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Flüchtlinge in Schwerin : Erstaufnahme in der Warteschleife

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In Stern Buchholz werden derzeit nur rund 200 Flüchtlinge betreut - Mitarbeiter sind aber auf neuen Ansturm vorbereitet

von
erstellt am 03.Mai.2016 | 05:00 Uhr

Miari Fadel ist eigentlich Ingenieur. Aber nun hat er einen anderen Beruf: Er arbeitet als Flüchtlingsbetreuer und Dolmetscher in der Erstaufnahmestelle in Stern Buchholz. Fadel, der als Palästinenser in Syrien lebte und mit seiner Familie vor dem Bürgerkrieg floh, ist stolz auf seinen neuen Job bei den Maltesern, die die Einrichtung in Stern Buchholz betreiben. „Ich habe auch schon sehr gut Deutsch gelernt“, sagt der 35-Jährige und nimmt seine beiden Töchter Bessan und Faten in den Arm.

Insgesamt 80 Mitarbeiter zählt das Team von Einrichtungsleiter Heiko Stroth. Die Zeiten, in denen in Stern Buchholz ein Bus mit Flüchtlingen nach dem anderen vorfuhr, sind allerdings vorerst Geschichte. Von den regulären rund 750 Plätzen in der ehemaligen Kaserne seien aktuell 200 belegt, sagt Stroth – mit Asylbewerbern unter anderem aus Syrien, Serbien und Russland.

Zwischen 3000 und 4000 Flüchtlinge haben nach Angaben von Stroth die Erstaufnahmestelle in Stern Buchholz seit der Eröffnung im Juni vergangenen Jahres durchlaufen, seien anschließend auf Kommunen verteilt worden. Und der Einrichtungsleiter geht davon aus, dass die Zahl der Flüchtlinge in diesem Jahr wieder steigen wird: „Die Menschen, die zu uns kommen wollen, suchen sich ihren Weg.“ Bis April 2017 läuft der Vertrag des Landes mit den Maltesern, die auch für die Hauptstelle der Flüchtlingserstaufnahme in Nostorf/ Horst bei Boizenburg zuständig sind, wo 450 Betten für Asylbewerber zur Verfügung stehen.

Laut Innenministerium sind seit Jahresbeginn rund 3700 Flüchtlinge nach MV gekommen, im April etwa 200. Ungenutzt ist die Unterkunft in der Schweriner Werkstraße mit 385 Plätzen, für die das Land monatlich 125 000 Euro an die Comtact GmbH zahlt, deren Geschäftsführer der SPD-Landtagsabgeordnete Jörg Heydorn ist (SVZ berichtete). „Der Vertrag für die Werkstraße gilt noch bis Ende Juni“, sagt Ministeriumssprecher Michael Teich. Er sei vor dem Hintergrund der rückläufigen Flüchtlingszahlen fristgerecht gekündigt worden.

In Stern Buchholz bereiten sich die Mitarbeiter darauf vor, dass sie auch weiterhin gebraucht werden. Miari Fadel ist einer von drei Beschäftigten, die selbst als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind. Er will in der Bundesrepublik bleiben. „Miari hat sich gut eingelebt“, sagt sein Chef Heiko Stroth.

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