, konnten sie schon fahren. Das hätte auch der Fahrlehrer erkannt. „Wir haben dann immer die Fahrschulkolonne als letzte Fahrer abgesichert“, erinnert sich Biewald, der 1969 nach Schwerin kam. Auch heute noch fährt der rüstige 81-Jährige Auto. Das Kuriose: Er hat einen Führerschein vom Januar 1955 und einen neueren von 1986. Beide sind gültig.

Welcher Schweriner hat aber den ältesten noch gültigen Führerschein? Schreiben Sie per Mail an schwerin@svz.de, geben Sie Name und Telefonnummer an, wir rufen Sie an. Oder schreiben Sie an Schweriner Volkszeitung, Gutenbergstraße 1, 19061 Schwerin.

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